Sonntag, 31. Juli 2016

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FAZ Kluger Tropf

Absatzschwäche: Die FAZ-Macher
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Bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" brennen schon lange keine Freudenfeuer mehr: Der Verlag verliert Kunden, der Umsatz sinkt, die Verluste steigen. Das hessische Verlagshaus kommt aus eigener Kraft nicht mehr voran.

Hamburg - Tobias Trevisan ist ein sorgfältig gearbeiteter, kräftiger Kerl, der lieber nachdenkt, statt herumzufaseln, und der eine Menge hält von Dingen mit Hand und Fuß, aber manchmal eben auch von welchen ohne. Jetzt sitzt er da und denkt nach, die Augen bläulich umschattet wie einer von den späten Buddenbrooks.

Trevisan ist Schweizer, ein Bergbewohner, stammt allerdings aus der flacheren Ecke bei Basel. Leute von der Küste, ebenso wie Leute aus dem Gebirge, das weiß man, wollen im Grunde ihres Herzens immer zurück. Das ist eine ganz natürliche Reaktion.

Nun hat er genug nachgedacht, räuspert sich. "Ich habe einen spannenden Beruf." Er will jetzt diplomatisch sein. Aber auch wieder nicht zu diplomatisch. "Dafür verzichte ich jedoch auf einen großen Teil meines Privatlebens." Er lächelt schief. "Das ist auf die Dauer etwas einseitig." Es klingt, als habe er gründlich darüber nachgedacht und sich gerade mit diesem Privataspekt eingehend beschäftigt.

Acht Jahre lang führte Trevisan die Geschäfte der FAZ GmbH, die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") verlegt und ein paar Nebengeschäfte betreibt. Aber zu Silvester gibt er sein Abzeichen zurück: 20 Monate vor dem vereinbarten Vertragsende.

Die Liebe hat bei seiner Entscheidung keine geringe Rolle gespielt: Seine Freundin, die schweizerisch-amerikanische Künstlerin Eugenia Burgo, und deren zwei Kinder hatten eigentlich mit ihm gemeinsam von Küsnacht am Zürichsee nach Frankfurt übersiedeln wollen. Nahe der Alten Oper hatte Trevisan eine Fünfzimmerwohnung angemietet.

Doch der Vater der Kinder widersetzte sich dem Umzug aus Gründen, die man vielleicht auch verstehen kann, und so blieb Trevisan nichts anderes übrig, als alleine einzuziehen, freitagabends um sechs nach Zürich zu fliegen und montagmorgens um sieben zurück. Und wenn er, der Verliebte, dann am Montagabend die Tür zu seiner Wohnung aufschloß und das Licht im Flur anknipste - dann war die Wohnung nur noch groß und leer und still, aber kein Zuhause.

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