Sonntag, 19. November 2017

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Telekom unter Druck, Sprint droht Fusionsgespräche zwischen T-Mobile US und Sprint vor dem Aus

T-Mobile-Chef John Legere: Sprint droht mit Abbruch der Fusionsgespräche

Ein mögliches Aus der geplanten Fusion des US-Mobilfunkers Sprint mit der Telekom-Tochter T-Mobile US hat die Aktien des Bonner Konzerns am Mittwochmorgen belastet. Sie fielen um 1,66 Prozent, was den letzten Platz im Dax bedeutete. Analysten rechnen bei einem Zusammenschluss mit einem großen Sparpotenzial in Milliardenhöhe.

Der japanische Mutterkonzern von Sprint, Softbank plane, die Gespräche über einen Zusammenschluss abzubrechen, hatte das japanische Wirtschaftsblatt "Nikkei" am Montagabend mitteleuropäischer Zeit gemeldet. Grund seien Probleme, sich mit der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen auf die Eigentümerverhältnisse einer fusionierten Gesellschaft zu einigen.

Allerdings wartet Softbank vor einer endgültigen Entscheidung noch auf eine Reaktion der Deutschen Telekom, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen am Mittwochmorgen berichtete. Offizielle Stellungnahmen von Unternehmensseite dazu gab es nicht.

Zeitung: Softbank droht mit Abbruch der Fusionsgespräche

Es gebe Uneinigkeit über die künftigen Eigentumsverhältnisse und der Sprint-Großaktionär Softbank werde der Telekom daher vielleicht schon am Dienstag einen Abbruch der Verhandlungen vorschlagen, hatte das japanische Wirtschaftsblatt "Nikkei" am Montag berichtet. Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters indes, die Verhandlungen seien nicht geplatzt. T-Mobile US wolle die Gespräche vielmehr weiterführen.

T-Mobile US und Sprint sind die Nummer drei und vier auf dem US-Mobilfunkmarkt und haben einen gemeinsamen Börsenwert von rund 80 Milliarden Dollar. Seit Wochen wurde in Medien über Fortschritte bei den Fusionsverhandlungen berichtet. Der neue Konzern hätte 130 Millionen Kunden und einen Umsatz von geschätzt mehr als 70 Milliarden Dollar. Er könnte in den USA dann besser mit den Platzhirschen Verizon und AT&T konkurrieren.

Nikkei zufolge hat die Deutsche Telekom darauf bestanden, eine Kontrollmehrheit an dem fusionierten Unternehmen zu halten. Der Softbank-Verwaltungsrat habe aber am Freitag entschieden, die Kontrolle nicht abgeben zu wollen. Die Softbank-Direktoren würden vielmehr hinterfragen, war für Vorzüge sie bei einer Abgabe der Kontrolle hätten.

Insider sagten Reuters lediglich, das Softbank-Gremium überdenke die Fusions-Überlegungen, da man die Kontrolle über Sprint nicht abgeben wolle. In Medienberichten hatte es zuletzt geheißen, Softbank und die anderen Sprint-Anteilseigner würden wohl 40 Prozent an dem neuen Unternehmen halten, entschieden sei aber noch nichts. Ende September, als Insider über einem nahen Durchbruch berichteten, hatte T-Mobile US einen Börsenwert von 52 und Sprint von 32 Milliarden Dollar.

Aktien von T-Mobile US gaben in Folge des Nikkei-Berichts an den US-Börsen mehr als fünf Prozent nach, Sprint büßten sogar elf Prozent ein.

Die Deutsche Telekom wollte sich nicht äußern. Schon 2014 hatte es einen Anlauf für eine solche Fusion gegeben. Dieser scheiterte aber an den Wettbewerbshütern.

la/dpa/reuters

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