Donnerstag, 21. März 2019

Produktionsstopp in BMW-Werken BMW hat Stress mit Bosch - und Bosch weist auf Italien

BMW-Produktion im Werk Leipzig: "Wir gehen davon aus, dass Bosch als der verantwortliche Lieferant für den uns entstandenen Schaden einstehen wird"

BMW muss wegen Lieferproblemen des Zulieferers Bosch die Fahrzeugproduktion in mehreren Werken drosseln. Dies zeigt erneut, wie fragil die Lieferketten in der Autobranche sind. Ein Überblick über die wichtigsten Autozulieferer und die jüngsten Fusionen in der Branche.

Bosch sei derzeit nicht in der Lage, genug Lenkungskomponenten für die Modellreihen 1 bis 4 zu liefern, hatte der Autobaueram Montag mitgeteilt. BMW-Werke in China und Südafrika hätten geplante Produktionsstopps vorgezogen oder ausgeweitet. BMW arbeite mit Hochdruck daran, die Versorgung mit Teilen wieder in Gang zu bringen. Es sei jedoch absehbar, dass sich an der Situation in dieser Woche nichts ändern werde. "Wir gehen davon aus, dass Bosch als der verantwortliche Lieferant für den uns entstandenen Schaden einstehen wird", sagte BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann.

Bosch verwies seinerseits auf einen Unterlieferanten in Italien, von dem die Stuttgarter Gehäuse für Lenkgetriebe beziehen. Es werde alles unternommen, um die Liefereinschränkungen so schnell wie möglich zu beheben. Dazu seien Vertreter von Bosch nach Italien gereist. Zum Grund für die Probleme bei seinem Zulieferer machte Bosch keine Angaben.

Der Fall zeigt erneut, wie fragil die Lieferketten in der Automobilindustrie sind, bei denen Teile rechtzeitig an die Produktionsbänder gebracht werden müssen. Fällt ein zentraler Lieferant aus, kann das gesamte System ins Stocken geraten.

Deutsche Autozulieferer: Die 400-Milliarden-Euro-Branche

Die Autozulieferbranche ist eine Milliardenbranche, und deutsche Zulieferer spielen weltweit ganz vorne mit. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bezifferte die Gesamterlöse der Hersteller im Jahr 2015 in Deutschland auf 75,8 Milliarden Euro. Weltweit schätzt der Analyst Jan Danneberg von der Strategieberatung Berylls Strategy Advisors die Erlöse deutscher Zulieferer auf 350 bis 400 Milliarden Euro.

Die deutschen Zulieferer sind in jedem Geschäftsfeld vertreten: Von Motoren über Getriebe, Karosserie, Elektronik über Innenausstattung und Außendesign - und belegen jeweils Spitzenpositionen. "Das ist nur vergleichbar mit den japanischen Zulieferern", sagt Dannenberg.

Die Fertigungstiefe in der Autoindustrie variiert allerdings. Über die gesamte Wertschöpfung liegt sie bei etwa 30 Prozent, schätzt Dannenberg. Das heißt: 70 Prozent werden von den Zulieferern erbracht. "Das kann bis zu 90 Prozent im Bereich Elektronik hochgehen", sagt Dannenberg. Umgekehrt behalten die Hersteller in der Motorfertigung mehr in der Hand. Dort kommt nur etwa 30 Prozent von den Zulieferern.

Die weltgrößten Autozulieferer: Bosch vor Continental

Auch zwischen den Herstellern gebe es große Unterschiede, sagt Dannenberg. So fertige Volkswagen Börsen-Chart zeigen von allen deutschen Herstellern am meisten selbst. Daimler Börsen-Chart zeigen , BMW Börsen-Chart zeigen , Opel oder Ford Börsen-Chart zeigen hingegen kauften mehr Teile und Dienstleistungen von Zulieferern ein.

Zuletzt drehte sich das Übernahmekarussell schnell: Bosch hatte das Joint Venture ZF Lenksysteme komplett übernommen, ZF Friedrichshafen kaufte den US-Zulieferer TRW, Getrag ging im kanadisch-österreichischen Konzern Magna auf und Mahle verleibte sich das Thermomanagement des US-Zulieferers Delphi ein.

Auf Basis der Umsätze war Bosch im Jahr 2015 der größte Zulieferer weltweit, gefolgt von Continental Börsen-Chart zeigen aus Hannover . ZF Friedrichshafen findet sich nach der Übernahme von TRW auf Platz sechs.

Die deutschen Zulieferer nehmen unter den am Umsatz gemessenen Top 100 weltweit 17 Plätze ein. Die japanischen Firmen belegen dank positiver Währungseffekte 33 Plätze.

la/dpa/reuters

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