Dienstag, 31. Mai 2016

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Denuvo Diese Österreicher treiben Chinas Raubkopierer zur Verzweiflung

Video-Qualitätskontrolle bei Denuvo

Die schönsten Komplimente kommen von der Konkurrenz. In zwei Jahren, teilte die in der Branche berühmt-berüchtigte chinesische Raubkopierer-Gruppe 3DM vor kurzem mit, könnte es keine illegal kopierten Videospiele mehr geben. Schuld daran: ein kleines österreichisches Unternehmen aus Salzburg.

Denuvo heißt die Firma (30 Mitarbeiter, 3,5 bis 4 Millionen Euro Umsatz), an deren Schutzmechanismen sich die chinesischen Cracker bislang die Zähne ausgebissen haben. "Die 3DM-Gruppe haben wir ein bisschen zur Verzweiflung gebracht", sagt Denuvo-Gründer Reinhard Blaukovitsch im Interview mit manager-magazin.de. "Ich weiß allerdings nicht, ob sie tatsächlich schon das Handtuch geworfen haben."

Macht den Crackern das Leben schwer: Denuvo-Gründer Blaukovitsch
Blaukovitsch und Denuvo kämpfen gegen ein Problem, das die Videospiel-Industrie pro Jahr zig Milliarden kostet. Allein 2014 sollen der Branche laut einem Bericht von statista wegen illegaler Kopien 74,2 Milliarden Dollar durch die Lappen gegangen sein. Als Retter der Branche sieht sich Blaukovitsch indes nicht. Auch die Einschätzung der 3DM-Cracker, dass es in zwei Jahren keine kopierten Spiele mehr gebe, wenn die Sicherheitstechnik sich weiter wie bisher entwickle, teilt er nicht: "Es wäre überheblich, so etwas zu sagen. Unser Qualitätsanspruch bleibt, das Release-Window zu schützen."

Der Zeitraum rund um die Erstveröffentlichung eines Computerspiels ist für die Hersteller der wichtigste. In den ersten Wochen werde der meiste Umsatz mit neuen Spielen gemacht; wenn ein Spiel schon am Tag 0 oder schlimmstenfalls noch vor dem Release frei im Internet verfügbar sei, drohten große Umsatzeinbußen.

Gaming-Riesen lassen ihre Top-Seller von Denuvo schützen

Entsprechend lassen etwa Gaming-Riesen wie EA, Ubisoft oder Bandai Namco ihre Top-Seller von Denuvo schützen. Mit Erfolg: Die vorletzte Version der Fußball-Simulation Fifa, Fifa 15, eine der Cash Cows von EA, habe "einige Monate" lang ausschließlich legal gespielt werden können. Fifa 16, das seit September 2015 verkauft wird, habe bislang noch niemand geknackt, berichten Blaukovitsch, was die Website torrentfreak.com bestätigt. Gleiches gelte für den im Dezember erschienenen Blockbuster "Just Cause 3", an dem sich die chinesischen Cracker von 3DM bislang erfolglos versucht haben.

Um die Spiele so sicher zu machen, nimmt Denuvo den Code eines Spiels auseinander und ersetzt einzelne Bestandteile durch eigene verschlüsselte. Diese lassen sich nur mit einem Zertifikat von Denuvo auslesen, das vor Spielstart etwa bei EAs Origin-Plattform abgerufen wird. Wichtig dabei: "Die Konsumenten dürfen davon nichts merken."

Cracker müssen tief im Code graben

Das ist insbesondere deshalb entscheidend, weil Denuvo im Internet der unbegrenzten Downloads nicht unbedingt zu den beliebtesten Unternehmen gehört: "Online werden viele Anschuldigungen gegen uns erhoben", sagt Blaukovitsch, "etwa, dass unser System die schnellen SSD-Festplatten kaputtmache." Das sei allerdings "Quatsch".

Um den österreichischen Schutz zu durchbrechen, müssen auch die Cracker selbst tief in den Spiele-Code einsteigen: Sie suchten dort nach von Denuvo veränderten Bestandteile, um diese schließlich selbst auslesen zu können.

Ihre Kopierschutzlösungen bietet Denuvo übrigens auch für Verlage und Buchvertriebe an: "Wenn Bücher elektronisch werden, steigt die Piraterie sprunghaft an. Ein physisches Buch hat von Natur aus einen Kopierschutz - selten stellt sich jemand tagelang an den Kopierer."


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