Samstag, 18. November 2017

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Neue Prozesse, neue Struktur Wie man einen Fußball-Bundesligaclub erfolgreich neu aufstellt

Sascha L. Schmidt lehrt an der WHU - Otto Beisheim School of Management. Zudem ist er akademischer Leiter der "SPOAC - Sports Business Academy by WHU".
Falco Peters
Sascha L. Schmidt lehrt an der WHU - Otto Beisheim School of Management. Zudem ist er akademischer Leiter der "SPOAC - Sports Business Academy by WHU".

2. Teil: "Jeder Club sollte seine Strukturen turnusmäßig überprüfen"

Rückkehrer: Bayern-Präsident Uli Hoeneß

SPONSORs: Was ist der wichtigste Erfolgsfaktor einer modernen Clubstruktur im Profifußball?

Schmidt: Das sind sicher die Mitarbeiter. Die Clubs sind es gewohnt, auf dem Rasen um die Top-Talente zu konkurrieren. Die Qualität des Personals außerhalb des Platzes entscheidet aber mindestens genauso über die Wettbewerbsfähigkeit. Hier treten die Clubs in Konkurrenz mit Unternehmen aus der freien Wirtschaft. Professionelles Personalmanagement wird deshalb auch für einen Club immer wichtiger. Nur so kann es gelingen, zum Beispiel den Data-Experten zu einem Fußballclub zu locken, der normalerweise eher bei Google Börsen-Chart zeigen oder Amazon Börsen-Chart zeigen arbeiten würde.

SPONSORs: Kann das überhaupt gelingen?

Schmidt: Ja, aber es erfordert auf jeden Fall eine besondere Flexibilität. Warum kann nicht ein freier Mitarbeiter im Silicon Valley sitzen und einem Club von dort aus wertvolle Impulse verleihen? Umstrukturierung hat immer auch etwas mit Arbeitsorganisation zu tun. Hier sind viele Clubs noch recht traditionell aufgestellt.

SPONSORs: Ist es für traditionsreiche Clubs generell schwieriger, moderne Strukturen einzuziehen, als für Emporkömmlinge wie etwa RB Leipzig?

Schmidt: Natürlich lässt sich eine steuerlich optimierte und für Investoren attraktive Struktur auf der grünen Wiese leichter aufsetzen als bei einer organisch gewachsenen Organisation. Trotzdem sollte jeder Club seine Strukturen turnusmäßig überprüfen. Strukturen sind etwas Dynamisches und unterliegen einem fortwährenden Optimierungsprozess. Diesen sollte jeder Club regelmäßig anstoßen, egal wie lange er schon in der Bundesliga spielt.

SPONSORs: Die Bundesligisten neigen dazu, Strukturen vor allem um verdiente Persönlichkeiten im Club aufzubauen. Verhindert das oft die notwendige Dynamik?

Schmidt: Fakt ist: Strukturen sollten nicht in erster Linie an den handelnden Personen ausgerichtet werden, sondern an den strategischen Zielen des Clubs. Die Frage, welcher Mitarbeiter welche Funktion übernehmen kann oder ob es einen neuen Mitarbeiter von extern braucht, sollte sich erst später stellen.

SPONSORs: Nach welchen Aufgabenbereichen würden Sie denn einen Club idealtypisch untergliedern?

Schmidt: Für mich sind es insgesamt sechs Bereiche, die es idealerweise unterhalb des Vorstands oder der Geschäftsführung geben sollte. An erster Stelle ist natürlich der Sport zu nennen. Dazu zähle ich Scouting genauso wie Transferwesen, Spielerentwicklung und -integration, medizinische Versorgung, aber auch Forschung und Entwicklung. Das ist und bleibt der Kern eines Profifußballclubs.

SPONSORs: Genauso wie Marketing und Vertrieb?

Schmidt: Das ist für mich der zweite, sicher nicht minder wichtige Bereich. Hierzu gehören klassisch Sponsoring, Ticketing, Merchandising und Hospitality, aber auch die Markenführung und -kommunikation. Als dritten Bereich sehe ich Inhalte und Medien, einen Bereich, der in seiner Bedeutung wächst. Bundesliga-Clubs sind dazu in der Lage, einzigartigen Content für ihre Fans zu generieren. Der geht weit über das hinaus, was am Samstag bei Sky Börsen-Chart zeigen oder im "Sportstudio" läuft. Es können Inhalte für ein durchgängiges Fanerlebnis maßgeschneidert, produziert und über alle Kanäle hinweg distribuiert werden. Deshalb ist hier ein eigener Bereich angebracht.

SPONSORs: Welche weiteren Bereiche sollte es geben?

Schmidt: Als vierten Bereich sehe ich das Neugeschäft. Hier werden Themen wie Internationalisierung, E-Sport, aber auch die Betriebsgesellschaften benachbarter Geschäftsfelder wie etwa ein eigener Club-Campus zusammengefasst. Der fünfte Bereich sollte den Themen Technologie und Data Management vorbehalten sein. Dazu zählen CRM und IT, aber auch Datensicherheit und Zukunftstechnologien.

SPONSORs: Bleibt die sechste Unit.

Schmidt: In dieser würde ich alle Zentralfunktionen anordnen: Finanzen und Controlling, Strategie und Unternehmensentwicklung, Personal und Organisation sowie Investor Relations und PR. Aber auch die Shared Services, die zentralisierten internen Dienstleistungen eines Clubs wie Logistik, Reisemanagement, die Grafik oder eine Telefonzentrale. Außerdem sollte es zwingend einen Expertenpool geben.

SPONSORs: Wozu dient der?

Schmidt: Es handelt sich dabei um ein themenspezifisches Projektteam, das aus Mitarbeitern unterschiedlicher Abteilungen zusammengestellt wird. Das Team bearbeitet Zukunftsthemen des Clubs und kann auch um externe Experten ergänzt werden.

SPONSORs: Warum ist das für Bundeliga-Clubs so wichtig?

Schmidt: Um als Club erfolgreich zu sein, brauche ich beides: Prozesseffizienz und Routinen, aber eben auch strategische Weitsicht und eine hohe Flexibilität. Wir sprechen hierbei auch von "Beidhändigkeit" einer Organisation. Die Kunst besteht darin, feste Strukturen und Prozesse mit Querdenkertum und einem hohen Maß an Innovationsbereitschaft zu kombinieren.


Diesen Text veröffentlichten wir mit freundlicher Genehmigung von SPONSORs, dem Fachmagazin für Sport-Business. Erschienen in der August-Ausgabe von SPONSORs.

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