Freitag, 22. September 2017

Ehemalige CFO fordert Insolvenzverwalter Alno: Ex-Finanzchefin will Eigentümer aus dem Konzern drängen

Schauraum des Küchenherstellers Alno.

Der Wirtschaftskrimi um Alno spitzt sich immer weiter zu: Die frühere Finanzchefin Ipek Demirats will die Macht des umstrittenen Unternehmerclans Hastor über den insolventen Küchenhersteller brechen. Nach Informationen von manager-magazin.de hat Demirtas über ihre Investmentgesellschaft First Epa beim Insolvenzgericht in Hechingen einen Antrag auf Beendigung des vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenregie gestellt. Demirtas Anwalt Georg Streit von der Kanzlei Heuking fordert den Einsatz eines starken Insolvenzverwalters.

Wie aus mehreren Briefen hervorgeht, die manager-magazin.de vorliegen, wird das Begehren von Handelspartnern und Großgläubigern unterstützt. Diese werfen der Unternehmerfamilie vor, das Vertrauen verspielt zu haben. Zentrale Geschäftspartner drohen sogar mit einem Lieferstopp, wenn das Gericht die Eigenverwaltung nicht beendet und damit die Hastors entmachtet.

Parallel arbeiten einzelne Großgläubiger an einem Sanierungskonzept, das eine Entschuldung des Konzerns vorsieht. Das Konzept soll den übrigen Schuldnern im Laufe der Woche vorgestellt werden.

Erst vor wenigen Tagen hatte Alno eine desaströse Bilanz für das Geschäftsjahr 2016 vorgelegt. Unterm Strich stand ein Minus von 67,2 Millionen Euro (Vorjahr: - 4,3 Millionen Euro). Der Umsatz ging von 521,5 auf 493,2 Millionen Euro zurück. Wie der Konzern betonte, ist die Bilanz vorläufig und ungeprüft. Die Vorlage der Zahlen wurde zuvor mehrfach verschoben.

Das Amtsgericht Hechingen hatte am 13. Juli einem Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenregie zugestimmt. Rund ein Dreivierteljahr zuvor war der Hastor-Clan beim seit Jahren angeschlagenen Küchenhersteller aus Pfullendorf eingestiegen und hatte mit einem radikalen Sparprogramm versucht, Alno aus der Krise zu führen. Damit scheint das kleine Management-Team der Familie allerdings überfordert. Die eingesetzten Vorstände und Aufsichtsräte scheuen das Licht der Öffentlichkeit.

Zur härtesten Gegenspielerin der Hastors hat sich die im Frühjahr entlassene frühere Finanzchefin Demirtas entpuppt, die über First Epa still und heimlich Forderungen von Großgläubigern wie Whirlpool aufgekauft hat, um Druck auf den Clan auszuüben, den Fortbestand des Konzerns zu sichern und womöglich selbst Teile von Alno zu erwerben.

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