Montag, 20. November 2017

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Boom-Markt medizinisches Cannabis Wie der Staat das Hanf-Geschäft in die Hand nimmt

Cannabis auf Rezept in der Apotheke - durch ein neues Gesetz ist das für Schwerkranke in Deutschland inzwischen Realität. Eine neue staatliche Agentur soll nun den Hanf-Anbau für medizinische Zwecke steuern. Firmen hoffen auf ein lukratives Geschäft.

Es ist ein einschneidender Schritt der Liberalisierung im deutschen Arzneimarkt: Schwer Erkrankte können seit dem 10. März auf Rezept Cannabis in Apotheken bekommen. Patienten brauchen nicht mehr wie bisher eine Ausnahmeerlaubnis, entsprechende Vorschriften laufen aus. Und während Erkrankte bisher Cannabis in der Regel selbst bezahlen mussten, sind Krankenkassen nun verpflichtet, die Therapiekosten zu übernehmen.

Das schürt bei etlichen Firmen die Hoffnung auf ein lukratives Geschäft mit Hanf. Denn der Wirkstoff von Cannabis kann bei Multipler Sklerose und gegen chronische Schmerzen bei Rheuma helfen. Auch die Nebenwirkungen von Chemotherapien bei Krebspatienten kann er lindern, ebenso soll er gegen die Symptome der Nervenkrankheit Tourettesyndrom helfen.

Die Nachfrage in Deutschland dürfte wachsen

In Kanada und den USA hat sich die Behandlung per Hanf-Pflanze zum Milliarden-Markt entwickelt. 28 US-Bundesstaaten haben medizinisches Cannabis laut Branchentreff International Cannabis Business Conference zugelassen, acht haben das Rauschmittel völlig legalisiert.

In Deutschland indes ist die Zielgruppe für Cannabis-Therapien bisher klein. Nur rund 1000 Patienten hatten bislang eine Ausnahmeerlaubnis zum Kauf von Cannabis für medizinische Zwecke. Doch die Nachfrage dürfte wachsen, glauben Branchenvertreter: "Cannabis als Medizin hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland stark ausgebreitet", sagt Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands.

Wirkstoffe aus Cannabis produziert etwa Bionorica aus Neumarkt in der bayerischen Oberpfalz. Apotheken können die Substanzen in Form von Rezepturarzneimitteln zu Tropfen oder Kapseln weiterverarbeiten oder mit einem Verdampfer für die Inhalation zur Verfügung stellen, heißt es bei dem Hersteller. Seit Monaten bereitet sich die Firma auf die Freigabe vor und will weiter in Forschung investieren. Bisher machten Cannabis-Produkte weniger als zwei Prozent der zuletzt 254 Millionen Euro Jahresumsatz von Bionorica aus. Weitere Anbieter von Cannabis-Wirkstoffen sind THC Pharm aus Frankfurt und Fagron aus den Niederlanden.

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