Samstag, 20. Oktober 2018

Wirtschaftlicher Abstieg Brasiliens Jesus Maria...

Brasiliens Abstieg: Armut durch Korruption
AFP

Einst war Brasilien auf dem Sprung vom Schwellenland zum Wohlstandsstaat. Doch Korruption und Unvermögen der Regierung haben die stolze Nation um Jahre zurückgeworfen. Manche Ökonomen geben das Land bereits auf.

Wer verstehen will, warum sich Wirtschaftswissenschaftler geschockt von Brasilien abwenden, muss sich nur einmal ansehen, was sich dort derzeit auf höchster politischer Ebene abspielt.

Der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff droht ein Amtsenthebungsverfahren (englisch: Impeachment). Laut Gerichtsurteil hat ihre Regierung aus Wahlkampfkalkül 2014 die Haushaltsbücher manipuliert. Parlamentspräsident Eduardo Cunha entscheidet über die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens. Dabei wäre er selbst ein Fall dafür.

Cunha soll als einer der mächtigsten Politiker Brasiliens fünf Millionen Dollar Schmiergeld aus Geschäften der halbstaatlichen Ölgesellschaft Petrobras bezogen haben. Das haben mehrere Kronzeugen ausgesagt. Und so geht es aus Kontoauszügen der Schweizer Bank Julius Bär hervor, die das Institut brasilianischen Ermittlern zugänglich gemacht hat.

Cunhas Schweizer Konten sind inzwischen gesperrt

Cunhas Frau, ein ehemaliges TV-Sternchen, hat laut Berichten von dem Konto ihre Tennisstunden in einer der teuersten Sportakademien in den USA bezahlt. Ihre Tochter hat so ihr Studium an einer spanischen Eliteuniversität finanziert. Daheim in Rio und Brasília führen die Cunhas ein Millionärsleben. Doch der Parlamentspräsident behauptet treuherzig, dass er nie ein Konto im Ausland besessen habe - und konspiriert zusammen mit der Opposition gegen die Präsidentin.

Cunhas Schweizer Konten sind inzwischen gesperrt, die Indizien gegen ihn sind überwältigend. Doch zurücktreten will der gewiefte Politiker nicht, die meisten seiner Parlamentskollegen drängen ihn auch nicht dazu: Macht geht über Moral. Cunha besitzt den Schlüssel zum Impeachment, dieses Privileg nutzt er geschickt aus. Er hat praktisch das gesamte Land zur Geisel seiner Interessen gemacht. Brasilien, die Wirtschaftslokomotive Lateinamerikas und einstiges Vorzeigekind der Schwellenländer, ist seit Monaten politisch gelähmt; wirtschaftlich steckt das Land in der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten. Die Regierung behauptet, die Weltwirtschaft sei schuld: Die Preise für brasilianische Rohstoffe wie Eisenerz und Soja sind im Keller.

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