Samstag, 18. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Game of Thrones & Co. Das Fantastilliarden-Geschäft der Fantasy-Industrie

Game of Thrones & Co.: Millionengewinne mit der Streitaxt
Fotos
HBO / DPA

Mit Orks und anderen Gruselwesen sowie leichtbekleideten Schönen viel Geld zu verdienen, funktioniert in der Fantasy-Literatur ganz prächtig. Das zeigt nicht nur der Erfolg der Serie "Game of Thrones". Wenn die ganz große Maschine anspringt.

Hamburg - Schwert, Gift, Axt - irgendwie kommen die Hauptdarsteller schon zu Tode. Im ersten oder in einem der Folgebände des noch unvollendeten Buchepos "Das Lied von Eis und Feuer". Und "Game of Thrones" ist eine Fernsehserie, die auf eben jener Vorlage basiert. Ein Schmöker, stöhnen die Kritiker. Ein Schmöker, jubeln die Fans. Sie sind in der Mehrzahl. Und sie fordern mehr, immer mehr. Autor George R. R. Martin wird inzwischen sogar angefeindet, wagt er es, sich vom heimischen Schreibtisch fortzubewegen und nicht an einem weiteren Band zu feilen. Wo viele Fans sind, ist eben auch viel Begeisterung. Aber oftmals auch viel Geld. Vor allem, wenn die ganz große Maschine anspringt.

Da ist Fantasy-Begeisterung, die einige Autoren und deren Verlage mit viel Geschick am Laufen halten und für gewaltige Verkaufszahlen ihrer Bücher sorgen. Immerhin hat "Der Herr der Ringe" es unter die zehn meistverkauften Bücher der Welt geschafft - und musste gegen Konkurrenten wie Bibel, Koran oder Maos Worte antreten. Da ist aber auch das Kino, das Fernsehen. Beispiel "Herr der Ringe", vom geistigen Vater des Fantasy-Genre John Ronald Reuel Tolkien in der pitoresken Studierstube der Oxford-Universität auf Papier gebannt. Allein das Buch hat sich seitdem 150 Millionen Mal verkauft.

Viele Sieger, ein Verlierer

Dann kam Peter Jackson, ein bärtiger Regisseur und Freund von Kunstblut, und schuf den Film zum Buch. Menschen haben die Trilogie gesehen, Erlöse von 3 Milliarden Dollar hat sie eingespielt. Dazu kommen noch die Erlöse der DVDs, der Computerspiele. Das gleiche Bild bei Harry Potter. Der bebrillte Zauberlehrling aus der Feder von Joanne K. Rowling hat in wenigen Jahren Millionen Freunde gefunden. In der Summe und über alle sieben Bände gerechnet, wurden die Bücher 450 Millionenmal verkauft. Autorin Rowling stieg damit in die Liga der reichsten Frauen Englands auf, soll mehr als eine Milliarde US-Dollar besitzen und damit mehr als Königin Elisabeth II. Und das ist noch nicht alles.

Dazu kommen die Einnahmen aus allem, was sich lizensieren lässt. Der Bezahlsender HBO beispielsweise, der sich die Rechte an der Bücherserie "Das Lied von Eis und Feuer" von George R.R. Martin gesichert und zum Fernseh-Publikumsmagneten "Game of Thrones" geschmiedet hat, bietet auch den Nachbau des "Eisernen Throns", auf dem so viele Könige verschlissen wurden,für 30.000 Dollar an. Und HBO hat über 400 weitere Artikel im Angebot.

Computerspiele, Lego-Spielzeug, Gesellschaftsspiele - wo "Herr der Ringe" & Co. drauf stehen, ist für die Verlage, Produzenten und Rechteinhaber fast so etwas wie der sagenhafte Drachenhort drin. Wie groß diese Summe ist, zeigt die Tatsache, dass Fantasy manchmal ganz irdisch vor den Schranken des Gerichts endet. So ringen die Tolkien-Erben seit Jahren mit Warner Bros.; es geht um die Filmverträge für "Der Herr der Ringe" und "Der kleine Hobbit". Und es geht eben um viel Geld, rund 62 Millionen Dollar.

Tolkien selbst hätte vielleicht so geantwortet: "Die Zwerge haben zu gierig und zu tief geschürft. Du weißt, was sie aufgeweckt haben in der Dunkelheit." Doch gleichviel, etliche der Autoren oder ihrer Erben sind durch Fantasy zu mehr als nur wohlhabenden Menschen geworden. Nur einer ging weitestgehend leer aus, wie die Bilderübersicht zeigt.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH