Montag, 20. August 2018

Streit um Rettungsaktion in Thailand "Pädo"-Beleidigung - Musk entschuldigt sich bei Taucher

Elon Musk: Der Tesla-Chef ist leicht reizbar, vergrault seine Topmanager - und setzt damit die Kultfirma aufs Spiel

Tesla-Chef Elon Musk hatte auf die Kritik eines Tauchers, sein Angebot zur Hilfe bei der Höhlenrettung in Thailand sei ein "PR-Gag" gewesen, mit wüsten Beschimpfungen reagiert. Nachdem der Taucher eine Klage in Erwägung zog, kommt nun eine Entschuldigung von Musk.

Im Streit mit einem britischen Taucher, in dem Tesla-Chef Elon Musk per Twitter eine heftige Beleidigung versandt hatte, ist der Milliardär und Unternehmer ein Stück zurück gerudert. Ebenfalls auf Twitter schrieb Musk, seine Worte seien in großem Zorn ausgesprochen worden, da besagter Taucher namens Vernon Unsworth mehrere Unwahrheiten verbreitet habe und zudem nahegelegt habe, Musk betreibe "Sex mit dem Mini-U-Boot".

Musk räumte jedoch ein, dass seine Äußerung nicht gerechtfertigt gewesen sei. In einem weiteren Tweet entschuldigte er sich ausdrücklich bei Unsworth sowie bei den Unternehmen, die Musk leitet. "Die Schuld liegt bei mir und nur bei mir", schrieb der Tesla-Chef.

Zuvor hatte der an der Rettungsaktion der in einer Höhle eingeschlossenen Jugend-Fußballmannschaft in Thailand beteiligte britische Höhlenforscher Vernon Unsworth nach einer beleidigenden Schimpftirade von Elon Musk eine Klage gegen den US-Unternehmer erwogen. Musk hatte den Höhlenexperten, der maßgeblichen Anteil an der Rettung der Fußballmannschaft hatte, am Sonntag im Online-Dienst Twitter ohne nähere Begründung als Pädophilen bezeichnet.

Unsworth hatte ein von Musk angebotenes Mini-U-Boot zur Rettung der Fußballmannschaft abgelehnt und als "PR-Trick" bezeichnet. Es bestehe "absolut keine Chance", dass das Mini-U-Boot in der Höhle funktionieren könne, hatte er erklärt. Im US-Sender CNN fügte er hinzu, Musk könne sich "sein U-Boot dorthin stecken, wo es weh tut". Der Höhlenforscher hatte das Rettungsteam mit Informationen über die verwinkelte Tham-Luang-Höhle versorgt.

In seinem Entschuldigungs-Tweet verwies Musk indirekt auf einen Artikel, der Musks U-Boot-Angebot an die Höhlentaucher gründlicher beschreibt - anhand von mehreren Tweets und E-Mail-Auszügen, die Musk über den Nachrichtendienst veröffentlichte. Demnach hatte sich Musk in die ganze Angelegenheit erst auf Nachfrage eines Twitter-Nutzers eingeschaltet. Zudem hat Musk wohl bei Höhlenforschern in Thailand nachgefragt, ob sein Angebot überhaupt von Nutzen sein könnte. Erst nach längeren öffentlichen Diskussionen und einer positiven Antwort eines Höhlentauchers schickte Musk demnach seine Ingenieure samt einem extra dafür entwickelten Mini-U-Boot nach Thailand.

Unsworth gehörte aber nicht zu jenen Höhlentauchern, mit denen Musk in Kontakt stand - und hatte keine hohe Meinung von Musks Angebot. "Er hatte keine Vorstellung davon, wie es in der Höhle aussieht", so Unsworth über Musk. Die steife Außenhülle des bereitgestellten U-Boots sei mit rund 1,70 Metern zu lang gewesen, um Kurven und Hindernisse zu umfahren. "Es wäre nicht einmal 50 Meter weit in die Höhle reingekommen", sagte der Brite, der zu dem internationalen Rettungsteam gehörte.

