Sonntag, 18. November 2018

Übernahme soll Abhängigkeit verringern Dialog sucht Weg aus der Apple-Falle

Der Chiphersteller Dialog in München will mit einer möglichen Übernahme des Touchscreen-Herstellers Synaptics seine Abhängigkeit von Apple verringern

Der Chiphersteller Dialog Semiconductor liebäugelt weiterhin mit einer Übernahme des Touchscreen-Herstellers Synaptics . Die Bücher des US-Unternehmens sollen nun geprüft und detaillierte Gespräche geführt werden, teilte der im TecDax Börsen-Chart zeigen notierte Konzern am Dienstagabend mit. Mit dem möglichen Kauf will Dialog Semiconductor Börsen-Chart zeigen das Wachstum im Bereich des Internet-der-Dinge beschleunigen und seine Position auf dem Mobilfunkmarkt stärken. Vor allem könnte der Chiphersteller so aber seine Abhängigkeit vom iPhone-Hersteller Apple verringern.

Die Pläne kamen bei den Anlegern gut an: Aktien von Dialog Börsen-Chart zeigen zogen in der Spitze um knapp 4 Prozent auf 15,60 Euro an. Die Angst vor Umsatzausfällen im Geschäft mit Apple lastet seit Monaten auf den Papieren, denn der kalifornische iPhone-Konzern steht für rund zwei Drittel des Dialog-Jahresumsatzes von 1,2 Milliarden US-Dollar. Mit einem Kursrutsch von über 40 Prozent sind die Dialog-Papiere bislang mit Abstand die schwächsten im TecDax in diesem Jahr.

Gerüchte über einen möglichen Zusammenschluss mit Synaptics hatte es bereits in der vergangenen Woche gegeben. Experten hatten sich da schon positiv geäußert. Ein Zusammengehen mit Synaptics wäre strategisch sinnvoll, schrieb Analyst Mitch Steves von RBC beispielsweise zuletzt in einer Studie. Dialog verliere beim Großkunden Apple ein hohes Umsatzvolumen bei Chips für das Power-Management und müsse diese Ausfälle anderweitig kompensieren. Schlössen sich die beiden Unternehmen zusammen, könnten sie Herstellern von Smartphones eine breitere Produktpalette anbieten. Andere Analysten erhoffen sich zudem einen Schub für den Gewinn je Aktie.

Der Preis ist heiß: Bis zu 63 Dollar je Synaptics-Aktie erwartet

Die Übernahme dürfte sich Dialog einiges kosten lassen. Dem Sender CNBC zufolge hatte Synaptics eine Offerte in Höhe von 59 US-Dollar je Aktie im März abgelehnt. Woo Jin Ho von Bloomberg Intelligence rechnet damit, dass Synaptics 63 Dollar je Aktie oder mehr wert sein dürfte. Das wären dann etwa 2,2 Milliarden Dollar. Laut Dialog würde der Kaufpreis voraussichtlich in bar entrichtet. Sollte Dialog 59 Dollar oder mehr bieten, könnten allerdings auch schnell Befürchtungen aufkommen, dass der Zukauf zu teuer werde, mahnte ein Händler.

Synaptics setzte im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Dollar um. So hoch ist aktuell auch in etwa der Börsenwert des US-Unternehmens. Dialog Semiconductor bringt es nach den heftigen Kursverlusten der vergangenen Monate nur noch auf rund 1,15 Milliarden Euro.

Ende Mai hatte der schwäbisch-britische Chiphersteller seinen Umsatzausblick korrigieren müssen. Da Apple weniger Power-Management-Chips von Dialog benötigt und diese künftig offenbar selbst entwickeln lassen will, dürfte dies den Konzernumsatz in diesem Jahr um rund 5 Prozent schmälern, hieß es damals. Dennoch rechnet Dialog Semiconductor in diesem Jahr mit steigenden Erlösen. Schub wird wie üblich eher für die zweite Jahreshälfte erwartet.

rei/dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH