Dienstag, 23. Oktober 2018

Europäischer Fußball Garantiert Geld europäische Titel?

Europäischer Fußball: Garantiert Geld europäische Titel?
DPA

Real Madrid und der FC Barcelona holten seit 2007/08 je drei Champions-League-Titel, der FC Bayern nur einen. Der FC Sevilla und Atlético gewannen zusammen fünfmal die Europa League, deutsche Clubs kein einziges Mal. So viel Geld braucht es für europäische Titel.

Real Madrid schaffte in diesem Jahr ein Kunststück, das zuvor noch keinem anderen europäischen Fußball-Club gelungen war. Mit einem 4:1-Sieg über den italienischen Serienmeister Juventus Turin verteidigten die "Königlichen" im Finale der Saison 2016/17 eindrucksvoll ihren Titel in der UEFA Champions League - als erstes Team in der Geschichte des Wettbewerbs, der zur Saison 1992/93 eingeführt wurde.

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Heft Juli 2018

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Nicht nur aufgrund der Titelverteidigung setzte der Club in den vergangenen zehn Jahren sportlich Maßstäbe. Zwar holten die Madrilenen lediglich dreimal den spanischen Meistertitel, im Kampf um die europäische Fußball-"Königsklasse" erreichte Real in den vergangenen zehn Jahren aber siebenmal mindestens das Halbfinale und gewann den "Henkelpott" dreimal. Genauso erfolgreich war in dieser Dekade nur der katalanische Erzrivale FC Barcelona.

Die beiden spanischen Clubs waren in den vergangenen zehn Jahren sportlich das Maß aller Dinge im europäischen Club-Fußball.

Doch ist dies wirklich so überraschend? Muss es, mit Blick auf die Wirtschaftskraft der beiden spanischen Clubs, nicht sogar heißen: "Wenn nicht Real und Barça die Champions League gewinnen, wer denn sonst?" Insbesondere, wenn die finanziellen Möglichkeiten anderer europäischer Vereine in die Analyse miteinbezogen werden, die regelmäßig an der Champions League teilnehmen oder sich sogar regelmäßig ins Viertel- oder Halbfinale vorkämpfen.

63 bis 679 Millionen Euro

Wie beim wirtschaftlichen Vergleich zwischen der Fußballbundesliga und der englischen Premier League wurde auch bei der vorliegenden Untersuchung der Jahresumsatz der Clubs in der Saison 2015/16 als Messgröße herangezogen. Das hängt damit zusammen, dass die meisten ChampionsLeague-Clubs ihre Umsätze für das Geschäftsjahr 2016/17 noch nicht veröffentlicht haben. Das heißt: Die Auswirkungen der neuen Medienverträge der Premier League (seit der Saison 2016/17) und der Bundesliga (2017/18) bleiben ebenso unberücksichtigt wie der neue Deal der italienischen Serie A mit Sportrechtehändler IMG.

Der erste Blick geht an die wirtschaftliche Spitze der Champions League. Wie vermutet, lagen im Geschäftsjahr 2015/16 die beiden spanischen Top-Clubs FC Barcelona (679 Millionen Euro) und Real Madrid (635 Millionen Euro) klar vorn. Die beiden Vereine sind in dieser Umsatzklasse allerdings nicht allein. Lässt man den vor allem aus katarischen Geldern finanzierten Hauptstadtclub Paris St. Germain außen vor, dessen Umsatz nur schwierig zu bestimmen ist, so gibt es mit dem FC Bayern München (626,8 Millionen Euro) und Manchester United Börsen-Chart zeigen (knapp 623 Millionen Euro) noch zwei weitere Clubs, die 2015/16 einen Jahresumsatz von über 600 Millionen Euro erzielen konnten.

Es ist davon auszugehen, dass die neuen TV-Deals in Deutschland, England und Italien das Umsatzranking im europäischen Fußball noch weiter durcheinanderwirbeln werden. Vor allem der neue Milliardendeal in England dürfte dafür sorgen, dass die bisherige Spitzengruppe der europäischen Top-Clubs mindestens um die englischen Clubs FC Chelsea, FC Arsenal, FC Liverpool und Manchester City erweitert wird - und das wirtschaftliche Mittelfeld dadurch eher kleiner als größer wird.

Bislang hinken die vier Premier-League-Clubs gemeinsam mit Juventus Turin und Borussia Dortmund Börsen-Chart zeigen der Spitzengruppe noch deutlich hinterher. Im Schnitt über 200 Millionen Euro nahmen die genannten Vereine in der Saison 2015/16 weniger ein als Barça, Real, Bayern oder Man-United.

Wie weit die Schere in den europäischen Club-Wettbewerben tatsächlich auseinandergeht, wird erst deutlich, wenn man Clubs wie die PSV Eindhoven, Ajax Amsterdam oder den FC Porto in den Vergleich miteinbezieht - alles Clubs, die regelmäßig an der europäischen Fußball-"Königsklasse" teilnehmen.

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Der Umsatz des FC Barcelona ist beispielsweise um knapp 500 Millionen Euro höher als der des FC Porto (knapp 82 Millionen Euro), immerhin Europa-League-Sieger von 2011 und Champions-League-Sieger von 2004.

Außerdem ist der Umsatz der Katalanen mehr als sechsmal so hoch wie der des dreifachen Europa-League-Siegers FC Sevilla.

Noch größer sind die Unterschiede zwischen Celtic Glasgow und dem FC Bayern.

Beide Clubs standen sich in der diesjährigen Gruppenphase der UEFA Champions League gegenüber. Der schottische Traditionsclub erwirtschaftete im Jahr 2015/16 einen Umsatz von knapp 63 Millionen Euro, die Erlöse der Bayern (626,8 Millionen Euro) waren zehnmal höher. Damit erscheinen die beiden Niederlagen von Celtic (0:3 und 1:2) gegen den FC Bayern nur logisch.

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