Montag, 20. November 2017

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Bundesbank-Präsident Weidmann EZB diskutiert weiter über Eindämmung der Geldschwemme

Bundesbank-Chef Jens Weidmann: "Es geht darum, den Fuß etwas vom Gas zu nehmen"

Die Währungshüter der Euro-Zone bereiten sich nach den Worten von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann allmählich auf eine Eindämmung der Geldflut vor. "Das kommt hoffentlich und daran arbeiten wir auch, das diskutieren wir auch", sagte Weidmann am Samstag in Frankfurt beim Tag der offenen Tür der Bundesbank.

Die Kernherausforderung, vor der die Euro-Wächter stünden, sei es, wenn es darauf ankomme, Rückgrat zu zeigen und die Geldpolitik wieder zu normalisieren. Dabei sollten sich die Euro-Wächter nicht von den Finanzministern unter Druck setzen lassen, die wegen der Niedrigzinsen zurzeit in einer bequemen Lage seien. Wann die Normalisierung einsetzen sollte, sagte Weidmann allerdings nicht.

Auf der zweitägigen Veranstaltung, die bis Sonntagmittag etwa 18.000 Besucher in der Zentrale sowie in der Hauptverwaltung der Notenbank zählte, wies Weidmann auf die derzeit solide Konjunktur im Euro-Raum hin. Wenn sich das auch nachhaltig in den Inflationsraten widerspiegele, müsse auch die Geldpolitik wieder gestrafft werden. "Da geht es dann erst mal nicht darum, eine geldpolitische Vollbremsung zu vollziehen, sondern den Fuß etwas vom Gas zu nehmen," sagte er am Sonntag.

Aufschwung setzt sich for - wie expansiv muss Geldpolitik noch sein?

Der Aufschwung wird sich Weidmann zufolge wahrscheinlich bis 2019 fortsetzen. Sorgenkind der Euro-Wächter sei aber der momentan noch niedrige binnenwirtschaftliche Inflationsdruck. Nach einhelliger Auffassung des EZB-Rats sei deshalb zwar eine expansive Geldpolitik aktuell angemessen. "Worüber wir diskutieren und auch kontrovers diskutieren, ist, wie expansiv muss die Geldpolitik eigentlich angesichts unseres Zieles sein?" Auch über die Instrumente gebe es Debatten.

EZB-Direktor Yves Mersch wies auf der Bundesbank-Veranstaltung darauf hin, dass die Euro-Notenbank nicht nur mit ihrer Zinspolitik, sondern auch über ihre Anleihenkäufe versuche, die Wirtschaft stärker in Schwung zu bringen. "Das ist uns über die letzten Monate auch gelungen," sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Europäischen Zentralbank (EZB). Nur diese Bewegung benötige noch Unterstützung. "Deshalb müssen wir noch ein wenig Geduld haben, dass wir mit dieser Politik auf eine Wirtschaftserholung hinführen, die selbstragend ist."

EZB wagt Mini-Schritt in Richtung Kurswechsel

Am Freitag hatte EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger gefordert, die Währungshüter sollten schon jetzt Vorkehrungen für ein Zurückfahren der geldpolitischen Hilfe treffen. Zwar sei die Inflation noch nicht auf einem stabilen Trend hin zum EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Aber alle Voraussetzungen dafür seien gegeben. Entsprechend gelte es, die Kommunikation anzupassen. Die Verbraucherpreise im Euro-Raum waren im Juni lediglich um 1,3 Prozent gestiegen. Ein Grund ist, dass sich Energie mit 1,9 Prozent nicht mehr so stark wie in den Vormonaten verteuerte.

Die EZB hält ihren Leitzins derzeit auf dem Rekordtief von null Prozent, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Zudem kauft sie monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro auf. Doch angesichts positiver Konjunkturdaten hatte die EZB jüngst einen Mini-Schritt in Richtung Kurswechsel gewagt.

So strichen die Euro-Wächter die bislang stets erwähnte Option auf noch tiefere Schlüsselzinsen aus ihrem Ausblick. An den Börsen wird aktuell spekuliert, dass die EZB 2018 ihre Wertpapierkäufe schrittweise reduzieren könnte. Manche Ökonomen erwarten, dass sie einen solchen Schritt im September oder im Oktober ankündigen wird.

von Frank Siebelt, Reuters

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