Samstag, 28. Mai 2016

Anschlag in Brüssel Deutsche vermisst - Bundesanwalt ermittelt

Schweigeminute für die Opfer am Place de la Bourse (Beursplein) in Brüssel

Bei den Anschlägen im Flughafen Brüssel und in einer U-Bahnstation im Europaviertel sind am Dienstag mehr als 30 Menschen getötet und 250 weitere verletzt worden. Die Terrormiliz IS hat sich zu den Anschlägen bekannt. Zwei der Attentäter am Flughafen sprengten sich in die Luft, nach dem dritten wird gefahndet. Es folgt ein Ticker mit den wichtigsten Entwicklungen:

16.40 Uhr: Nun sind die Anschläge von Brüssel auch ein Fall für die Ermittler der Bundesanwaltschaft. "Wir leiten ein Ermittlungsverfahren ein", sagte eine Sprecherin der Behörde. Die oberste deutsche Strafverfolgungsbehörde ist immer dann zuständig, wenn Deutsche unter Terroropfern sind. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

16.20 Uhr: Bei den Anschlägen in Brüssel ist möglicherweise eine Frau aus Aachen getötet worden. Die Frau werde vermisst, während ihr Mann mit schweren Verletzungen in ein belgisches Krankenhaus eingeliefert worden sei, teilte die Aachener Polizei am Mittwoch mit. "Es ist nicht auszuschließen, dass sie sich unter den noch nicht identifizierten Opfern des Anschlags befindet."

15.19 Uhr: Die Gewerkschaft der Polizei sieht derzeit keinen Grund, das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und England am Samstag in Berlin abzusagen. Die Gefahrenlage für das Spiel sei "im Moment nicht höher als vor den Anschlägen", sagte GdP-Chef Oliver Malchow der "Saarbrücker Zeitung". Nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November war ein Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden kurz vor Anpfiff wegen Terrorgefahr abgesagt worden.

15.10 Uhr: Foto- und Filmverbot auf Bahnhöfen: Die Deutsche Bahn lässt nach den Terroranschlägen in Brüssel in ihren Bahnhöfen keine Foto- und Filmaufnahmen von Medienvertretern mehr zu. Dies gelte "bis auf Weiteres", sagte eine Bahnsprecherin am Mittwoch in Berlin. Private Aufnahmen seien aber weiterhin zugelassen. Die Sprecherin verwies auf die allgemeine Sicherheitslage

"Das ist für Brüssel": Adele gedachte in London der Opfer von Brüssel
Getty Images
"Das ist für Brüssel": Adele gedachte in London der Opfer von Brüssel
14.27 Uhr: Die britische Popsängerin Adele (27) hat gestern Abend bei ihrem Konzert in London einen Song den Terror-Opfern von Brüssel gewidmet. "Das ist für Brüssel", sagte sie bei "Make You Feel My Love". Und: "Ich möchte, dass ihr alle mitsingt, so dass sie uns hören können." Die 14.000 sangen mit und leuchteten die dunkle Arena mit den Displays ihrer Handys aus. "Ein Konzert war noch nie so bewegend für mich", sagte Adele, Meisterin der Ballade und einer unverwechselbaren Soulstimme.

14.13 Uhr: Das Auswärtige Amt meldet: Bei den Anschlägen sind auch mehrere Deutsche verletzt worden. Die Beamten schlossen am Mittwoch nicht mehr aus, dass Bundesbürger getötet wurden. Mindestens ein Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft erlitt schwere Verletzungen.

13.50 Uhr: Der Staatsanwalt nennt offizielle Opferzahlen: 31 Tote, 270 Verletzte. Das dürfte aber wohl nicht die endgültige Bilanz sein, warnt , Alain Lefèvre, Generaldirektor des nationalen Krisenzentrums. Will sagen: Die Zahl der Todesopfer könnte noch steigen. Offenbar sind noch nicht alle Opfer identifiziert. Angehörige von Vermissten wurden aufgefordert, eine DNA-Probe einzureichen.

13.45 Uhr: In dem Testament habe Ibrahim El Bakraoui geschrieben: "Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, überall gejagt, nicht mehr sicher." Er habe angegeben, er wolle "nicht in einer Zelle" landen.

13.35: Der Flughafenattentäter Ibrahim El Bakraoui sei anhand von Fingerabdrücken identifiziert worden, sagte der Staatsanwalt während der Pressekonferenz weiter. Er sei am 9. Oktober 1986 in Brüssel geboren worden und belgischer Staatsbürger gewesen.

13.25 Uhr: Die belgische Staatsanwaltschaft teilt mit, der Attentäter in der Brüsseler Metro sei Khalid El Bakraoui gewesen. Er sei der Bruder einer der beiden Selbstmordattentäter vom Flughafen, Ibrahim El Bakraoui, sagte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw. Seinen Worten zufolge fanden Polizisten in einem Mülleimer in der Nähe eines Einsatzortes zudem einen PC mit dem Testament von Ibrahim El Bakraoui.

13.20 Uhr: Der französische Premier Manuel Valls hat sich in Brüssel mit seinem belgischen Gegenpart Charles Michel getroffen und eine Verstärkung der Kontrollen an den EU-Außengrenzen gefordert. Die EU, so der französische Politiker, habe zu lange die Augen vor dem Salafismus verschlossen.

