Mittwoch, 29. Juni 2016

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CeBIT 2016 Digitalisierung für alle

Der Game-Changer: Ein Unternehmen auf digitale Prozesse umzustellen, kostet erst einmal Zeit und Geld - doch die CeBIT-Macher, der BDI und die Berater von Roland Berger sehen zur Digitalisierung keine Alternative
Deutsche Messe AG / Rainer Jensen
Der Game-Changer: Ein Unternehmen auf digitale Prozesse umzustellen, kostet erst einmal Zeit und Geld - doch die CeBIT-Macher, der BDI und die Berater von Roland Berger sehen zur Digitalisierung keine Alternative

Industrie 4.0 - von der Digitalisierung der Arbeitswelt haben in Deutschland bisher vor allem große Konzerne profitiert. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) ist die digitale Transformation bisher kaum angekommen - das soll sich jetzt ändern.

Am 14 März startet die Computermesse CeBIT in Hannover: Mit dem Motto "d!conomy - join - create - suceed" sollen vor allem Mittelständler angesprochen werden. Nach der Digitalisierungswelle bei den Konzernen sollen nun auch kleine und mittlere Unternehmen neue Wege gehen, um ihre Unternehmen effizienter und auch in Zukunft wettbewerbsfähig machen.

So soll zum Beispiel ECM (Enterprise Content Management Software) zu einem Standard für jedes Unternehmen werden: Dokumente gibt es künftig ausschließlich digital, Informationen für Mitarbeiter sind leichter zugänglich - und das System überwacht sich im besten Fall selbst und zeigt widersprüchliche Informationen und Daten automatisch an. Rechnungen werden in Zukunft auch in jeder kleinen Kfz-Werkstatt automatisch erstellt, versandt und überprüft - so die Idee.

Möglich wird diese Vernetzung durch das Internet der Dinge (Internet of Things, neudeutsch IoT). Diesem Thema widmet sich während der CeBIT unter anderem der Chief Architect IoT Security des US-Computerriesen IBM Börsen-Chart zeigen , Timothy Hahn.

Mithilfe von Clouds und Wikis soll unnötiger Email-Verkehr vermieden und Informationen langfristig gesichert werden - was Zeit und Geld spart. Der Prozess dorthin kostet jedoch Zeit und benötigt intensive Betreuung - die kostet erst einmal Geld. Eine Investition, die für kleine und mittelständische Unternehmen eine Hürde sein kann. Dennoch sehen das Roland Berger Institut und der BDI keine Alternative zur raschen Digitalisierung: Sie prognostizieren, dass Europa rund 605 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren einbüßen könnte, wenn die kleinen und mittleren Unternehmen in Europa die digitale Transformation verpassen und der US-Konkurrenz das Feld überlassen.

Digitalisierung ist ein Marathon - aber ohne Alternative

Join and suceed - wer sich dazu durchringt, Zeit und Geld für die Digitalisierung zu investieren, werde am Ende des Prozesses gewinnen, so das Versprechen der CeBIT. "Die Entwicklung der digitalen Vernetzung wird weiter massiv an Dynamik gewinnen. Der globale Wettbewerb wird heute nicht mehr nur in der realen, sondern auch in der digitalen Welt gewonnen", meint Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Auch die Entwickler von ECM- Software setzen auf erfolgreiche Messetage, denn der Markt ist stark umkämpft. Mehr als 400 Aussteller wollen mit ihrer Software die mittelständischen Kunden für sich gewinnen.

Mit einer zusätzlichen Vortragsreihe, dem ECM-Forum, wollen die Hersteller die Besucher der CeBIT überzeugen. Sie versprechen individuelle Kundenbetreuung - denn sie wissen, dass Digitalisierung ein längerer Prozess ist, der große Veränderungen bedeutet und nicht über Nacht geschieht: "Es ist den meisten Unternehmen klar, dass die Digitalisierung umfassende Veränderungen mit sich bringt", sagt Marc Tenbieg, Vorstandsmitglied des Deutschen Mittelstand-Bundes (DMB). "Um hier mitgehen zu können ist es für viele KMU wichtig, Verlässlichkeit herzustellen. Die Digitalisierung ist ein Transformationsprozess, der viele Ressourcen und Know-how bindet."

Das Problem: Um diese Herausforderung zu meistern und die notwendige Digitalisierung umzusetzen, fehle es in vielen Regionen noch immer an der nötigen Infrastruktur. In vielen ländlichen Regionen gebe es keine ausreichend schnellen Internetverbindungen. Hier sei die Bundesregierung gefragt, so Tenbieg.

Big Data: Wie filtert man die Datenflut?

Ein weiterer Schwerpunkt der digitalen Messe in Hannover ist der Umgang mit der täglich steigenden Datenflut - Big Data. Es werden Data-Mining-Systeme vorgestellt, die Daten bündeln, analysieren und zusammenfassen. So sollen nicht nur Unternehmen ihre Kunden besser kennenlernen und Marketing gezielter einsetzen, sondern auch der Normal-Verbraucher soll seine Finanzen, den eigenen Körper oder die Energieeffizienz der Wohnung ständig messen können.

Zuwachs gibt es auch bei den so genannten "Wearables": Smarte Armbänder und -uhren, die von Puls bis Schrittzahl zahllose Körperdaten analysieren, sollen durch smarte Kleidung, die biometrische Merkmale misst, ergänzt werden. Zurzeit fressen diese Gadgets allerdings noch viel Strom, Akkus stören den Tragekomfort und müssen regelmäßig aufgeladen werden. Technologien wie Solarzellenstoffe, die trotz Verkabelung waschbar sind, haben es noch nicht aus den Versuchslaboren geschafft.

Ähnlich holprig läuft es beim mobilen Bezahlen - selbst Erfolgskonzern Apple konnte mit seinem System Apple Pay bisher nur ein Prozent der Transaktionen in den USA abgreifen. Trotz hohem Trend-Potential ist beim mobile payment jedoch auch in diesem Jahr auf der CeBIT kein Durchbruch zu erwarten - doch auch die mobilen Bezahlsysteme werden ein wichtiges Thema der "d!conomy" sein.

Wearable, IoT, ECM, Retweet: Sprechen Sie digital?

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