Montag, 11. Dezember 2017

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13mal mehr als 100 Millionen Euro Umsatz Die Bundesliga - ein Klub wachsender Mittelständler

Das Fußball-Geschäft: Das Bundesliga-Business
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DPA

Die Bundesliga setzte in der Saison 2015/16 erstmals mehr als drei Milliarden Euro um, eine Steigerung von mehr als 23 Prozent. 13 der 18 Erstligisten erwirtschafteten dabei über 100 Millionen Euro.

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Heft Dezember 2017

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Christian Seifert ist ein Meister der Einordnung. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) weiß genau, welche Zahlen er besonders hervorhebt und mit Rekordwimpeln versieht. Er weiß, welche Werte er mit Zahlen anderer Ligen in Relation setzt und welche schriftlich eher nicht in seiner Präsentation aufgeführt sind und nur beiläufig erwähnt werden. Kleine, in Späße verpackte Spitzen gegen die großen Fußballverbände FIFA und UEFA, gegen andere Ligen - aus Spanien, England oder dem US-Sport (NFL) - oder gegen die anwesenden Medienvertreter dürfen dabei nicht fehlen und sollen zur allgemeinen Erheiterung beitragen.

Ähnlich verlief auch die Vorstellung der Wirtschaftszahlen des Bundesliga- Geschäftsjahres 2015/16, die der DFL-Chef in Frankfurt präsentierte und die im Bundesliga- Report detailliert aufgeführt sind.

Dabei konnte der DFL-Obere einmal mehr neue Bestwerte verkünden.

23 Prozent Umsatzwachstum

Die 18 Erstligisten erwirtschafteten in der Saison 2015/16 einen kumulierten Umsatz von 3,24 Milliarden Euro und durchbrachen damit erstmals die Erlösgrenze von drei Milliarden Euro. Wer es noch nicht wusste: Es war der zwölfte Umsatzrekord des deutschen Fußball-Oberhauses in Folge.

Im Vergleich zum Vorjahr (Umsatz 2014/15: 2,62 Milliarden Euro) steigerte die Bundesliga ihre Erlöse damit um 23,71 Prozent.

Das Wachstum war damit deutlich stärker als in den vergangenen Jahren, in denen die Umsatzkurve zwar auch stetig nach oben ging, das Wachstum insgesamt allerdings geringer war. Zum Vergleich: Vor drei Jahren hatte die Bundesliga 50 Prozent weniger eingenommen.

Bemerkenswert: Von den 18 Erstligisten setzten in der Saison 2015/16 13 Clubs mehr als 100 Millionen Euro um. Lediglich der SV Darmstadt 98, der FC Augsburg, der FC Ingolstadt, Hannover 96 und Hertha BSC verzeichneten einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich. Auch hier ein Rückblick: In der Saison 2014/15 überschritt lediglich die Hälfte der 18 Clubs die 100-Millionen- Umsatzgrenze, im Geschäftsjahr 2013/14 waren es "nur" acht.

Unter den 20 umsatzstärksten Clubs im europäischen Fußball befinden sich damit drei deutsche Clubs (FC Bayern München, Borussia Dortmund und FC Schalke 04). Das Top-20-Umsatzranking wird klar von der englischen Premier League dominiert, die acht Clubs stellt. Das liegt vor allem an den zuletzt extrem gestiegenen Medienerlösen.

Komplettiert wird die Liste von jeweils vier Vertretern aus Spanien und Italien sowie dem französischen Club Paris St.-Germain.

Die Fakten zum DFL-Geschäftsjahr 2015/16 auf einen Blick
  • Bundesliga-Umsatz erstmals über 3 Mrd. Euro
    - zwölfter Umsatzrekord in Folge
    - 13 von 18 Erstligisten setzen mehr als 100 Mio. Euro um
  • Umsatz der 2. Bundesliga erstmals über 600 Mio. Euro (plus 20,6 %)
  • Bundesliga und 2. Bundesliga erlösen gemeinsam eine Rekordsumme von 3,85 Mrd. Euro (plus 23,2 %)
  • Einnahmeverteilung: Transfereinnahmen deutlich gestiegen: von 230,8 Mio. Euro (8,8 %) auf 532,6 Mio. Euro (16,41 %)
  • EBITDA: 18 Erstligisten und 16 Zweitligisten erzielen Gewinn
  • Nachsteuer-Ergebnis: Zwei Erstligisten und sieben Zweitligisten mit Verlust
  • Personalkostenquote auf 32,6 Prozent gesunken (niedrigster Wert seit erstmaliger Erhebung in der Saison 2000/01)
  • Steuern und Abgaben: Bundesligisten führen erstmals mehr als 1 Mrd. Euro ab
  • Job-Center Bundesliga: 53.114 Arbeitsplätze bedeuten einen neuen Rekord
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Quelle: DFL

