Montag, 25. Juli 2016

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FC Bayern München "Die Lücke ist enorm"

FC Bayern München ist Manchester United beim Sponsorship weit unterlegen

Im SPONSORS-Interview spricht Jörg Wacker über die Marketingreise durch die USA und den globalen Wettbewerb mit internationalen Top-Clubs. Der Vorstand Internationalisierung und Strategie des FC Bayern München erwartet eine Revolution im Sponsoring und fordert einen stärkeren Austausch innerhalb der Bundesliga.

SPONSORS: Herr Wacker, Sie haben Ihre Karriere als Sportjournalist begonnen. Welche Schlagzeile zur USA-Reise des FC Bayern München hat Ihnen am besten gefallen?

WACKER: Ich muss sagen, dass ich mich über jede Berichterstattung, vor allem auch in der amerikanischen Presse, sehr gefreut habe. Die Resonanz im Land selber ist für uns entscheidend. Wir haben zwei Spiele in ausverkauften Stadien bestritten, das Training in Portland haben an einem Dienstagnachmittag 5000 Zuschauer verfolgt und bei Autogrammstunden waren teilweise Warteschlangen von über 100 Metern. Unser MLS-Allstar-Game wurde in 130 Ländern live übertragen, und 1,5 Millionen US-Amerikaner waren am TV da- bei - die zweithöchste Einschaltquote der letzten zehn Jahre. Auch die Eröffnung unseres Büros in New York, die von Thomas Gottschalk moderiert wurde, lief mit großem öffentlichem Interesse ab. Wir haben unser Ziel, die Marke FC Bayern München in ein gutes Licht zu rücken, definitiv erreicht.

SPONSORS: Wie wurde aus den USA der Fokusmarkt Nummer eins innerhalb Ihrer Internationalisierungsstrategie?

WACKER: Wir haben alle relevanten Märkte genau analysiert und uns auf dieser Grundlage auf die USA und zeitlich nachgelagert China fokussiert. Der amerikanische Markt hat ein riesiges Potenzial. In den USA leben 300 Millionen Menschen, davon sind 60 Millionen fußballinteressiert und etwa 15 Millionen sympathisieren mit dem FC Bayern. Gerade der Blick auf die vergangene FIFA WM und die Rekord-Einschaltquoten in den USA hat unsere Analyse bestätigt. Das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien hatte mit 26,5 Millionen mehr TV-Zuschauer in den USA als ein NBA-Finalspiel.

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Heft Dezember 2015

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SPONSORS: Wie kann der FC Bayern 15 Millionen Sympathisanten in den USA nachhaltig für sich nutzen?

WACKER: Sympathisanten sind zunächst einmal Menschen, die den FC Bayern gut finden. Unsere Aufgabe in den Märkten ist es nun, diesen Menschen den Verein näher zu bringen, sie dazu bewegen, unsere Spiele im Ausland zu besuchen, sich mal ein Poster oder ein Trikot zu kaufen oder sogar einen eigenen Fanclub zu gründen. Wir haben schon 3800 Fanclubs, davon mehr als 400 außerhalb von Deutschland. Kein anderer Verein auf der Welt hat so viele organisierte Anhänger. In den USA gibt es hier aber noch Luft nach oben.

SPONSORS: Vor allem in der jungen Zielgruppe: Bei den Jugendlichen in den USA ist der Fußball inzwischen die Sportart Nummer eins. Es gibt nach aktuellen Untersuchungen 25 Millionen aktive Fußballer, wovon 18 Millionen jünger als 18 Jahre sind.

WACKER: Das sind enorme Zahlen. Genau dieser tiefere Blick in den Markt war ein wichtiger Teil unserer Analyse. 18 Millionen aktive Kinder und Jugendliche kann keine andere Sportart in den USA vorweisen, weder Baseball und Basketball noch American Football oder Eishockey. Diese Entwicklung ist nicht zu stoppen. Zudem wächst der Anteil der sehr fußballaffinen Hispanics in der Bevölkerung. Es deutet vieles darauf hin, dass die USA mehr und mehr zum Fußball-Land wird.

SPONSORS: Ist eine spezielle Ansprache der jungen Zielgruppe geplant?

WACKER: Wir wollen in den USA 365 Tage im Jahr als Marke sichtbar sein und Nachhaltigkeit in die Beziehung mit unseren Fans bringen. Das soll uns unter anderem mit Medienkooperationen, Soccer Camps oder Grasroots-Programmen gelingen. Das versuchen wir Schritt für Schritt umzusetzen.

SPONSORS: Welche Erfolge können Sie schon vermelden?

WACKER: Aktuell haben wir unter anderem schon eine eigene App und eine Internetpräsenz mit Inhalten speziell für den US-Markt geschaffen, beispielsweise mit einer regelmäßigen Kolumne von unserem US-Nationalspieler Julian Green. Auch einen E-Commerce-Shop haben wir bereits gelauncht. So wollen wir immer stärker und intensiver in den Markt gehen.

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