Samstag, 24. Juni 2017

Deutsche Initiative für saubere Meere Was Werfterbe Dirk Lindenau mit dem Meeresmüll vorhat

Dirk Lindenau

Bei Dirk Lindenau muss man nicht lange nach dem Bruch in seinem Leben suchen. Der Kieler Unternehmer trägt den Namen der einstigen Großwerft, die in der Stadt und der maritimen Industrie eine Legende ist. Mehr als 20 Jahre lang führte er das Unternehmen, das sein Großvater vor Kriegsende als verschweißtes Schwimmdock samt Arbeitern aus dem Baltikum über die Ostsee brachte und das sein Vater zum Pionier im Bau doppelwandiger Tanker machte.

2008 jedoch, als der Boom in die bis heute anhaltende Krise umschlug, musste Lindenau Insolvenz anmelden. Heute ist er selbständig mit einer Beratungs- und einer Ingenieurfirma - und einer Mission: die Säuberung der Meere von Müll zum Geschäft zu machen.

"Damals stellte ich mir die Frage, wie es um die Schifffahrt steht", berichtet Lindenau. "Nicht gut, und das hat sich bis heute nicht geändert." Seine zweite Frage: "Wie steht es um die Meere? Auch nicht gut."

Die Antwort gab den Schlüssel für seine Entscheidung, wie es weitergehen sollte. Die maritime Erfahrung, auch der Kontakt mit den Meeresforschern vom Kieler Geomar-Institut hatte Lindenau vor Augen geführt, welche Schäden der sich in den Ozeanen anhäufende Plastikmüll anrichtet - nicht nur in den Ökosystemen. Lindenau sagt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann mehr Plastik als Fische in den Meeren sein werden. Auf Dauer lande das zerkleinerte Mikroplastik mit ungewissen Gesundheitsfolgen auch wieder in unserer Nahrung.

13 Milliarden Dollar Schaden durch Meeresmüll - pro Jahr

Zugleich behindere der Meeresmüll auch die wirtschaftliche Aktivität. Er zerstöre Fischernetze und Entsalzungsanlagen, Kraftwerke, und - mit dem größten betriebswirtschaftlichen Schaden: touristische Idylle. In Ost- und Südostasien, wo der Großteil der Weltbevölkerung am Wasser wohnt, ist diese Ressource immer weniger nutzbar. Die Vereinten Nationen schätzen den jährlichen direkten Schaden auf 13 Milliarden Dollar.

Das Problem hat auch andere Unternehmer auf den Plan gerufen, den britischen Bankerben David de Rothschild beispielsweise oder den norwegischen Milliardär Kjell Inge Røkke mit seinem Supersaugschiff. Solche Finanzmittel hat Dirk Lindenau nicht, aber dafür ein Netzwerk.

Aktuell versucht er als Koordinator, eine neue Initiative zusammenzubringen, um den Meeresmüll selbst als Ressource zu nutzen. Die Idee: Umgebaute Fischkutter sollen mit speziell entwickelten Netzen (mit möglichst wenig Fisch als Beifang) den Plastikmüll einsammeln, der an Bord in brauchbares Recycling-Material und einen Rest sortiert wird. Der Rest soll zu Ballen gepresst und dann verbrannt werden, um Strom in Müllkraftwerken zu erzeugen oder auch Entsalzungsanlagen zu betreiben.

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