Dienstag, 28. Juni 2016

Schlag für Duopol der Prüfkonzerne Wirtschaftsprüfer Deloitte gewinnt Dax-Mandat - und dann gleich Bayer

Signalstark: Bayer-Kreuz auf dem Werksgelände in Leverkusen.

Deloitte ist nach jahrelangem, vergeblichen Bemühen in die Phalanx der in Deutschland dominierenden Wirtschaftsprüfer eingebrochen und hat sein erstes großes Mandat im Dax seit Jahren gewonnen. Bayer, einer der am höchsten bewerteten Unternehmen in Deutschlands Börsen-Spitzenliga, bestätigte entsprechende Informationen von manager-magazin.de: "Der Aufsichtsrat der Bayer AG hat beschlossen, im Rahmen der Ausschreibung der Wirtschaftsprüferleistungen Deloitte als Erstplatzierten zu bestimmen. Es ist geplant, Deloitte der Hauptversammlung im Jahr 2017 zur Bestellung als Abschlussprüfer vorzuschlagen", antwortete ein Sprecher auf eine schriftliche Anfrage. Eine Zustimmung der Hauptversammlung ist in solchen Fällen reine Formsache. Deloitte ersetzt den Konkurrenten PwC.

Der Deloitte-Triumph ist der Vorbote eines Machtverlusts der bislang dominierenden Arbeiter im deutschen Markt: KPMG und PwC testieren seit Jahren den überwiegenden Teil der Dax-Konzerne, EY folgt mit großem Abstand. Deloitte dagegen, weltweit mit den Rivalen auf Augenhöhe, mühte sich mehrfach vergeblich, überhaupt nur ein einziges Mandat in der Topliga zu bekommen - in der Hoffnung, dadurch danach noch weitere Aufträge einsammeln zu können.

Allein im Dax gaben die Unternehmen für die zuletzt insgesamt rund 340 Mio. Euro an Honoraren für die Berater aus. Bayer hatte 2014 Kosten von rund 12 Mio. Euro für die Prüfung.

In den kommenden Jahren wird es zu weiteren wichtigen Wechseln bei den Bilanzprüfern kommen. Diese Neuordnung ist das Ergebnis von Reformen des früheren EU-Kommissars Michel Barnier. Danach müssen künftig börsennotierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen alle zehn Jahre ihren Abschlussprüfer austauschen. Bislang gab es diesen Zwang nicht - was mitunter zu extrem engen Verbindungen zwischen Wirtschaftsprüfern und Konzernen führte. Weil dies das Risiko laxer Kontrolle erhöhte, reagierte die Politik mit dem Zwangs-Austausch.

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