Donnerstag, 26. Mai 2016

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EZB und Fed verstärken die Krise, statt sie zu lösen Entmachtet die Notenbanken!

Fed-Chefin Janet Yellen, EZB-Chef Mario Draghi: Die Notenbanken treiben uns mit ihrer Politik immer tiefer in die Krise, statt sie zu lösen

Ohne die Politik der Notenbanken der letzten Jahrzehnte hätten wir keine Überschuldungskrise, keine Vermögenswertblase und keine Deflation. Wir hätten auch keinen Ölpreis unter 30 US-Dollar. Glauben Sie nicht? Gut, schauen wir uns die Punkte nacheinander an.

Die Hoffnung auf die Allmacht der Notenbanken schwindet. Zwar gibt es immer noch naive Vertreter der These, die Notenbanken, allen voran die Fed müssten nur mehr Geld drucken und schon wäre die aktuelle Börsenkrise überwunden. Doch diese Aussagen basieren mehr auf Hoffnung als auf Wissen. Denn immer deutlicher wird: die Notenbanken treiben uns mit ihren Eingriffen tiefer in die Krise, statt sie zu lösen. Und das tun sie schon seit dreißig Jahren.

Daniel Stelter
Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: ohne die Politik der Notenbanken der vergangenen Jahrzehnte hätten wir keine Überschuldungskrise, keine Vermögenswertblase, keine Diskussion über ungleiche Vermögensverteilung und keine Deflation. Wir hätten auch keinen Ölpreis unter 30 US-Dollar. Glauben Sie nicht? Gut, dann schauen wir uns die Punkte nacheinander an.

Die asymmetrische Reaktion der Notenbanken

Der "Grenspan-Put" ist ein feststehender Begriff. Immer wenn es an den Finanzmärkten oder in der Wirtschaft zu Turbulenzen kam, hat die US-Notenbank und in ihrem Gefolge die anderen Notenbanken der westlichen Welt schnell gehandelt: tiefere Zinsen und mehr Liquidität wurde zur Verfügung gestellt.

Börsencrash von 1987, Russlandkrise, Asienkrise, Dot-Com-Bubble, Finanzkrise. Immer war den Beteiligten klar, dass die Notenbank sie raushauen würde. Dabei wurden die Zinsen nie wieder ausreichend erhöht. Es ging also immer tiefer über die Jahrzehnte. Immer attraktiver wurde es, mit geliehenem Geld zu arbeiten. Leverage wurde zum Elixier der Märkte. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht in dieser asymmetrischen Reaktion der Notenbanken einen Grundfehler der Notenbankpolitik der letzten Jahrzehnte.

Verschuldung wurde salonfähig - und Leverage zum Elixier der Märkte

Damit wurde Verschuldung hoffähig. Sicherlich auch befeuert von den Politikern, die sich ebenfalls über eine temporäre Konjunkturbelebung freuten, wurde in den USA und in Europa immer großzügiger Kredit vergeben.

In Europa wurde dies durch die Einführung des Euro noch verstärkt, weil die EZB die Zinsen - aus Rücksicht auf das damals kränkelnde Deutschland - jahrelang zu tief hielt und so erst den Schulden- und Immobilienboom in den heutigen Krisenländern ermöglichte.

Je höher geleveraged das System ist, desto größer ist auch die Krisenanfälligkeit. Und desto bedrohlicher auch jede Krise. Deshalb mussten die Notenbanken immer heftiger intervenieren, was wiederum einen Anreiz gab, noch mehr Schulden zu machen. Das Medikament, welches die Notenbanken geben, verstärkt die Krankheit.

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