Montag, 26. Juni 2017

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Pannen-Betrieb profitiert vom Zulieferer-Zoff Wie sich Albertini Caesare den Stress zwischen Bosch und BMW vergolden ließ

Bosch-Chef Volkmar Denner: Bosch übernimmt seinen italienischen Zulieferer Albertini Caesare - damit sich das Desaster, das zum BMW-Produktionsstopp führte, nicht wiederholt

Der Pannen-Zulieferer macht Kasse: Nach Lieferproblemen und Produktionsausfällen beim Kunden BMW Börsen-Chart zeigen zieht der Autozulieferer und Technologiekonzern Bosch die Konsequenzen. Man plane den Kauf des italienischen Zulieferers Albertini Cesare, sagte eine Sprecherin von Bosch am Donnerstag in Gerlingen. Von der italienischen Firma mit etwa 350 Mitarbeitern bezieht Bosch Aluminium-Gussteile.

Da diese ausblieben, musste der schwäbische Konzern unlängst Lieferungen an seinen Kunden BMW einschränken - das wiederum führte bei dem bayerischen Autobauer zu Produktionsausfällen. Den entstandenen Schaden soll Bosch ersetzen. Zuvor hatte die "Heilbronner Stimme" über den Kauf berichtet.

Übernahme zum Zweck der Qualitätssicherung

"Bosch hat sich für den Kauf entschieden, weil wir künftig eine zuverlässige Versorgung von Gussteilen für elektronische Lenkungen sicherstellen wolle", sagte die Bosch-Sprecherin. Der Kaufvertrag soll kurzfristig unterschrieben werden.

Damit er gültig wird, müssen die Kartellbehörden noch zustimmen. Ein Antrag wurde bereits am Mittwoch beim Bonner Bundeskartellamt eingereicht - am selben Tag, als Bosch die Lieferprobleme für überwunden erklärt hatte. Die italienische Firma aus Villasanta nahe Mailand wollte keine Stellungnahme zur Übernahme abgeben. Allerdings dürften sich die Inhaber die Abhängigkeit, die Bosch mit ihnen eingegangen ist, gut bezahlen lassen: Statt von der Zuliefererliste von Bosch gestrichen zu werden, wird Albertini Caesare nun vom Bosch-Konzern übernommen.

Albertini Caesare hatte vergangene Woche dem Autobauer BMW keine Gussteile für Lenkgetriebe mehr liefern können. Deshalb konnten die Münchener in Deutschland, China und Südafrika insgesamt rund 8000 Fahrzeuge nicht bauen.

Am Mittwoch konnte die Belieferung wieder aufgenommen werden, der Autozulieferer Bosch sieht seine Lieferprobleme bei BMW Börsen-Chart zeigen inzwischen als behoben an. Seit Mittwoch bekomme der Autokonzern in seinen betroffenen Werken wieder elektrische Lenkungen, teilte Bosch in Stuttgart mit. Weil das Unternehmen eine Woche lang nicht genug Lenkgetriebe für die BMW 1er, 2er, 3er und 4er Reihe liefern konnte, hatte BMW seine Produktion in München, Leipzig, China und Südafrika einschränken müssen.

Bosch erklärte: "Der Engpass konnte in enger Zusammenarbeit zwischen Bosch, BMW und dem betroffenen italienischen Zulieferer behoben werden." Die Produktion der fraglichen Gussgehäuse sei wieder hochgefahren worden, so dass die vereinbarte Menge an BMW wieder ausgeliefert werden könne. In den nächsten Tagen und Wochen wolle Bosch die Lieferrückstände schnellstmöglich aufholen.

BMW hatte wegen Lieferproblemen des Zulieferers Bosch die Fahrzeugproduktion in mehreren Werken seit dem Wochenende drosseln müssen. Dies zeigt erneut, wie fragil die Lieferketten in der Autobranche sind. Ein Überblick über die wichtigsten Autozulieferer und die jüngsten Fusionen in der Branche.

Deutsche Autozulieferer: Die 400-Milliarden-Euro-Branche

Die Autozulieferbranche ist eine Milliardenbranche, und deutsche Zulieferer spielen weltweit ganz vorne mit. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bezifferte die Gesamterlöse der Hersteller im Jahr 2015 in Deutschland auf 75,8 Milliarden Euro. Weltweit schätzt der Analyst Jan Danneberg von der Strategieberatung Berylls Strategy Advisors die Erlöse deutscher Zulieferer auf 350 bis 400 Milliarden Euro.

Die deutschen Zulieferer sind in jedem Geschäftsfeld vertreten: Von Motoren über Getriebe, Karosserie, Elektronik über Innenausstattung und Außendesign - und belegen jeweils Spitzenpositionen. "Das ist nur vergleichbar mit den japanischen Zulieferern", sagt Dannenberg.

Die Fertigungstiefe in der Autoindustrie variiert allerdings. Über die gesamte Wertschöpfung liegt sie bei etwa 30 Prozent, schätzt Dannenberg. Das heißt: 70 Prozent werden von den Zulieferern erbracht. "Das kann bis zu 90 Prozent im Bereich Elektronik hochgehen", sagt Dannenberg. Umgekehrt behalten die Hersteller in der Motorfertigung mehr in der Hand. Dort kommt nur etwa 30 Prozent von den Zulieferern.

Die weltgrößten Autozulieferer: Bosch vor Continental

Auch zwischen den Herstellern gebe es große Unterschiede, sagt Dannenberg. So fertige Volkswagen Börsen-Chart zeigen von allen deutschen Herstellern am meisten selbst. Daimler Börsen-Chart zeigen , BMW Börsen-Chart zeigen , Opel oder Ford Börsen-Chart zeigen hingegen kauften mehr Teile und Dienstleistungen von Zulieferern ein.

Zuletzt drehte sich das Übernahmekarussell schnell: Bosch hatte das Joint Venture ZF Lenksysteme komplett übernommen, ZF Friedrichshafen kaufte den US-Zulieferer TRW, Getrag ging im kanadisch-österreichischen Konzern Magna auf und Mahle verleibte sich das Thermomanagement des US-Zulieferers Delphi ein.

Auf Basis der Umsätze war Bosch im Jahr 2015 der größte Zulieferer weltweit, gefolgt von Continental Börsen-Chart zeigen aus Hannover . ZF Friedrichshafen findet sich nach der Übernahme von TRW auf Platz sechs.

Die deutschen Zulieferer nehmen unter den am Umsatz gemessenen Top 100 weltweit 17 Plätze ein. Die japanischen Firmen belegen dank positiver Währungseffekte 33 Plätze.

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