Montag, 10. Dezember 2018

Krise überwunden? Deutsche Reeder investieren über eine Milliarde Dollar in Schiffe

Containerriese im Hamburger Hafen: Deutsche Reeder steigern wieder ihre Investments in die Flotte.

Überkapazitäten, sinkende Frachtraten, Insolvenzen: Aus der deutschen Handelsschifffahrt gab es in den vergangenen Jahren vor allem negative Nachrichten. Nun scheint sich in der Branche jedoch Optimismus zu regen, dass die Dauermisere, die seit der Finanzkrise vor rund zehn Jahren herrscht, überwunden werden kann.

Zahlen jedenfalls, die das Schifffahrtsmagazin "Hansa" mit Verweis auf die Researchfirma VesselsValue veröffentlicht hat, deuten in diese Richtung. Demnach investieren deutsche Reedereien 2018 nach einem ausnehmend schwachen Vorjahr wieder mehr als eine Milliarde Dollar in Schiffe. Den Angaben zufolge handelt es sich dabei sowohl um Neubauten, auf die etwa 60 Prozent der Mittel entfielen, als auch um gebrauchte Frachter.

"Wir sehen dass die Zuversicht auf den deutschen Schifffahrtsmärkten zurückkehrt", zitiert "Hansa" aus der Marktanalyse von VesselsValue. Gemessen an der Gesamttonnage, in die investiert wird, nähere sich die Branche wieder dem Niveau von 2015 an. Seinerzeit lagen die Investitionen allerdings noch bei mehr als zwei Milliarden Dollar im Jahr. Auch die Zahl der Schiffe, in die die Reedereien ihre Gelder stecken, nähere sich wieder der Marke von 60 an, die 2015 sowie in den beiden Jahren davor überschritten worden war, heißt es bei "Hansa".

An Reedereien, die sich mit ihren Investitionen hervortun, nennt das Magazin die Firmen Oldendoff Carriers in Hamburg, mit neuen Spezialschiffen für ein Großprojekt in Nordvietnam, sowie Vogemann, ebenfalls Hamburg. Zudem investieren offenbar zum Beispiel die Gesellschaften MPC Containerships, NSC und Bernhard Schulte, allesamt ansässig in Hamburg, sowie Briese Schiffahrt in Leer nennenswerte Summen in ihre Flotten.

Schiffe versenken: Wie deutsche Reeder tausende Anleger um ihr Geld brachten

Hintergrund: Das Jahr mit dem bislang höchsten Volumen an Schiffsinvestments in Deutschland war bislang 2007, unmittelbar vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise also, die auch zur Schifffahrtskrise führte. Seinerzeit flossen laut "Hansa" 6,5 Milliarden Dollar in die hiesige Flotte, wovon 4,6 Milliarden auf insgesamt 243 neue und 1,9 Milliarden auf 60 gebrauchte Schiffe entfallen seien.

Seinerzeit lebte die maritime Branche hierzulande allerdings noch in einer anderen Welt: Auf der einen Seite florierte der Welthandel, so dass Frachtkapazitäten gut ausgelastet waren. Was jedoch noch wichtiger war: Auf der anderen Seite flossen über geschlossene Fonds Jahr für Jahr Milliardensummen von privaten Anlegern in den Markt. Diese Geldquelle ist mit Ausbruch der Finanz- und Schifffahrtskrise, die zahlreichen Fonds die Pleite brachte, inzwischen weitgehend versiegt.

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