Samstag, 16. Dezember 2017

Goldbeck Gewerbebau Lego für Erwachsene - das sind Deutschlands neue Baulöwen

Entrepreneure des Jahres: Die Bau-Profis Jan-Hendrik und Jörg-Uwe Goldbeck
Christian Protte für manager magazin
Entrepreneure des Jahres: Die Bau-Profis Jan-Hendrik und Jörg-Uwe Goldbeck

Das Bielefelder Familienunternehmen Goldbeck hat den Gewerbebau revolutioniert. Es errichtet Lagerhallen, Parkhäuser und Schulen nach einem zeit- und kostensparenden Baukaustensystem.

Man muss auch Nein sagen können. Nein zu verlockenden Angeboten aus dem Nahen und Fernen Osten. Immer wieder landen Anfragen vor allem aus den Boomländern Dubai und China auf dem Schreibtisch von Geschäftsführer Jörg-Uwe Goldbeck (49). Ob seine Firma denn nicht das ein oder andere Bauprojekt hochziehen wolle.

"Diesen Verlockungen sind wir nicht gefolgt", sagt Goldbeck, Mitinhaber der gleichnamigen Firma. Sie scheuen das Risiko und bauen lieber Parkhäuser in Berlin, eine Kita in Mainz oder auch mal die Hauptverwaltung des Dax-Konzerns Vonovia Börsen-Chart zeigen in Bochum.

So sind sie, die Ostwestfalen. Bodenständig, realistisch und nicht selten trotzdem erfolgreich. Die Goldbeck Gruppe mit Sitz in Bielefeld ist ein gutes Beispiel für das solide Wirtschaften in diesem Landstrich. Sie errichtet - vereinfacht gesagt - Gewerbeimmobilien im Fertigbau. Hallen, Bürogebäude, Parkhäuser, Schulen, Hotels, alles, was so gebraucht wird.

Vater & Söhne
Die Entrepreneure
Vater Ortwin Goldbeck gründete 1969 das Unternehmen. 2007 übernahmen zwei seiner Söhne – Jörg-Uwe und Jan-Hendrik – die Führung. Der dritte Sohn Joachim leitet die Solarsparte.
Das Unternehmen
Die Bielefelder Goldbeck-Gruppe ist Spezialistin für den Systembau von Parkhäusern, Bürogebäuden, Schulen, Sport- und Lagerhallen. Das Unternehmen hat 42 Niederlassungen in Deutschland und Europa. Die rund 5000 Mitarbeiter erbrachten im Geschäftsjahr 2016/17 eine Gesamtleistung von 2,45 Milliarden Euro.

Die Goldbecks sind eine Handwerkerfamilie. Der Urgroßvater von Jörg-Uwe war Hufschmied, der Großvater Schmied, Vater Ortwin Goldbeck (78) Schlosser und Ingenieur. Er legte 1969 den Grundstein für den Erfolg von heute, als er mit sieben Mitarbeitern das Unternehmen gründete. In dieser frühen Phase baute die kleine Truppe stählerne Tragwerke für Hallen.

Ortwin Goldbeck war ein Vordenker in der Branche; schon 1984 beteiligte er seine Mitarbeiter als stille Gesellschafter und sorgte so für die Übereinstimmung der Interessen.

Fast gleichzeitig kam ihm damals auch die fundamental neue Geschäftsidee: Wir liefern nicht nur ein paar Bauteile, sondern den kompletten Rohbau. Er übertrug einfach das 30 Jahre alte Konzept des Fertighauses auf Bürogebäude. Man kann es systematisiertes Bauen nennen. Sein Sohn Jörg-Uwe vergleicht es mit der Autoproduktion. Dort gibt es Plattformen, auf denen dann verschiedene Modelle gebaut werden. Was für die Autofirmen die Plattformen sind, sind für Goldbeck die Rohbauteile. Goldbeck fertigt - in vier Produktionsstätten über Deutschland verteilt - diese Teile selbst, bevor sie auf der Baustelle montiert werden. Jan-Hendrik Goldbeck (41) vergleicht es mit einem Kinderspiel: "Es ist ein bisschen wie Lego für Erwachsene."

Dieses Baukastensystem bietet Goldbeck nur für den Gewerbebau an, vor allem für Logistikhallen und Parkhäuser; da ist Goldbeck bundesweit Marktführer. Fast jedes zweite oberirdische Parkhaus in Deutschland haben die Bielefelder in die Städte gestellt.

Mit ihrer Plattformstrategie können sie die Kunden günstiger und schneller bedienen. Aktuelles Beispiel: Ein typisches Mitarbeiterparkhaus in Bielefeld, 500 Stellplätze. Im Oktober startete die Montage, vor Weihnachten wird es fertig sein.

Dank der genialen Idee des Seniors haben die Goldbecks viele regionale und lokale Anbieter verdrängt. Mit sechs Regionalgesellschaften und 30 Standorten hat das Unternehmen inzwischen ganz Deutschland abgedeckt, auch den Osten, wo Goldbeck in den 90er Aufbaujahren sehr gute Geschäfte machte.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH