Sonntag, 26. Juni 2016

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Digitalisierung und Jobs Klauen Roboter bald Ihren Job?

Freund oder Feind? Die meisten Menschen in Unternehmen haben keine Angst vor der Digitalisierung

Fühlen die deutschen Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz von der Digitalisierung bedroht? Nein - sagt die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY). Für eine Studie hat sie mehr als 1000 Mitarbeiter der Automobil-, Finanz-, Maschinenbau- und Logistikbranche befragt. Das Ergebnis: Fast 90 Prozent der Befragten fühlen sich bei Ihrem Arbeitsplatz sicher und nicht durch die Digitalisierung bedroht.

Ein Großteil der Befragten spürt jedoch den unmittelbaren Einfluss der Digitalisierung. In den letzten fünf Jahren, in denen Prozesse und Kommunikationswege zunehmend elektronisch gestützt werden, empfinden die Beschäftigten Arbeitsabläufe als komplexer und stressiger. Die Karrierechancen hingegen werden von fast 70 Prozent der Befragten als gleichbleibend wahrgenommen, von fast 20 Prozent sogar als besser. Trotz erhöhter Komplexität fühlt sich ein Großteil den Veränderungen gewachsen (siehe Grafik unten).

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Die positive Wahrnehmung solle die Unternehmen optimistisch stimmen und sie zu mehr Digitalisierung bewegen. "Die Stimmungslage ist ein perfekter Zeitpunkt, um alle Mitarbeiter mitzunehmen beziehungsweise Veränderungen gemeinsam zu realisieren", sagt Nelson Taapken, Partner bei EY und Verantwortlicher der Studie.

Alle Mitarbeiter zu gleichen Teilen im Digitalisierungsprozess mitzunehmen, scheint den Unternehmen schwer zu fallen. Auffällig ist, dass von den drei in der Studie vertretenen Positionen im Unternehmen - Sachbearbeiter, Teamleiter und Abteilungsleiter - der Einfluss der Digitalisierung zunimmt, je mehr Verantwortung ein Mitarbeiter im Unternehmen hat.

Die Kommunikation innerhalb des Teams empfindet etwa die Hälfte der Abteilungsleiter als direkter, wohingegen nur 16 Prozent der Sachbearbeiter diese positive Veränderung wahrnehmen. Grund hierfür kann ein mangelndes Weiterbildungsangebot zum Thema Digitalisierung sein (siehe Grafik weiter unten).

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Insgesamt geben 41 Prozent an, ihr Unternehmen biete keine Weiterbildungsmöglichkeiten an - bei den Sachbearbeitern sind es sogar 48 Prozent. In kleinen Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern gibt es in 60 Prozent der Fälle überhaupt keine Weiterbildungsangebote zum Thema Digitalisierung.

Eine weitere Kluft tut sich laut Ernst & Young zwischen jüngeren und älteren Arbeitnehmern auf: Während 64 Prozent der 18- bis 29-Jährigen aufgrund der Digitalisierung zusätzliche Chancen für sich erkennen, sagen dies nur 38 Prozent der 50- bis 59-Jährigen. Je älter der Arbeitnehmer ist, desto mehr müsse er in Sachen Digitalisierung an die Hand genommen werden - das könne nur Aufgabe der Unternehmen sein.

Wollen also Unternehmen ihre Mitarbeiter stärker für die Digitalisierung gewinnen, müssen sie diese mehr fortbilden. Andernfalls kann die Effektivität im Unternehmen leiden. Dennoch: "Von der viel beschworenen Angst der Deutschen ist bei diesem Thema nichts zu spüren", ist Nelson Taapken überzeugt.

Mögen laut EY-Studie auch viele Arbeitnehmer der Digitalisierung ihrer Arbeitswelt eher positiv gegenüber aufgeschlossen sein, wird gleichwohl auch kontrovers darüber diskutiert, ob die Digitalisierung unter dem Strich letztlich mehr Jobs kostet als sie schafft.

Lesen Sie auch: Zukunftsökonom Jeremy Rifkin über die Folgen der Digitalisierung

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