Mehr Transfer- als Spieleinnahmen

Verantwortlich für das starke Umsatzwachstum in der Bundesliga sind verschiedene Faktoren. So stiegen beispielsweise die Medienerlöse der Bundesligisten in Summe um über 200 Millionen Euro auf 933,3 Millionen Euro an (siehe Grafiken in der Fotostrecke). Neben den zentral verteilten TVErlösen der DFL gehören dazu auch die Medieneinnahmen aus dem DFB-Pokal und aus internationalen Wettbewerben.

Dabei profitierte die Bundesliga nicht nur von den höheren nationalen und internationalen Vermarktungserlösen der DFL, sondern auch von den seit 2015 deutlich höheren Geldern aus der UEFA Champions League, die der Europäische Fußballverband (UEFA) an die teilnehmenden Clubs ausschüttete.

Neben den höheren Werbeumsätzen (plus 100 Millionen Euro / Steigerung um 14,8 Prozent) waren es aber vor allem die hohen Transfererlöse, die im abgelaufenen Geschäftsjahr prozentual am stärksten stiegen.

Mit 532,6 Millionen Euro erlösten die 18 Erstligisten in der Saison 2015/16 im Transfergeschäft damit erstmals mehr als mit ihren Spieltagseinnahmen.

Zum Vergleich: In der Vorsaison kamen gerade einmal 230,8 Millionen Euro über Transfers in die Kassen der Clubs. Die Bundesligisten konnten ihre Transfererlöse innerhalb einer Saison also mehr als verdoppeln (plus 301,7 Millionen Euro / Steigerung um 130,7 Prozent).

Auffällig war dabei, dass sich Seifert in Frankfurt bemühte, die enorme Steigerung der Transfererlöse nicht allzu überschwänglich hervorzuheben. Der DFL-Obere ist Realist und weiß, dass sich Transfererlöse nur "schwierig prognostizieren lassen" und dass sich diese "tendenziell eher zufällig" ergeben, wie er es audrückte. Ein Indiz dafür war, so Seifert, dass gerade einmal zehn Deals im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 50 Prozent der Transfereinnahmen der Bundesliga ausmachten.

Seifert tritt auf die Euphoriebremse, obwohl auch im laufenden Geschäftsjahr 2016/17 erneut hohe Transfererlöse zu erwarten sind, wie die bereits vollzogenen, aber in der Saison 2015/16 nicht bilanzierten Wechsel von Julian Draxler (zu Paris St.- Germain), Mats Hummels (zum FC Bayern München), Henrikh Mkhitaryan (zu Manchester United) oder Ilkay Gündogan (zu Manchester City) zeigen.

Der DFL-Chef lässt sich lieber an Zahlen messen, die er - direkt oder indirekt - beeinflussen kann und die sich auch planen lassen. Transfererlöse zählen dazu nicht oder nur teilweise - gerade in einer Zeit, in der von englischen und chinesischen Clubs hohe Summen geboten und bezahlt werden.

Seifert sagte: "Es ist gut, dass die Transfererlöse nicht die zentrale Säule im Geschäftsmodell einer Liga ausmachen, weil man nicht davon ausgehen kann, jedes Jahr solche Transfers zu tätigen." Der DFL-Chef hob vielmehr das "ausgewogene Geschäftsmodell der Bundesliga" hervor, das anders als die obersten Fußballligen in England, Spanien oder Italien "auf mehreren Säulen" beruht und weniger von einzelnen Positionen abhängig ist, beispielsweise von den Medienerlösen.

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