Freitag, 22. September 2017

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Neue Prozesse, neue Struktur Wie man einen Fußball-Bundesligaclub erfolgreich neu aufstellt

Sascha L. Schmidt lehrt an der WHU - Otto Beisheim School of Management. Zudem ist er akademischer Leiter der "SPOAC - Sports Business Academy by WHU".
Falco Peters
Sascha L. Schmidt lehrt an der WHU - Otto Beisheim School of Management. Zudem ist er akademischer Leiter der "SPOAC - Sports Business Academy by WHU".

Was sind die Erfolgsfaktoren einer modernen Clubstruktur? Im SPONSORS-Interview spricht Sascha L. Schmidt, akademischer Leiter der SPOAC, über effiziente Umstrukturierungsprozesse bei Fußballbundesligisten.

SPONSORs
Heft September 2017

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SPONSORs: Herr Schmidt, was empfehlen Sie einem Bundesliga-Club, der vor einer Umstrukturierung steht?

Sascha L. Schmidt: Ich rate zunächst dazu, den Grundsatz "Structure follows Strategy" zu beherzigen. Denn kein Club wird mit einer Umstrukturierung Defizite in seiner Strategie kaschieren können. Wenn ein Club nicht weiß, welches Geschäftsmodell ihn auf Dauer in der Bundesliga überlebensfähig macht, so kann er auch keine vernünftigen Strukturentscheidungen treffen.

SPONSORs: Welche Ziele gilt es also zu definieren?

Schmidt: Genau darüber muss sich ein Club erst einmal klar werden. Es macht zum Beispiel einen großen Unterschied für die strukturelle Ausgestaltung, ob ich mich als Ausbildungsverein begreife, der sein Geld vor allem mit Transfererlösen verdient. Oder ob ich meine Strategie darauf ausrichte, möglichst viele Umsätze in benachbarten Geschäftsfeldern - möglichst unabhängig vom sportlichen Erfolg - zu generieren.

SPONSORs: Welche Fragen sollte sich ein Club stellen, um sich dieser Ziele bewusst zu werden?

Schmidt: Es sind die gleichen Fragen, die sich auch ein Unternehmen in der freien Wirtschaft stellt: In welchem Markt will ich mit welchen Wettbewerbern konkurrieren? Welche Produkte bringe ich mit und wie kann ich mich mit diesen realistisch weiterentwickeln? Ohne diese strategischen Fragen zu beantworten, ist es unmöglich, eine vernünftige Struktur zu bauen.

SPONSORs: Welche Personen im Club sollten dabei den Takt vorgeben?

Schmidt: Eine Strategie entsteht in einem gemeinsamen Prozess aller, die im Club entscheidend beteiligt sind. Das sind Fanvertreter genauso wie Investoren und die Köpfe in den Führungsgremien. Die Strategie und auch die daraus abgeleitete Struktur funktionieren nur, wenn alle Entscheidungsträger dahinterstehen und sich ihr verpflichten. Ist das nicht der Fall, kann man sich eine Umstrukturierung gleich sparen.

SPONSORs: Welche Analyse sollte der Strategie zugrunde liegen?

Schmidt: Zunächst geht es darum, sich auf Grundlage einer klassischen SWOT-Analyse über die eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu werden. Was macht meinen Club aus? Was differenziert mich von Wettbewerbern? Was mache ich besser oder schlechter als andere Clubs? Den Spiegel sollte man sich offen und ehrlich vorhalten, ohne Rücksicht auf derzeitige Amtsträger zu nehmen.

SPONSORs: Wie leiten sich daraus die Chancen und Risiken ab?

Schmidt: Die ergeben sich aus dem Umfeld. Der Fußball ist nach wie vor eine Wachstumsbranche. Jeder Club ist dazu verdammt, weiter zu wachsen. Die Clubs müssen dabei die Frage stellen, ob sie noch Wachstum im klassischen Kerngeschäft generieren können oder eher über Themen in benachbarten Umsatzfeldern wie Digitalisierung oder Internationalisierung wachsen wollen. Hier muss jeder Club für sich abwägen, welche Investitionen notwendig sind und sich auf Dauer rechnen. Gezielte Wachstumsanstrengungen müssen sich dann natürlich auch in der Struktur des jeweiligen Clubs wiederfinden.

SPONSORs: Sollte das Thema Neugeschäft nicht generell in der Führungsebene verankert werden?

Schmidt: Ein Ressort "New Business" auf Vorstandsebene halte ich grundsätzlich für sinnvoll. Dieser Bereich arbeitet ähnlich wie eine zentrale Konzernentwicklung in der Wirtschaftspraxis, die Neugeschäfte zunächst einmal zu einer gewissen Größe bringt und sie dann - bei andauerndem Erfolg - als eigenständige Tochter in die bestehende Unternehmensstruktur eingliedert. Oder sie werden in eine separate Einheit auslagert.

SPONSORs: Warum orientieren sich Clubs in strukturellen Fragen nicht häufiger an solchen Vorbildern aus der Wirtschaft?

Schmidt: Viele strukturelle Fragen stellen sich natürlich auch bei einem vergleichbaren mittelständischen Unternehmen. Der Unterschied ist, dass dieser nicht so unter dem Brennglas der Öffentlichkeit steht wie ein professioneller Fußballclub. Der Druck der Öffentlichkeit sorgt oft dafür, dass vorschnell strukturelle Entscheidungen vorgenommen werden. Deshalb sollte man sich als Club immer fragen, ob einen die Anpassungen der Struktur auch wirklich den eigenen Zielen näherbringen.

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