Freitag, 9. Dezember 2016

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Schrille Töne im US-Wahlkampf Hier erklärt Donald Trump, wie er Terroristen foltern will

Präsidentschaftsanwärter Trump: "Das sind doch alles nur seine Parteispender"

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump macht nach der Vorwahl in Iowa erneut mit schrillen Äußerungen von sich reden. Im Falle eines Wahlsieges wolle Trump nicht nur die höchst umstrittene Verhörmethode "Waterboarding" gegen Terroristen wiedereinführen. "Ich würde höllisch Schlimmeres zurückbringen" als diese Form des simulierten Ertränkens, sagte der Multimilliardär am Samstagabend in der letzten TV-Debatte der republikanischen Kandidaten vor der kommenden Vorwahl am Dienstag im Bundesstaat New Hampshire.

Wenige Tage vor der wichtigen zweiten Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen sind die "Underdogs" im republikanischen Bewerberfeld in die Offensive gegangen. Von den sieben US-Republikanern, die am Samstagabend noch auf der Debattenbühne stehen, wurden drei zu Zielscheiben: Donald Trump, der strauchelnde Favorit, Ted Cruz, der plötzliche Überflieger, und Marco Rubio, der Jungsenator aus Florida, der in beider Windschatten lauert als die neue Hoffnung.

Ted Cruz erklärte, er würde in Notfällen, wenn es etwa um die Verhinderung einer unmittelbar drohenden Terrorattacke gehe, ebenfalls "offen" für das Waterboarding von Terrorverdächtigen sein.

Der Ex-Gouverneur von Florida, Jeb Bush, betonte dagegen, er würde an dem von Präsident Barack Obama verkündeten Verbot dieser Praxis, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in geheimen CIA-Gefängnissen angewendet worden war, nicht rütteln. "Ich denke, es ist angemessen, wo wir jetzt stehen", sagte der Bruder des früheren US-Präsidenten George W. Bush.

"Das ist nicht Führungskraft. Das ist Schwänzerei"

Fast eine Woche ist es her, dass die ersten US-Vorwahlen in Iowa das bisher vom Demagogen Trump beherrschte Feld der republikanischen Präsidentschaftsaspiranten aufmischten. Über Nacht wurde Trump angreifbar, Cruz galt auf einmal als ein brillanter Wahlstratege - und Rubio als der heimliche Sieger, obwohl er nur Dritter geworden war.

Für alle geht es im verschneiten New Hampshire um alles: Die drei Spitzenreiter von Iowa - Cruz, Trump, Rubio - kämpfen darum, ihre Positionen uneinholbar zu festigen. Die vier Nachzügler - Chris Christie, John Kasich, Jeb Bush und Ben Carson - kämpfen um ihre Existenz.

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Als die Kandidaten auf die Bühne des St. Anselm's College für die TV-Debatte traten, standen sie zunächst erst einmal ratlos in der Kulisse - und rempelten dann aneinander vorbei zu ihren Pulten. Denn sie konnten nicht hören, als sie aufgerufen wurden.

Auf der Bühne dann hielt Christie dem erst 44-jährigen Rubio vor, er habe nicht das Zeug für das höchste Amt. Niemals würde er für eine wirklich wichtige Entscheidung geradestehen müssen. Er sondere in erster Linie auswendig gelernte "25 Sekunden"-Kurzstatements ab. Bei vielen Abstimmungen im Senat habe Rubio zudem gefehlt: "Das ist nicht Führungskraft. Das ist Schwänzerei."

Rubio raubte das tatsächlich die Nerven: Für den Rest der Debatte wiederholte er seine Parolen nur noch, Wort für Wort, wie ein kaputter Computer.

Je länger die Debatte dauerte, desto intensiver nahm Bush sich Multimilliardär Trump vor, unterstellte ihm unter anderem herzlose Praktiken als Unternehmer. "Wie stark ist es, einer alten Frau den Grundbesitz wegzunehmen?", konterte er, als Trump ihm vorhielt, er versuche, sich als "starker Mann" zu profilieren. Als sich Bush immer weiter auf ihn einschoss, verbot Trump ihm den Mund: "Lass mich reden, Ruhe!" Damit brachte er aber nur das Publikum gegen sich auf, das ihn ausbuhte - worauf Trump lästerte: "Das sind doch alles nur seine Parteispender."

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