Freitag, 30. September 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Mittelstand kämpft mit Digitalisierung Digi-wie bitte?

Auch Angela Merkel und der Schweizer Präsident Johann Schneider-Ammann scheinen skeptisch.

In diesem Jahr hat sich die Cebit Deutschlands Herzstück vorgenommen - den Mittelstand. Mit einer eigenen Fläche dem "Campus Mittelstand" sollen digitalisierungsfreudige Klein- und Mittelstandsunternehmen (KMU) angelockt werden. Der optimistische Slogan: "Digitalisierung. Praktisch gestalten." Das Versprechen: "Wir holen Entscheider aus KMU und Mittelstand in Sachen Digitalisierung da ab, wo sie gerade stehen." Dies soll dank verschiedener Vorträge, Expertenrunden und Unternehmenspräsentationen möglich sein.

Doch bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass bei allem Optimismus die nötige Basis fehlt. Auch hinter den Begriff Handwerk hat es die häufig gesehene Zahl 4 jetzt geschafft - Handwerk 4.0 - so soll das "neue", digitale Handwerk heißen.

Doch so einfach ist das nicht. Um digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln oder Abläufe im Betrieb mit Computertechnik zu vereinfachen, ist eine digitale Infrastruktur notwendig. "In kleinen Betrieben, vor allem in ländlichen Regionen scheitert die Digitalisierung schon oft an der Internetverbindung", sagt Marc Tenbieg, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Mittelstandsbundes (DMB).

Das bestätigt auch eine Erhebung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Zwar sind weite Teile Deutschlands mit schnellen Leitungen ausgestattet, in ländlichen Regionen gibt es jedoch noch komplett unterversorgte Gebiete. In der Region um Gerolstein in Rheinland-Pfalz zum Beispiel haben nur 10 bis 50 Prozent der Haushalte einen Breitbandanschluss mit 16 Mbit/s. Bei dieser Geschwindigkeit dauert der Download von mehr als 100 Mb, also zum Beispiel von Videos und großen Dateien, sehr lange. Dann ist Warten angesagt und kostbare Zeit verstreicht.

Lesen Sie auch: Keine Angst vor dem Roboter

Marc Tenbieg sieht die Bundesregierung in der Verantwortung. Das Bundeskabinett hat im Oktober 2015 zwar dem "Bundesförderprogramm für den Breitbandausbau" des BMVI zugestimmt und damit dem Ziel, unversorgte Gebiete mit mindestens 50 Mbit/s auszustatten. Ob dieses Ziel aber wie geplant bis 2018 erreicht wird, bezweifelt Tenbieg jedoch.

Doch selbst wenn die Voraussetzungen gegeben sind, haben es vor allem die handwerklichen Betriebe in Sachen Digitalisierung schwer. Die ebenfalls auf der Cebit ausgerufene "Digitale Transformation" ist bei vielen Malern, Elektrikern und Tischlern noch nicht angekommen.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH