Mittwoch, 22. August 2018

Enttäuschung nach Datenskandal und Zahlen 150 Milliarden weg - Facebook-Aktie stürzt 25 Prozent

Was nun, Herr Zuckerberg? Auch das Vermögen des Facebook-Chefs und Aktionärs Mark Zuckerberg dürfte in der Nacht um ein paar Milliarden Dollar geschmolzen sein

Facebook ist doch verwundbar, wie die EU-Datenschutzverordnung und der Skandal um Cambridge Analytica demonstriert haben. In Europa ging die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer nach Greifen der neuen Datenschutzregeln zurück. Weil Facebook im vergangenen Quartal die Analysten-Erwartungen auch beim Umsatz verpasste und die Führungsriege nur einen sehr vorsichtigen Ausblick abgab, stürzte die Aktie des sozialen Netzwerks am Mittwoch im nachbörslichen Handel zeitweise um fast 25 Prozent ab.

Innerhalb von weniger als zwei Stunden nach Bekanntgabe der Zahlen für das abgelaufene Quartal verlor Facebook Börsen-Chart zeigen rund 150 Milliarden Dollar (128 Milliarden Euro) an Marktkapitalisierung. Dieser Absturz hat historische Dimensionen, wie der vergleichende Tweet von Bloomberg zeigt:

Drastischer Rückgang der täglich aktiven Nutzer in Europa

Facebook betonte, dass die europäische Datenschutz-Grundverordnung zumindest bisher den Umsatz nicht beeinträchtigt habe. Zugleich fiel die Zahl mindestens einmal im Monat aktiver Nutzer in Europa von 377 auf 376 Millionen. Bei den täglich zurückkehrenden Mitgliedern gab es sogar einen Rückgang von 282 auf 279 Millionen. Facebook-Manager gaben keine Prognose dazu ab, wie sich diese Zahlen entwickeln werden. Firmenchef Mark Zuckerberg sagte zugleich, es sei ermutigend, dass die große Mehrheit der Nutzer in Europa der weiteren Datenauswertung für personalisierte Werbung zugestimmt habe.

Weltweit wächst Zahl aktiver Nutzer kaum noch

Insgesamt legte die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer weltweit von knapp 2,2 auf 2,234 Milliarden zu. Das Wachstum verlangsamte sich damit. Von Thomson Reuters befragte Experten hatten mit 2,25 Milliarden gerechnet. In dieser Situation führte der Konzern eine neue Rechenart ein. Auf mindestens eine App aus dem Facebook-Konzern - dazu gehören unter anderem auch die Fotoplattform Instagram und der Chatdienst WhatsApp - griffen rund 2,5 Milliarden Nutzer zu, hieß es.

Inwieweit der beispiellose Sturm der Kritik nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica ebenfalls das Wachstum gebremst haben könnte, blieb unklar. Im wirtschaftlich wichtigsten Heimatmarkt gibt es schon seit mehreren Quartalen keinen Zuwachs der Mitgliederzahlen. Dabei machte Facebook in Nordamerika im vergangenen Quartal mehr als 25 Dollar Umsatz pro Nutzer. In Europa waren es nur 8,6 Dollar.

Umsatzwachstum hinter Erwartungen, schwacher Ausblick, steigende Kosten

Wie Facebook mitteilte, stieg der Umsatz zwar um 42 Prozent auf 13,23 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 13,36 Milliarden Dollar gerechnet.

Finanzchef David Wehner machte den Anlegern wenig Hoffnung auf Besserung. Die Wachstumsraten beim Umsatz würden sich im zweiten Halbjahr weiter verlangsamen . Im dritten und vierten Quartal werde das Umsatzwachstum im oberen einstelligen Prozent-Bereich gegenüber den Vorquartalen sinken, sagte er. "In den kommenden Jahren erwarten wir, dass die operativen Margen um die 30 Prozent tendieren werden", sagte Wehner. Im zweiten Quartal war die Marge auf 44 Prozent gefallen gegenüber 47 Prozent ein Jahr zuvor.

Bei den Kosten erwartet das Unternehmen einen Sprung von 50 bis 60 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr, weil Facebook mehr in Datensicherheit, Marketing und Inhalte investieren will.

"Wenn es um ein schwächeres Umsatzwachstum geht, sprechen sie über Gegenwind durch Währungseffekte, aber wir denken eher, dass es auf ein langsameres Neukunden-Wachstum zurückzuführen ist und das hat mit einem Trend zu mehr Datenschutz und mit der Datenschutzgrundverordnung zu tun", sagte Ali Mogharabi, Analyst bei Morningstar.

Monatlich eine Million weniger aktive Nutzer

Die vor kurzem in der EU in Kraft getretene Datenschutzverordnung hat auch Facebook dazu gezwungen, seine Nutzerbedingungen hin zu mehr Datenschutz zu ändern. Außerdem hatte sie zu einer breiten öffentlichen Debatte über Datenschutz im Internet geführt. Firmenchef Mark Zuckerberg führte in einem Analystengespräch den Rückgang der aktiven Nutzer in Europa mit darauf zurück.

Auch der Skandal um die Weitergabe von Nutzerdaten an die Beratungsfirma Cambridge Analytica belastete das Image von Facebook und führte sogar zu Boykottaufrufen. Zuckerberg bat wegen der Affäre um Entschuldigung und kündigte bessere Sicherheitsvorkehrungen an.

Der Bilderdienst Instagram wuchs auf eine Milliarde monatlicher Nutzer von 600 Millionen zum Ende vergangenen Jahres. Die beiden Messenger-Dienste von Facebook, Messenger und WhatsApp hatten jeweils mehr als eine Milliarde monatliche Nutzer gemeldet. Instagram trägt nach Einschätzung der Analysten von EMarketer damit voraussichtlich 18 Prozent in diesem und 23 Prozent im nächsten Jahr zu den Facebook-Einnahmen bei. "Es scheint aber, das die stärkere Perfomance von Instagram nicht ausreicht, um den Gegenwind auszugleichen", sagte Analyst Colin Sebastian von Eobert W. Baird&Co.

rei/dpa/Reuters

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