Donnerstag, 16. August 2018

Wyman-Chefin Finja Kütz "Wir wollen unter die Top Drei"

Finja Kütz, Deutschland-Chefin von Oliver Wyman: "Wir sind froh, dass wir so selbstkritisch und lernfähig sind"
Stefan Baumgartner
Finja Kütz, Deutschland-Chefin von Oliver Wyman: "Wir sind froh, dass wir so selbstkritisch und lernfähig sind"

Finja Carolin Kütz ist seit einem Jahr Deutschlandchefin von Oliver Wyman, die erste Frau an der Spitze einer hiesigen Unternehmensberatung. Im mm-Interview sagt sie, wie Oliver Wyman zu den großen Drei der Zunft aufschließen will.

In seiner neuen Ausgabe berichtet manager magazin ausführlich über die jüngste Unternehmensberater-Studie, die sich mit dem Einfluss und der Wirkungskraft der Consultants beschäftigt.

manager magazin: Frau Kütz, in der aktuellen Untersuchung des Bonner Wirtschaftsprofessors Dietmar Fink zum Einfluss der Unternehmensberater in Deutschland, über die wir in unserer neuen Ausgabe berichten, belegt Oliver Wyman den vierten Rang, hinter den Branchengrößen McKinsey, Boston Consulting und Bain. Sind Sie zufrieden mit der Platzierung?

Finja Carolin Kütz: Nein. Wir haben zwar gute Fortschritte gemacht. Unser Ziel ist aber, unter die Top Drei zu kommen. Wir machen gute Arbeit, und die Leute, für die wir arbeiten, honorieren das. Aber die, die nur peripher von uns Notiz nehmen, merken nicht, was wir können. Die Studie bestätigt uns an dieser Stelle.

mm: In welcher Beziehung wollen Sie Nummer Drei werden? Welche Größe ist für Sie maßgebend?

Kütz: Im Endeffekt ist das natürlich auf den Einfluss und die Wirkung beim Kunden bezogen. Näherungsweise messen wir das am Umsatz.

mm: Experten schätzen den Deutschlandumsatz auf rund 300 Millionen Euro.

Kütz: Wir veröffentlichen keine Zahlen für Deutschland, wie mittlerweile fast alle in der Branche. Global sind wir das transparenteste Unternehmen überhaupt. Wir haben im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden US-Dollar weltweit umgesetzt, das kann man nachlesen. Wir wollen zu den Top Drei gehören und uns Luft verschaffen gegenüber den Nachfolgenden. Da haben wir noch eine Menge zu tun.

mm: Sie haben in der Studie bei den Faktoren Selbstkritik und Lernfähigkeit gute Noten von den Kunden erhalten. Jetzt mal ganz selbstkritisch: Was läuft schief bei Oliver Wyman?

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Kütz: Wir sind froh, dass wir so selbstkritisch und lernfähig sind. Diese Eigenschaften sind in der neuen, digitalen und volatilen Welt besonders wichtig, die von Versuch-und-Irrtum geprägt ist und in der man schnell nachjustieren muss. Ein Punkt, woran es bei uns hakt, ist sicher, dass wir zulange davon überzeugt waren: Wenn wir gute Arbeit leisten, dann spricht sich das schon herum. Wir haben erkannt, dass man sich nicht auf die Mund-zu-Mund-Propaganda verlassen kann, sondern man muss selber darüber reden. Wir sind noch zu leise.

mm: Der so genannte ungestützte Bekanntheitsgrad bei den Kunden liegt nur bei 32 Prozent. Da ist noch Luft nach oben. Bain, Nummer drei im Ranking, liegt besser (46 Prozent), vom Erstplatzierten McKinsey (92 Prozent) ganz zu schweigen. Wie wollen Sie bekannter werden?

Kütz: Viele Konkurrenten sind seit 50, 60 Jahren in Deutschland als Beratermarke präsent. Oliver Wyman gibt es in allen Branchen erst so richtig seit 2007, als wir mit Mercer zusammengingen. Das holt man nicht von heute auf morgen auf. Aber es stimmt: In den vergangenen zehn Jahren wurde viel zu wenig getan, um die Marke bekannter zu machen.

mm: Und nun: Wie viel investieren Sie in Marketing?

Kütz: Was wir vor allem tun: Wir sprechen viel häufiger als früher mit Medien. In den vergangenen Monaten waren wir mit Interviews, Zitaten, Studiendarstellungen häufig in den Zeitungen. Früher hatten wir die Einstellung: Wir sprechen mit unseren Kunden - und das reicht.

mm: Welcher Bekanntheitsgrad wäre denn für Sie akzeptabel?

Kütz: Unsere Ambition ist, dass uns die Hälfte der Leute nennen, wenn sie nach den zehn wichtigsten Unternehmensberatungen gefragt werden. Das entspricht einem ungestützten Bekanntheitsgrad von 50 Prozent . Wenn wir den erreicht haben, können wir uns das nächste Ziel setzen.

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