Mittwoch, 24. Mai 2017

Deutschlands rustikalste Arbeitgeber "Alle wissen, wer der Beste ist"

Rüdiger Hossiep ist Wirtschaftspsychologe und Leiter des Projektteams Testentwicklung an der Uni Bochum

Die Generation Y interessiert sie herzlich wenig. Auch im Jahr 2014 sind viele herrschsüchtige Konzernchefs erfolgreich. Warum eigentlich?

Feeldgood-Manager, Work-Life-Balance, partizipative Führung: Viele Firmen überbieten einander im Kampf um Talente mit Verwöhn-Extras. Doch Unternehmer wie der Autoverleiher Erich Sixt, Schraubenkönig Reinhold Würth aber auch die Samwer-Brüder haben den Wohlfühl-Klimbim in die Ecke verbannt. Hier dominiert knallhartes Leistungs-Prinzip, Top-Down-Führung - und der ein oder andere Spleen des Inhabers (siehe dazu den Report "Harte Hunde" im aktuellen "manager magazin"). Die meisten der harten Arbeitgeber sind damit erstaunlich erfolgreich. Im Interview erklärt der Wirtschaftspsychologe Rüdiger Hossiep die Vorteile patriarchalischer Führung - und warum Schulterklopfen als Motivator nicht aus der Mode kommt.

mm: Herr Hossiep, viele Firmeninhaber pflegen einen rauen Ton und ein hartes Regiment. Trotzdem finden sich ausreichend Menschen, die für sie arbeiten wollen. Sind das alles Masochisten?

Hossiep: Natürlich nicht. Trotz ihres manchmal rüpelhaften Auftretens haben Eigentümer, egal ob old oder new economy, einen wichtigen Vorteil: Sie sind echt. Sie sagen, was sie denken und sie tun, was sie sagen. Konzerne dagegen senden oft widersprüchliche Botschaften: heute ist dies gewünscht, morgen jenes. Das macht es oft schwieriger, Leistungen Einzelner anzuerkennen.

mm: Aber wenn der Patriarch ihm auf die Schulter klopft, gibt der Mitarbeiter begeistert Vollgas?

Hossiep: Im übertragenen Sinne ja. Der Inhaber ist nicht immer physisch greifbar, und dauerhafte Motivation braucht mehr als eine nette Geste. Aber der Eigentümer oder Gründer hat eine ständige moralische Präsenz im Unternehmen. Seine Autorität kommt aus seiner Aufbauleistung. Wir sind doch händeringend auf der Suche nach Menschen, zu denen wir auf- und von denen wir uns etwas abschauen könne.

mm: Der Vorstandschef eines Dax-Konzerns klopft auch viele Schultern.

Hossiep: Mag sein, aber es hat nicht den gleichen Effekt. Schon die häufigen Wechsel an der Spitze suggerieren, dass angestellte Manager sich vor allem selbst optimieren. Meist sind sie eine Mischung aus Technokrat und Sozialingenieur: gut für eine Organisation, schlecht für Identifikation und Begeisterung. Ihre Verbundenheit mit dem Konzern müssen sie künstlich über Ethik-Codices und Corporate Identity herstellen.

mm: Aber sie führen stärker im Team als der knorrige Eigentümer, der von oben durchregiert.

Hossiep: Für die Motivation ist das nicht zwingend besser. Sicher, bei manchen Patriarchen setzt irgendwann eine mentale Zentralverriegelung ein, das kann fatal werden. Aber grundsätzlich sollte der beste Wanderer vorangehen - und in einem inhabergeführten Unternehmen wissen alle, wer der Beste ist. Das bringt, trotz der Launen des Chefs, auf lange Sicht viel Ruhe rein. Denn Vertrauen fassen wir nicht zu einer Organisation, sondern immer nur zu einer Person.

Den großen Report "Harte Hunde" über Deutschlands herrschsüchtigste Firmenchefs unserer Autoren Philipp Alvares de Souza Soares, Eva Müller, Ursula Schwarzer und Klaus Werle lesen Sie hier (bezahlpflichtig, für Abonnenten frei).

Mehr Wirtschaft aus erster Hand? Der obige Text ist nur ein minimaler Ausschnitt aus der Oktober-Ausgabe des manager magazins. Das neue Heft (und die nächste Ausgabe) können Sie hier im Vorteilsangebot bestellen.
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