Montag, 23. Juli 2018

Didi-Chefin Jean Liu sammelt Milliarden ein Die Frau, auf die Finanzinvestoren vertrauen

Jean Liu mit einem Lebenslauf, der sich sehen lassen kann: Studium der Computerwissenschaften an der Peking University, Master in Harvard, zwölf Jahre Goldman Sachs und seit 2015 Chefin von Didi Chuxing

Jean Liu hat es mal wieder geschafft: Während Konkurrent Uber noch mit sich selbst beschäftigt ist, sammelt die Chefin des chinesischen Fahrdienstvermittlers Didi Chuxing erneut frisches Kapital bei zahlreichen Investoren ein, dieses Mal in Höhe von vier Milliarden Dollar.

Mit den neuen Mitteln will das Unternehmen aus China seine internationale Expansion und den Aufbau eines Netzes mit Elektrofahrzeugen finanzieren sowie in künstliche Intelligenz investieren, wie der Fahrdienstvermittler am Donnerstag mitteilte. An der neuen Finanzierungsrunde hätten chinesische und internationale Geldgeber teilgenommen. Namen nannte das Unternehmen nicht.

Die Bewertung des Fahrdienstvermittlers steigt damit auf rund 56 Milliarden Dollar, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Damit zählt Didi zu einem der größten Start-up-Unternehmen Asiens. Erst im April dieses Jahres hatte Didi eine Kapitalspritze in Höhe von 5,5 Milliarden Dollar erhalten.

Didi hat Uber in China geschluckt

Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) am Donnerstag in seiner Online-Ausgaben unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, soll der japanische Technologiekonzern Softbank , der bereits an Didi beteiligt ist, auch dieses Mal zu den Investoren gehören. Daneben soll auch das Emirat Abu Dhabi über seinen Staatsfonds Mubadala Capital das chinesische Unternehmen unterstützt haben. Auch Apple hatte im vergangenen Jahr in einer ungewöhnlichen Investition für den iPhone-Konzern eine Milliarde Dollar in Didi gesteckt.

Im vergangenen Jahr hatte Didi das Uber-Geschäft in China komplett übernommen, investiert aber auch, um über die Landesgrenzen zu wachsen. Auch das Thema Elektromobilität treibt der Konzern voran: Bis zum Jahr 2020 will das Unternehmen eine Million Elektrofahrzeuge an sein Netzwerk anbinden, aktuell sind es nach jüngsten Unternehmensangaben 250.000 Stück.

Didi entstand 2015 aus der Fusion der Fahrdienste der beiden Internetgiganten Alibaba und Tencent. Das Unternehmen fährt unter der Führung von Jean Liu einen aggressiven Expansionskurs. In diesem Jahr hat Didi Chuxing im kalifornischen Mountain View die Forschungsstätte "Didi Labs" gegründet, um möglichst viele technologische Vordenker aus dem Silicon Valley für sich zu gewinnen und im Rennen um die Mobilität von morgen vorne mitzuspielen.

Jean Lius Vater gründete Lenovo-Vorgänger

Die 38-jährige Präsidentin Jean Liu zählt zu den einflussreichsten Unternehmerinnen in China. Ihr Vater Liu Chuanzhi gründete Mitte der 1980er Jahre den Computerhersteller Legend, der sich später in Lenovo umbenannte, die Hardware-Sparte von IBM kaufte und heute als einer der erfolgreichsten chinesischen Global Player gilt.

Seine Tochter Jean hat eine steile Karriere hinter sich und ist Liebling der Investoren weltweit: Studium der Computerwissenschaften an der Peking University, Master in Harvard, dann zwölf Jahre Goldman Sachs, seit 2015 Chefin von Didi Chuxing. Sie gilt als Workaholic, war bei den Goldmännern stolz auf ihre 120-Stunden-Woche. Mit ihrer Cousine Liu Zhen hat sie sich monatelang einen harten Kampf um die Vorherrschaft auf dem chinesischen Markt geliefert - Liu Zhen war die ranghöchste Uber-Vertreterin in China.

mg/dpa-afx

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