Freitag, 27. April 2018

Folgen des Brexit für den Arbeitsmarkt Unternehmen müssen auf den Brexit reagieren - jetzt

Churchill-Statue am Parliament Square in London: Der EU-Ballon ist inzwischen weggeflogen

Großbritannien hat für den Austritt aus der EU gestimmt. Die Folgen des Brexit für den britischen Arbeitsmarkt und insbesondere den Finanzplatz London sind ungewiss.

Angesichts der Masse und Komplexität rechtlicher und faktischer Themen ist für Unternehmen ein bloßes Abwarten bis zum Abschluss der Verhandlungen gefährlich. Die öffentliche Reaktion der Unternehmen ist bislang unterschiedlich: Jaguar hat sich bereits zu seinem britischen Standort bekannt, Vodafone hingegen erwägt die Verlagerung von Stellen. Auch bei führenden internationalen Finanzinstituten wird von Verlagerungserwägungen berichtet, die sicherlich auch mit der wohl erforderlichen Verlegung der in London ansässigen europäischen Bankaufsichtsbehörde EBA zusammenhängen dürften.

Verena Braeckeler-Kogel
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    Verena Braeckeler-Kogel ist Partnerin, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Leiterin der deutschen Arbeitsrechtspraxis von Simmons & Simmons.

Aufgrund der langen, mit großer Unsicherheit verbundenen Verhandlungsphase tun Unternehmen mit Standorten in Großbritannien gut daran, frühzeitig einen Plan für die wahrscheinlichsten Veränderungen und auch einen Plan B für den Fall parat zu haben, dass es zu keiner Light-Mitgliedschaft nach dem Vorbild Norwegens und der Schweiz kommt. Wer noch keinen Plan hat, sollte bald aktiv werden, um für die anstehenden Veränderungen gewappnet zu sein. Auch für Unternehmen, die keine Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Großbritannien in andere EU-Mitgliedsstaaten in Betracht ziehen, gibt es nämlich Arbeit.

Was Unternehmen jetzt tun müssen

So sollte es eine Bestandsaufnahme der Nationalitäten und des damit verbundenen aufenthaltsrechtlichen Status von Mitarbeitern geben, damit reagiert werden kann, falls sich Änderungen im Hinblick auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit ergeben und möglicherweise zukünftig eine Arbeitserlaubnis für Mitarbeiter erforderlich wird. Dies gilt nicht nur für in Großbritannien tätige EU-Bürger, sondern auch für in anderen EU-Staaten tätige Briten.

Auslandsentsendungen sollten ebenfalls überprüft werden. Hier kann es nämlich zusätzlich Probleme im Bereich der Sozialversicherung geben, die derzeit durch unmittelbar in den Mitgliedsstaaten geltende EU-Verordnungen geregelt ist. Möglicherweise wird es sogar erforderlich, Entsendungen vorzeitig zu beenden.

Ob die bestehenden Vereinbarungen mit dem Mitarbeiter dies zulassen, sollte geprüft werden. Sofern derzeit Entsendungen anstehen, die einen Bezug zu Großbritannien haben, sollte ebenfalls vorgesorgt werden, damit erforderlichenfalls Anpassungen vorgenommen oder der Mitarbeiter zurückbeordert werden kann.

Aus Mitarbeitersicht könnte die nunmehr bestehende Unsicherheit dazu führen, dass man sich nach Alternativen auf dem Arbeitsmarkt umsieht, die angesichts der geänderten Sachlage sicherer oder langfristig attraktiver erscheinen. Unternehmen sollten daher ihre Leistungsträger in Großbritannien identifizieren und gegebenenfalls Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung wie Retention-Boni in Erwägung ziehen. Insbesondere im Bereich der Finanzinstitutionen könnte eine solche Incentivierung von Betriebstreue aufgrund der starken Regulierung der Vergütung allerdings schwierig umsetzbar sein. Hier gilt es rechtlich zulässige Lösungsansätze zu finden.

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