Musk reagierte auf die Ablehnung mit einer Reihe von Tweets. Er nannte Unsworth nicht beim Namen, sondern sprach von einem "Pädo-Typen". Auf seinem offiziellen Twitter-Account, der 22 Millionen Abonnenten zählt, legte er nach und erklärte, er wette gegen einen von ihm unterschriebenen Dollar-Schein, "dass das stimmt". Später löschte Musk die Tweets wieder. Auf eine Anfrage von AFP bei seinem Unternehmen Tesla reagierte er zunächst nicht.

Unsworth sagte der Nachrichtenagentur AFP am Montag, er habe die Tweets nicht alle durchgesehen und habe nur davon gehört. Auf die Frage, ob er juristisch dagegen vorgehen werde, sagte er: "Wenn es so ist wie ich denke, dann ja." Er werde darüber entscheiden, wenn er diese Woche nach Großbritannien zurückfliege. Die Episode mit Musk sei aber "nicht vorbei".

Der dänische Taucher Claus Rasmussen, der ebenfalls an der Rettungsmission beteiligt war, nannte die Behauptungen Musks "unangemessen" und hob Unsworths Rolle bei der Rettung hervor. "Er war derjenige, der tatsächlich den Großteil der Höhle kartographiert hat." Unsworth sei "eine der treibenden Kräfte" bei der ganzen Aktion gewesen und habe den Tauchern alles erklärt.

Unsworth, der einen Teil des Jahres in Thailand lebt, hatte sich an der 18-tägigen Rettungsaktion beteiligt, die mit der Bergung aller zwölf Jungen und ihres Trainers glücklich endete. Die Mannschaft befindet sich weiterhin im Krankenhaus, sie soll am Donnerstag entlassen werden.

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Bild: DPA

Die zwölf Fußballer im Alter zwischen elf und 16 Jahren und ihr 25-jähriger Trainer waren am 23. Juni in der Tham-Luang-Höhle von rasch steigenden Wassermassen überrascht worden. Neun Tage später wurden sie gefunden, mit Lebensmitteln versorgt, medizinisch betreut und schließlich nach gut zwei Wochen in der Höhle ins Freie gebracht. Die Rettungsaktion endete am vergangenen Dienstag und sorgte weltweit für Aufsehen.

Musk hatte das Mini-U-Boot nach eigenen Angaben zu der Höhle gebracht und erklärt, es sei leicht genug, um von zwei Tauchern getragen zu werden, äußerst robust und überdies klein genug, um durch enge Lücken zu kommen. Ein Insasse müsse nicht schwimmen oder mit Sauerstoffflaschen umgehen können.

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Während die Rettungsaktion noch lief, reiste Musk zu dem Höhlenkomplex und verkündete via Twitter, das Mini-U-Boot sei auf den Namen "Wild Boar" ("Wildschwein") getauft worden - so heißt das Fußballteam der Jungen. Seine Twitter-Nachricht über das Tauchgerät schloss Musk mit den Worten: "Es wird hier gelassen, falls es in Zukunft von Nutzen sein sollte. Thailand ist so schön."

Das Angebot nahmen die Taucher nicht in Anspruch - im Gegenteil. "Ihm wurde gesagt, er solle sehr schnell gehen", berichtete Unsworth. "Und das hätte er auch tun sollen."

Musk wurde bereits in der Vergangenheit mehrfach dafür kritisiert, auf Twitter heftig auszuteilen, unter anderem gegen Journalisten und Wall-Street-Analysten. Erst vor wenigen Tagen sagte Musk dazu im Gespräch mit "Bloomberg Businessweek", er sei fälschlicherweise davon ausgegangen, wenn er via Twitter kritisiert werde, könne er zurückschießen. "Das war mein Fehler. Ich werde das korrigieren."

cr/spon/afp

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