Montag, 20. November 2017

Untergegangene Wirtschaftsimperien Die Weltmarktführer von gestern

7. Teil: IG Farben - Die Macht des "Rats der Götter" wurde gebrochen, kurzzeitig

IG-Farben-Haus: Wo der "Rat der Götter" tagte, sitzt jetzt ein Teil der Frankfurter Universität
"Rat der Götter" nannte sich der Aufsichtsrat der IG Farben, des aus BASF, Bayer, Hoechst und weiteren deutschen Firmen 1925 fusionierten weltgrößten Chemiekonzerns. Sie sahen sich als liberale und moderne Elite. Schon die Vorgängerfirmen waren nach Ansicht von Wirtschaftshistorikern die ersten Industrieunternehmen, in denen die Gründer Macht an angestellte Manager übergaben.

Heute klingt das Wort vom "Rat der Götter" hohl. Der Name IG Farben ist mit dem Naziregime verbunden, mit dem Giftgas Sarin und dem in Gaskammern eingesetzten Zyklon B, mit dem Zwangsarbeiter-KZ von Auschwitz-Buna. Tatsächlich machten die IG Farben mit synthetischem Benzin und Kautschuk den Kriegs- und Vernichtungskurs der Nazis erst möglich, umgekehrt brachten ihnen das den Aufstieg zum größten Konzern Europas - obwohl mehrere der anfänglichen Direktoren und führenden Forscher Juden waren.

Im eigenen Verständnis arrangierten sich die Konzernherren mit den Verhältnissen, um das Unternehmen zu schützen und Schaden zu minimieren. Doch 1947 wurden sie in einem eigenen Kriegsverbrecherprozess verurteilt (zumeist nach kurzer Zeit entlassen) und der Konzern von den Alliierten zerschlagen. Endgültig aufgelöst wurde die rechtliche Hülle der IG Farben erst 2012. Aber BASF Börsen-Chart zeigen ist heute wieder Weltmarktführer der Branche, Bayer Börsen-Chart zeigen die Nummer eins im Dax nach Marktkapitalisierung.

Newsletter von Arvid Kaiser

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