Ätzt gegen die Belgier: Israels Geheimdienstverantwortlicher Israel Katz
12.45 Uhr: Israels Geheimdienstminister Israel Katz ätzt pauschal gegen die Einstellung der Belgier zum Islam und den Muslimen im Land: "Wenn sie in Belgien weiter Schokolade essen und das Leben genießen (...) und nicht klar feststellen, dass ein Teil der Muslime, die dort leben, Terror organisieren, dann können sie sie auch nicht bekämpfen", sagte Katz im israelischen Rundfunk. "Man muss definieren, wer der Feind ist, wer der Aggressor ist", sagte der Minister von der rechtsorientierten Regierungspartei Likud.

12.38 Uhr: Sicherheit geht vor: Das für Dienstag geplante Fußball-Länderspiel zwischen Belgien und Portugal ist abgesagt worden. Die Partie sollte in Brüssel stattfinden, die Stadt habe aber aus Sicherheitsgründen und als Vorsichtsmaßnahme um die Absage gebeten, teilte der belgische Verband mit. Bereits die Trainingseinheiten am Dienstag und Mittwoch hatten nicht stattfinden können.

12.30 Uhr: Der Flughafen Brüssel wird auch am Donnerstag geschlossen bleiben. Dies kündigt Flughafenchef Arnaud Feist an.

12.23 Uhr: Der festgenommene Verdächtige ist nach neuesten Medienberichten doch nicht der gesuchte Najim Laachraoui. Zuvor war berichtet worden (siehe eintrag 10.59 Uhr), Laachraoui sei in Anderlecht, einer Gemeinde der belgischen Hauptstadt-Region Brüssel gefasst worden. Die Staatsanwaltschaft will sich um 13 Uhr in einer Pressekonferenzen zu den Ermittlungen äußern.

12.17 Uhr: Betreiber deutscher Flughäfen fürchten nach den Anschlägen von Brüssel jetzt offenbar zu scharfe Sicherheitsvorkehrungen, die letztlich das Geschäft stören könnten. So warnen die Verantwortlichen am Flughafen München vor übereilten Entscheidungen in der Sicherheitsdebatte. "Alles was wir schnell tun können, haben wir bereits umgesetzt", so der Flughafenmanager Thomas Weyer. Über alles andere müsse man in Ruhe nachdenken. Dies ist offenbar eine Reaktion auf Überlegungen der EU-Kommission Sicherheitskontrollen, bereits vor Eintritt in das Flughafengebäude verpflichtend zu machen

12.10 Uhr: Sie haben 199,7 Kilometer vor sich und sind schweigend gestartet, wie fast alle Menschen in Belgien gerade für eine Minute schweigend der Terror-Opfer von Brüssel gedacht haben. Eine ganze Reihe der Radprofis, die das Radrennen "Dwars door Vlaanderen" fahren, tragen Trauerflor am Ärmel.

11.59 Uhr: In diesem Moment gendenken in ganz Belgien die Menschen für eine Minute der Opfer der Anschläge von Brüssel. Die Toten und Verletzten der Anschläge kommen aus etwa vierzig Ländern, meldet in diesem Kontext die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf den belgischen Außenminister Didier Reynders.

Die Attentäter am Brüsseler Flughafen: Die Brüder El Bakraoui sprengten sich selbst in die Luft, der dritte Attentäter Najim Laachraoui (rechts, mit Hut) wurde entgegen anderslautenden Meldung offenbar nicht gefasst
AFP / Belgian Federal Police
Die Attentäter am Brüsseler Flughafen: Die Brüder El Bakraoui sprengten sich selbst in die Luft, der dritte Attentäter Najim Laachraoui (rechts, mit Hut) wurde entgegen anderslautenden Meldung offenbar nicht gefasst
11.30 Uhr: Einige der Attentäter von Brüssel sollen in Syrien gekämpft haben, bevor sie nach Belgien zurückgekehrt seien. Das behauptet der Unterhändler der syrischen Regierung bei den Friedensverhandlungen, Baschar Dschaafari.

11.15 Uhr: Der belgische Premier Charles Michel und das Königspaar wollen um Punkt 12 Uhr auf dem Schumanplein (Rond point Schuman), einem Platz in der Nähe der attackierten U-Bahn-Station Maelbeek der Opfer der Anschläge gedenken, wie der Sender VRT berichtet . Der Bürgermeister Yvan Mayeur will an einer Versammlung an der Börse teilnehmen. Auch der öffentliche Nahverkehr soll für eine Minute stillstehen. Nach der geplanten Schweigeminute sollen in ganz Belgien für mehrere Minuten die Glocken läuten.

10.59 Uhr: Die Zeitung "DH" berichtet, der nach den Anschlägen zur Fahndung ausgeschriebene Najim Laachraoui sei im Brüsseler Stadtbezirk Anderlecht gefasst worden. Bisher liegt keine offizielle Bestätigung dafür vor. Laachraoui soll einer der drei Männer sein, die auf einem Überwachungsvideo des Flughafens zu sehen sind. Die zwei anderen kamen offenbar bei den Selbstmordanschlägen ums Leben.

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