Sonntag, 25. Februar 2018

Nach dem Orkan "Friederike" Erste Fernzüge fahren wieder

ICE der Deutschen Bahn

Der Orkan "Friederike" hat verheerende Schäden in Deutschland angerichtet und mindestens sechs Menschenleben gefordert. Die Bahn hatte den Fernverkehr in ganz Deutschland eingestellt. Seit Freitagmorgen rollen die ersten Züge wieder. Auf Schienen und Autobahnen gibt es aber noch erhebliche Probleme.

Nach der deutschlandweiten Einstellung des Fernverkehrs wegen des Orkans "Friederike" hat die Deutsche Bahn den Betrieb wieder aufgenommen. "Die ersten Fernzüge sind unterwegs", sagte ein Bahnsprecher am frühen Freitagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. So sei um 3.25 Uhr ein ICE aus München in Richtung Frankfurt-Flughafen losgefahren. Der Sprecher betonte aber nochmals, dass es "nach wie vor zu Einschränkungen kommen wird."

Insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen seien noch wichtige Strecken gesperrt, teilte die Bahn auf ihrer Webseite mit. Wegen der Auswirkungen des Sturms hatte die Deutsche Bahn am Donnerstag erstmals seit dem Orkan "Kyrill" im Jahr 2007 den Betrieb auf ihrem gesamten Fernverkehrsnetz eingestellt. Auf dem Brocken im Harz wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 km/h gemessen.

Der schwerste Orkan seit mehr als zehn Jahren in Deutschland hatte mindestens sechs Menschen das Leben gekostet. Vielerorts wurde zeitweise Windstärke 12 und mehr gemessen. Auch mehrere Flughäfen strichen aus Sicherheitsgründen Flüge. Im Norden machte zudem regional Schneeglätte Autofahrern zu schaffen.

Im Süden Deutschlands sollten die Züge bereits ab dem Morgen weitgehend normal verkehren, wie die Bahn am Abend in der Mitteilung ankündigte. "Im Norden Deutschlands starten die Züge, sobald weitere Strecken von Schäden befreit und freigegeben wurden. Wir erwarten, dass bereits im Laufe des Vormittags alle Metropolen Deutschlands - mit Einschränkungen - wieder mit dem Fernverkehr erreichbar sein werden. Für das Wochenende erwarten wir einen weitgehend normalen Verkehr."

Wegen des Orkans musste am Donnerstag im thüringischen Bad Salzungen sogar die Bundeswehr ausrücken und einen getöteten Feuerwehrmann bergen. Ein Schützenpanzer Marder half zudem, Bäume abzutransportieren, die den Weg zur Unglücksstelle versperrten. Der 28-Jährige war im Einsatz von einem Baum erschlagen worden.

Einzelne Autobahnen bleiben gesperrt

Wegen der Gefahr umstürzender Bäume sollte die Autobahn 7 an der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Hessen in Richtung Süden laut Polizei voraussichtlich bis zum Mittag gesperrt bleiben. Probleme auf den Straßen gab es auch in Westsachsen: Die Autobahn 72 in Richtung Bayern war in der Nähe von Zwickau nach einem Lastwagen-Unfall mit drei Fahrzeugen in der Nacht dicht, und die Polizei ging davon aus, dass das bis zum Morgen so bleiben sollte. Ein Laster war in ein Stauende gerast, zwei Männer starben. Der Stau hatte sich aufgrund eines sturmbedingten Unfalls gebildet. Allerdings hatte "Friederike" mit dem folgenden Unfall der Laster nichts zu tun, wie ein Polizeisprecher sagte.

Zehntausende Haushalte zeitweilig ohne Strom

Das Wetter hat sich mittlerweile beruhigt. Um Mitternacht hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) die letzten Unwetterwarnungen auf. Am Tag weht der Wind laut DWD anfangs an der See und in den Bergen noch stürmisch. Probleme drohen weiterhin durch glatte Straßen. Es sind immer wieder Regen-, Schnee- und Graupelschauer möglich. An den Alpen erwartet der DWD kräftige Schneefälle.

Wegen "Friederike" waren außerdem zahlreiche Haushalte in Ostdeutschland von der Energieversorgung abgeschnitten, wie die Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) in Chemnitz berichtete. Nach Angaben des Unternehmens waren am Donnerstag zeitweise bis zu 140.000 Kunden ohne Strom, nachdem Masten, Leitungen und andere Anlagen durch den Orkan beschädigt worden waren.

rei mit Nachrichtenagenturen

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