Mittwoch, 1. Juni 2016

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FAZ Kluger Tropf

Absatzschwäche: Die FAZ-Macher
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2. Teil: Die Geschäfte laufen miserabel

Im Frühling unterrichtete er seinen Aufsichtsratsvorsitzenden Karl Dietrich Seikel (67), dass die Berge ihn riefen, dass er zurück in seine Heimat wolle, um sich dorten zu verselbstständigen. Und Seikel hörte sich das ruhig an und dachte sich seinen Teil dabei und tat so gut wie nichts, um Trevisan zum Bleiben zu bewegen. Denn Seikels Plänen spielte der angekündigte Fortgang durchaus in die Hände.

Trevisan hatte sich in Ardez im Engadin ein Bauernhaus gekauft, in dem die Trevisan AG ihren Amtssitz haben wird, eine Firma, die Verlagen bei der Erfindung und Entfaltung von Neugeschäften auf die Sprünge helfen soll. Vier Kompagnons seien dabei: Alles Leute mit gutem Namen, mehr könne er jetzt aber nicht dazu sagen.

Das Kommando im zehnten Stock des FAZ-Verlagsgebäudes wird im Januar Thomas Lindner (48) übernehmen, Verlagsgeschäftsführer des "Stern" bei Gruner+Jahr. Als Bestbesetzung kann man ihn nur bedingt bezeichnen. Er hat sich für seine Aufgabe nicht gerade aufgedrängt: Der "Stern" schreibt schon lange keine Erfolgsgeschichten mehr.

Ursürpnglich hatte Oberwachtmeister Seikel einen der wenigen Mords-, Pracht- und Pfundskerle der Gilde für den (mutmaßlichen) Renommierposten an der FAZ-Spitze favorisiert: Rainer Esser von der "Zeit" war im Gespräch, Springers Zeitungsvorstand Jan Bayer schwebte ihm vor und sogar der frühere G+J-Finanzchef Achim Twardy, der für seine Profillosigkeit und Zurückhaltung weithin bekannt ist. Doch der eine war zu glücklich, der andere zu teuer und einer sogar beides.

Und sehr viel mehr als 600.000 Euro im Jahr kann das Zentralorgan der bürgerlichen Eliten für seinen Anstaltsleiter nicht ausgeben, da schon der Unterhalt seiner fünf Herausgeber ein Vermögen kostet, nämlich rund 2,5 Millionen Euro im Jahr. Und auch Trevisan hält sich weiter fit mit Geld: Er arbeitet Nachfolger Lindner ein (falls der Bedarf nach Einarbeitung verspüren sollte) und kassiert dafür weiterhin sein altes Geschäftsführergehalt, sozusagen abfindungshalber.

Leisten kann sich die FAZ GmbH dies eigentlich nicht: Offizielle Zahlen werden zwar erst im Laufe der kommenden Monate veröffentlicht, aber dass die Geschäfte miserabel laufen, das darf man schon heute vermuten: Der Umsatz ist im vergangenen Jahr um rund 4 Prozent auf unter 260 Millionen Euro (Vorjahr: 268,5 Millionen) verdampft. Bei Trevisans Ordination im Jahre 2006 waren noch 317 Millionen Euro ausgerufen worden. Auch ein Verlust ist von den Buchhaltern erfasst erworden, schmerzlicherweise gleich der zweite in Serie und wahrscheinlich höher noch als der von 2012, als 4,3 Millionen in der Kasse gefehlt hatten.

Der Grund für den Niedergang ist bekannt: höhere Gewalt. Das Internet. Gegen das Netz mit seinen kosten- und bodenlosen Angeboten, auf dieses Alibi hat man sich in der Innung geeinigt, sei absolut kein Kraut gewachsen: Die Leser laufen davon, die Anzeigenkunden stürzen hinterher. Die Branche plädiert auf unschuldig.

Die Hessen, die ihr Geld jahrelang vor allem mit Anzeigen von Banken und Versicherungen verdient hatten, hat es im Zuge der Finanzkrise nach 2008 besonders hart getroffen: Im Jahr 2000 hatte die "FAZ" noch 235 Millionen Euro allein mit Stellenanzeigen eingenommen, heute sind es nicht einmal mehr 15 Millionen Euro.

Die "FAZ" selbst wird 2013 einen Fehlbetrag von knapp zehn Millionen Euro kontieren. Das Geld strömt hinaus wie aus einem offenen Brunnenrohr. 2014 soll die Zeitung angeblich wieder Gewinne abwerfen. Darauf wetten würde aber freilich keiner.

Die Fazit-Stiftung, Hauptgesellschafter des Verlags, hat allen Anlass zur Besorgnis: Denn um ihrem Zweck zu genügen (der Förderung von Wissenschaft und Bildung), ist sie auf ihren Anteil am FAZ-Gewinn angewiesen.

Doch die Nebenerwerbszweige der Frankfurter können den Abschwung bremsen, aufhalten können sie ihn nicht. Eine Aussicht auf baldige Erholung bietet sich nicht: "Wir rechnen weiterhin mit einer angespannten Situation", sagt Trevisan. "Die Unsicherheit in den Märkten wird bestehen bleiben."

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