Donnerstag, 23. März 2017

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Insiderverdacht Börsenchef Kengeter weicht Frage nach Rücktritt aus

"Die Verdächtigung des Insiderhandels hat mich persönlich sehr getroffen": Carsten Kengeter

Eigentlich sollte es um die jüngsten Geschäftszahlen der Deutschen Börse gehen. Doch die Journalisten auf der Bilanzpressekonferenz interessierte am Donnerstag vielmehr, wie es um die geplante Fusion mit der Londoner Stock Exchange steht - und ob der des Insiderhandels verdächtigte Börsenchef Carten Kengeter nun womöglich zurücktreten werde.

Der zweiten Frage wich der Deutsche-Börse-Chef aus. "Das sind rein spekulative Fragen, die ich nicht aufnehmen kann, da werde ich nicht drauf eingehen", sagte Kengeter in Frankfurt.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den Manger wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Es geht um ein millionenschweres Aktiengeschäft Kengeters im Dezember 2015 - gut zwei Monate bevor die Deutsche Börse öffentlich machte, dass sie Fusionsgespräche mit der Londoner Börse LSE führt. Die Aktienkurse beider Unternehmen stiegen in der Folge deutlich.

Der Aufsichtsrat hatte die Vorwürfe zuvor als "haltlos" zurückgewiesen. Am Donnerstag sagte Kengeter: "Die Verdächtigung des Insiderhandels hat mich persönlich sehr getroffen. Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe", um dann auszuführen: "Ich habe den Aktienkauf mit meinem eigenen Geld nicht zu einem selbstgewählten Zeitpunkt getätigt, sondern in einem mir vorgegebenen Zeitrahmen zwischen dem 1. und dem 21. Dezember 2015, den der Aufsichtsrat für die Teilnahme an dem Vergütungsprogramm festgelegt hatte. Danach wurde der Kauf sofort publik gemacht. Die gekauften Anteile haben zudem eine Haltefrist bis Ende 2019."

Eine Meldung des "Spiegel" hatte den Manager zuletzt aber verstärkt in Erklärungsnot gebracht. Kengeter habe schon im November 2015 im Bundeskanzleramt mit Lars-Hendrik Röller, dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, über eine mögliche Fusion mit der London Stock Exchange gesprochen haben. Das Pikante daran: Das Gespräch fand statt, bevor Kengeter in großem Stil Deutsche-Börse-Aktien kaufte.

Verzichtet Kengeter auf Chefsessel der fusionierten Börse?

Als "spekulativ" bezeichnete der Manager auch die Frage, ob er auf den Chefsessel der geplanten europäischen Superbörse verzichten und einem Londoner den Vortritt lassen würde, wenn der Sitz der Holding im Gegenzug nach Frankfurt kommen würde. Mit anderen Worten: Kengeter wollte oder konnte auch diese Frage nicht beantworten.

Die deutschen Aufseher sind besorgt, dass die fusionierte Börse aus London heraus gesteuert werden soll. Das würde ihnen den Zugriff aufs Management erschweren.

Klar ist aber schon jetzt: Die geplante Fusion mit der Londoner Börse geht bei der Deutschen Börse kräftig ins Geld. Im vergangenen Jahr seien Kosten von 66 Millionen Euro angefallen, sagte Finanzchef Gregor Pottmeyer während der Bilanz-Pressekonferenz. Bei einem erfolgreichen Abschluss dürfte sich die Rechnung auf insgesamt 150 Millionen Euro belaufen, fuhr er fort. Grund seien insbesondere die erfolgsabhängigen Gebühren der beteiligten Banken.

Börse profitiert von Schlussspurt nach US-Wahl

Die Deutsche Börse hat das vergangene Jahr mit einem Schlussspurt beendet. Sie profitierte dabei vom regen Handel an den Finanzmärkten nach der US-Präsidentschaftswahl. Die Nettoerlöse legten um 8 Prozent auf 2,39 Milliarden Euro zu, wie der Dax-Konzern bereits am späten Mittwochabend mitgeteilt hatte. Der operative Gewinn (Ebit) kletterte auch dank Kostensenkungen um 18 Prozent auf 1,11 Milliarden Euro. Unter dem Strich stieg der Gewinn im gleichen Maße auf 722 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen daran mit einer von 2,25 auf 2,35 Euro je Aktie gestiegenen Dividende beteiligt werden.

rei/Reuters/dpa

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