Dienstag, 22. August 2017

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Studie "Digital Leadership" Was deutsche Entscheider bei der Digitalisierung übersehen

Digitalisierung: Mittelständische Unternehmen blicken derzeit noch stark nach innen, wenn es um die Veränderung ihrer Arbeitsprozesse und ihrer Firmenkultur geht
Ryan Etter / Getty Images
Digitalisierung: Mittelständische Unternehmen blicken derzeit noch stark nach innen, wenn es um die Veränderung ihrer Arbeitsprozesse und ihrer Firmenkultur geht

Die Entscheider in Deutschlands Unternehmen bescheinigen sich selbst zwar mehrheitlich eine hohe digitale Kompetenz, stützen ihre Selbsteinschätzung dabei aber sehr auf eine Innensicht. Auch die für die digitale Transformation ihrer Firmen eingeleiteten Maßnahmen sowie ihr Innovations-Radar sind zu stark nach innen gerichtet, so dass Veränderungen meist nur aus den bestehenden Strukturen heraus betrieben werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Digital Leadership 2017" der Personalberatung Rochus Mummert, die manager magazin Online vorliegt. Für die Untersuchung wurden rund 100 Führungskräfte befragt, die meisten von ihnen aus dem Top-Management.

"Die meisten der befragten Führungskräfte stellen sich selbst ein gutes bis sehr gutes digitales Zeugnis aus", sagt Peter Schoppe, Partner der Münchener Personalberatung. "Allerdings besteht immer die Gefahr einer trügerischen Selbsteinschätzung, wenn diese auf einer zu starken Innensicht beruht." Dies sei immer noch in vielen Unternehmen der Fall.

So tauschen sich Top Manager und Führungskräfte vor allem auf der gleichen Hierarchiestufe (74 Prozent) oder mit von ihnen geführten Mitarbeitern (71 Prozent) zum Thema Digitalisierung aus. Den externen Kontakt zu Geschäftspartnern, Wissenschaftlern oder Verbänden sucht hingegen nur jeder dritte Befragte.

"Die starke Orientierung auf die Innensicht hat Folgen für das gesamte Unternehmen", ergänzt Carlo Mackrodt, Partner bei Rochus Mummert. Wer auf die disruptiven Veränderungen von Märkten und Kundenbedürfnissen reagieren wolle, müsse jedoch regelmäßig über den Tellerrand schauen - also zum Beispiel auch die Entwicklungen der Konkurrenz in den Blick nehmen. Laut der Studie betreibt jedoch nur jedes zweite Unternehmen ein Innovations-Scouting im EU-Raum, und noch viel weniger Unternehmen richten ihr Innovations-Radar auch auf die USA oder Asien. Dies berge laut den Studienautoren große Gefahren.

Nur jedes fünfte Unternehmen hat einen "Chief Digital Officer" benannt

Organisatorisch agieren die Unternehmen bei der digitalen Transformation derzeit vor allem mit bereichsübergreifenden Projektgruppen (52 Prozent). Einen Chief Digital Officer haben bisher nur 11 Prozent berufen. Bei weiteren 10 Prozent steht die CDO-Berufung an - das ergibt eine Quote von rund 20 Prozent. Mehrheitlich sind die Unternehmen also der Meinung, noch ohne organisatorische Maßnahmen (Ausgründung, eigener Geschäftsbereich) und neue Funktionen auskommen zu können.

Zugleich haben die Teilnehmer der Studie ein klares Bild davon, welche Fähigkeiten ein zukunftsfähiger CEO mitbringen muss. So stehen Wertschätzung und Mitarbeiter-Entwicklung gleichauf mit der Formulierung visionärer Digital-Strategien ganz an der Spitze. Die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und eine hohe Affinität zu High Tech und digitalen Themen rangieren deutlich dahinter. Diese Kompetenzen sehen die befragten Manager eher bei den Führungskräften der 2. und 3. Ebene sowie bei den Digital-Experten in den Unternehmen.

Laut der Studie steht in den deutschen Unternehmen neben der digitalen zusätzlich auch eine kulturelle Revolution an. Die gewünschte kulturelle Veränderung in Richtung Vertrauen, Eigenverantwortung, Teilhabe und Entfaltungsmöglichkeiten würde gegenüber dem Status quo einen Quantensprung bedeuten. Denn obwohl sich in zahlreichen Unternehmen der Führungsstil schon verändert hat, stecken viele Unternehmen noch immer zwischen der alten geplanten und der neuen agilen Arbeitswelt. "Egal ob Geschäftsleitung oder Chief Digital Officer - ohne Kompetenzen in Sachen werteorientierte Führung und Mitarbeiterentwicklung wird künftig kein Manager mehr erfolgreich agieren können", ist Mackrodt überzeugt.

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