Dienstag, 24. Oktober 2017

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Telekom-Chef Höttges pumpt Geld in USA Fusionsgespräche rund um T-Mobile US gehen wieder los

Die Telekom-Tochter T-Mobile ist mittlerweile der drittgrößte Mobilfunkanbieter in den USA. Die Telekom hat seit 2012 40 Milliarden Dollar in T-Mobile US investiert

In den USA gehen nach Aussagen der Telekom in absehbarer Zeit die Verhandlungen über die Zukunft der Tochter T-Mobile US los. Nach Ende der Frequenzauktion in den USA sei es wahrscheinlich, dass die einzelnen Telekom-Firmen miteinander über Kombinationen reden werden, sagte Konzernchef Tim Höttges am Donnerstag. "Das schließt unser Unternehmen, die T-Mobile US, mit ein."

Die Frequenzauktion ist offiziell seit April zu Ende. Seitdem dürften die Beteiligten wieder über Schulterschlüsse reden. "Auch wenn T-Mobile US in solche Gespräche involviert sein sollte, wäre es daher überhaupt nicht absehbar, ob solche Gespräche zu irgendeinem Ergebnis führen würden."

Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen hält zwei Drittel der Anteile an der Tochter, die mittlerweile zum drittgrößten Mobilfunker der Vereinigten Staaten aufgestiegen ist. Das Wachstum ruft Interessenten wie den kleineren Rivalen Sprint auf den Plan.

Höttges kann Übernahmen grundsätzlich etwas abgewinnen. Sie böten verschiedene Möglichkeiten für Einsparungen und Skalenvorteile, sagte er. Doch seien vor dem Hintergrund auch andere Faktoren wichtig - wie die Bewertungen der Unternehmen, regulatorische Aspekte und Fremdfinanzierungsniveaus. Ob derzeit bereits Verhandlungen laufen, wollte er nicht sagen.

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T-Mobile wächst rasant - Verkauf wird unwahrscheinlich

Eilig hat es Telekom mit einem Verkauf nicht. Nach Investitionen von 40 Milliarden Dollar in den vergangenen fünf Jahren habe T-Mobile US inzwischen die Größe und die Finanzkraft, um ihren Wachstumskurs erfolgreich weiterzuführen, sagte Höttges. "Das bedeutet gleichzeitig, dass die Messlatte für jede strategische Alternative abseits dieses eigenständigen Weges sehr hoch liegt."

Im ersten Quartal wuchs T-Mobile US rasant weiter und steigerte die Kundenzahl um 1,1 Millionen auf 72,6 Millionen. Der Betriebsgewinn der Tochter schnellte um ein Viertel nach oben auf umgerechnet 2,4 Milliarden Euro.

Britische Beteiligung sorgt für Gewinneinbruch der Telekom

Der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen hat im ersten Quartal erneut ihre Beteiligung an der britischen BT Group zu schaffen gemacht. Im Tagesgeschäft lief es dagegen abermals rund für den Dax-Konzern, der operativ mehr verdiente als von Experten erwartet. Insbesondere das brummende US-Geschäft, aber auch der Aufwärtstrend im Heimatmarkt Deutschland sorgten für mehr Schwung.

Unter dem Strich ging der Konzernüberschuss zwar wie erwartet um drei Viertel auf 747 Millionen Euro zurück, weil die Abschreibung auf Aktien der BT mit 0,7 Milliarden Euro ins Gewicht fiel; zudem hatte der Sonderertrag aus dem milliardenschweren Verkauf des britischen Mobilfunkgeschäfts den Gewinn im Vorjahr hochgetrieben.

Über den Verkauf des Gemeinschaftsunternehmens Everything Everywhere (EE) war die Telekom an das BT-Aktienpaket gekommen, das ihr bereits im letzten Quartal 2016 eine dicke Abschreibung einbrockte. Da hatte noch der Pfundverfall nach dem Brexit-Entscheid zum Kursrutsch geführt, im ersten Quartal war es vor allem ein Bilanzskandal der BT Group in Italien.

Tagesgeschäft läuft gut - Höttges pumpt Geld nach Amerika

Ohne Sondereffekte gerechnet wäre der Gewinn um 10 Prozent gesunken, wie die Bonner am Donnerstag mitteilten. Das Minus resultierte vorwiegend aus Kosten für den Umbau der Finanzierung bei T-Mobile US.

Die US-Mobilfunktochter hatte bei der jüngsten Frequenzauktion für 8 Milliarden US-Dollar Lizenzen erworben, um sich für den Ausbau des mobilen Internets zu wappnen. Die Telekom hatte den Amerikanern mit milliardenschweren Finanzierungszusagen zur Seite gestanden.

Im Tagesgeschäft lief es dagegen wegen des Booms bei T-Mobile US weiter rund, aber auch in Deutschland ging es aufwärts. "Die Trends sind intakt: Wir wachsen in den USA und seit einiger Zeit auch wieder in Deutschland", sagte Vorstandschef Tim Höttges.

Die Mobilfunk-Serviceumsätze in Deutschland gingen zwar um 0,8 Prozent zurück. Das war aber vor allem gesenkten EU-Roaminggebühren geschuldet sowie gekürzten Entgelten für die Durchleitung von Anrufen aus fremden Netzen. Ohne die Regulierungseffekte seien die Erlöse hier um 1,4 Prozent gestiegen, hieß es. Wären Rabatte in Bündelangeboten nicht komplett auf den Mobilfunk gebucht worden, hätte es sogar ein Plus von mehr als 2 Prozent gegeben, sagte ein Sprecher. Umsatz und operatives Ergebnis in Deutschland zeigten insgesamt erneut nach oben.

Umsatz steigt um knapp 6 Prozent, Gewinn bei 5,5 Milliarden Euro

Der Konzernumsatz kletterte im ersten Quartal im Jahresvergleich um 5,8 Prozent auf 18,65 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 7,5 Prozent auf 5,55 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit weniger gerechnet. Den Jahresausblick bestätigte die Telekom.

Vor allem beim freien Bargeldzufluss - an den das Unternehmen maßgeblich die Zahlung der Dividende gekoppelt hat - waren die Bonner mit einem Plus von knapp der Hälfte auf 1,23 Milliarden Euro erfolgreicher, obwohl die Investitionsausgaben erneut stiegen.

la/dpa

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