Sonntag, 18. Februar 2018

Industrie 4.0 Das Unternehmen der Zukunft

Industrie 4.0: Fähigkeit, Netzwerke zu managen, wird die Basis für Wachstum sein

Die vierte industrielle Revolution kommt in Deutschlands Vorstandsetagen an. Tektonische Veränderungen sind im Gange. Alles bewegt sich - aber wohin genau?

Internet der Dinge, künstliche Intelligenz, Data Analytics, Industrie 4.0, IT-Clouds, selbstlernende Algorithmen: Neue Technologien erobern im Eiltempo die Welt und lösen in den Unternehmen die größten Umwälzungen seit 50 Jahren aus. Denn für diejenigen, die in zehn Jahren und darüber hinaus vorne mitspielen wollen, reicht es nicht aus, nur die neuen technologischen Möglichkeiten zu nutzen. Vielmehr müssen sich die Unternehmen - angestoßen von der digitalen Disruption - neu erfinden.

Das gilt sowohl für Strategie und Organisation als auch für die Art, wie sie kommunizieren und jene Talente anziehen und binden, die sie für die Verwirklichung ihrer Geschäftsmodelle von morgen brauchen.

Noch beginnen wir erst zu erkennen, wie die nächste Generation von Unternehmen aussehen wird. Doch schon heute sind drei Faktoren essenziell.

1. Vernetzen, vernetzen, vernetzen

Die Fähigkeit, Netzwerke zu managen, wird in Zukunft die Basis sein für Wachstum und Unternehmenserfolg. Virtuelle Teams, Allianzen, Plattformen, Sharing - darum wird sich vieles drehen. Kein Unternehmen kann mehr alles können. Jedes muss seine Kernkompetenzen neu definieren und sich für den Rest die geeigneten Kooperationspartner suchen. Die klassische Trennlinie zwischen Wettbewerbern, Zulieferern und Kunden verschwimmt zunehmend.

Durch Netzwerke verliert in Zukunft auch Unternehmensgröße an Bedeutung. Groß meint fortan nicht unweigerlich stark. Kleinere Unternehmen können künftig durch Plattformen, Outsourcing und Partnerschaften ihre Skalennachteile überwinden und gleichzeitig ihre Flexibilität ausspielen. Alle zwei Jahre verzehnfacht sich die Menge an Daten, die Unternehmen produzieren. Advanced Analytics und der richtige Algorithmus werden in Zukunft mehr bewegen als Heerscharen von Mitarbeitern. Die Technologien der Moderne setzen das alte Denken in "Economies of Scale" außer Kraft oder stellen diesen Ansatz zumindest deutlich in Frage.

Im Mittelpunkt von alldem steht der Kundennutzen. Das verlangt von vielen Managern ein Umdenken. Sich zu vernetzen, Fertigungstiefe abzubauen und dabei natürlich auch Kontrolle zu verlieren stellt insbesondere für bislang erstklassige Unternehmen eine nicht unerhebliche Hürde dar. Ihre Identität und ihr Selbstbewusstsein beruhen oftmals auf ihrem fundierten, einzigartigen Know-how. Das kann auch zum Hemmschuh werden.

Walter Sinn
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    Walter Sinn ist Deutschlandchef der Unternehmens-beratung Bain & Company.

2. Hierarchien haben ausgedient

Das Unternehmen der Zukunft meidet Hierarchien, es liebt Kompetenz und Schnelligkeit. Deshalb experimentieren Konzerne mit neuen Arbeitsformen wie Scrum oder Design Thinking. Die Idee: Für erfolgskritische Aufgaben oder Projekte werden für einen begrenzten Zeitraum Teams aus unterschiedlichen Fachbereichen gebildet. Diese entwickeln neue Produkte oder Dienstleistungen in sehr kurzer Zeit.

Spotify, das derzeit die Spielregeln im Musik-Streaming revolutioniert, organisiert seine IT-Ingenieure in Teams von bis zu acht Leuten. Diese Teams steuern sich selbst und tragen die volle Verantwortung für bestimmte Features. Die Teammitglieder entscheiden, welche Lösungen sie brauchen, wie sie diese bauen und mit wem im Unternehmen sie dafür zusammenarbeiten müssen. Der klassische Chef hat in solchen Teams ausgedient.

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