Samstag, 17. November 2018

Minus 77 Prozent Kostenexplosion im Paket-Geschäft lässt Gewinn der Post einbrechen

Post-Chef Frank Appel saniert die angeschlagene Paketsparte - das ist teuer
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Post-Chef Frank Appel saniert die angeschlagene Paketsparte - das ist teuer

Die Sanierung des heimischen Brief- und Paketgeschäfts hat der Deutschen Post im Sommer einen herben Gewinneinbruch eingebrockt. Nachdem der Vorstand sein Gewinnziel für 2018 im Juni kassieren musste, sieht Post-Chef Frank Appel das Schlimmste bald überstanden, wie er am Dienstag in Bonn verdeutlichte. Im kommenden Jahr soll es wieder aufwärts gehen. Und bis 2020 will der Manager den Dax-Konzern wie versprochen zu einem operativen Gewinn von 5 Milliarden Euro führen.

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten gut an. Nach Handelsbeginn legte die Post-Aktie Börsen-Chart zeigen 2,2 Prozent zu. Allerdings hatte das Papier zuvor seit Jahresbeginn auch rund 30 Prozent an Wert verloren. Ein Händler hob positiv hervor, dass der gemeldete Gewinneinbruch nach der Warnung des Konzerns im Sommer keine Überraschung mehr gewesen und sogar Schlimmeres befürchtet worden sei. Analyst Christian Obst von der Baader-Bank rät auch wegen des derzeitigen Kursniveaus weiterhin zum Kauf der Post-Aktie.

Im dritten Quartal dominierten die hohen Kosten des Konzernumbaus das Zahlenwerk der Post. Unter dem Strich verdiente der Konzern gerade noch 146 Millionen Euro und damit 77 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der operative Gewinn (Ebit) sackte um 55 Prozent auf 376 Millionen Euro ab. Die Sparte PeP, zu der das Brief- und Paketgeschäft gehört, schrieb sogar rote Zahlen - vor allem weil der Konzern Postbeamte aus seiner Zeit als Staatsbetrieb für viel Geld in Frührente schickt. Die Umbaukosten schlugen allein im Sommerquartal mit 392 Millionen Euro zu Buche.

Damit liegt der Konzern allerdings im Plan. Bis Ende des Jahres will der Vorstand alle Kosten für die Sanierung verbucht haben. Wegen der hohen Belastungen hatte Appel sein Jahresziel für den operativen Gewinn im Juni um fast eine Milliarde auf 3,2 Milliarden Euro gekappt.

Kosten im Paketgeschäft aus dem Ruder gelaufen

Anlass der Sanierung ist ein Gewinnrückgang in dem Bereich, der sich seit Jahresbeginn abgezeichnet hatte. Der Post waren während des Paketbooms der vergangenen Jahre und der jüngsten Tarifsteigerungen für die Beschäftigten die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Der langjährige Leiter des Geschäftsbereichs, Jürgen Gerdes, musste daraufhin seinen Hut nehmen.

Dabei konnte sich die Post über fehlende Nachfrage zuletzt nicht beklagen. Der Konzernumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar nur um 1,4 Prozent auf 14,85 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungsschwankungen sowie den Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen legte er jedoch um fast 5 Prozent zu. Auch die Kernsparte PeP konnte ihre Erlöse leicht steigern. Allerdings hätte der Bereich selbst ohne Sonderbelastungen durch Umbau und Zukunftsinvestitionen einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen.

Insgesamt lief es für die Post im Sommer dabei nicht so schlecht wie gedacht. Analysten hatten mit einem noch etwas stärkeren Gewinneinbruch gerechnet. Rückenwind lieferten alle drei DHL-Sparten. Der größte Gewinnbringer DHL Express steigerte sein operatives Ergebnis dank des boomenden Geschäfts mit zeitkritischen internationalen Sendungen um 10 Prozent. Die DHL-Frachtsparte setzte ihre Erholung fort und verdiente fast 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die DHL-Lieferkettenlogistik legte trotz rückläufiger Erlöse beim operativen Gewinn leicht zu.

Post-Chef Appel zeigte sich zuversichtlich, dass die Maßnahmen zur Sanierung des Brief- und Paketgeschäfts "schon ab dem kommenden Jahr signifikante positive Effekte zeigen". Das Vorruhestandsprogramm für Postbeamte sei "eine der wichtigsten Maßnahmen für eine wirksame und nachhaltige Kostensenkung".

Bei den erhofften Mehreinnahmen durch ein höheres Briefporto muss sich Appel hingegen noch gedulden. Weil die Post den Geschäftsbereich umbaut, sieht sich die Bundesnetzagentur derzeit nicht in der Lage zu beurteilen, welche Erhöhung angemessen wäre. Das Porto für Standardbriefe war zuletzt 2016 von 62 auf 70 Cent gestiegen. Jetzt steht laut Medienberichten eine Erhöhung auf 80 Cent im Raum. Preiserhöhungen im lizenzierten Briefgeschäft muss sich die Post von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen.

Appel sagte am Morgen im Nachrichtensender "Welt", er sei zuversichtlich, dass die Erhöhung noch im Jahr 2019 komme. Für die zeitliche Verschiebung werde der Konzern dabei voraussichtlich entschädigt.


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Die Portoerhöhung könnte der Post auch helfen, ihren operativen Gewinn bis 2020 über die Schwelle von fünf Milliarden Euro zu hieven. Analysten rechnen im Schnitt aber nicht damit, dass dies gelingt. Im Schnitt gehen sie bislang von gut 4,8 Milliarden Euro aus - auch wenn Appel sein bereits 2014 gesetztes Mittelfristziel seit Jahren immer wieder bekräftigt.

mg/dpa-afx, rtr

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