Sonntag, 19. November 2017

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Boris Becker "Es ist falsch, dass ich pleite bin"

Boris Becker (Archiv)

Gegen Boris Becker läuft in London ein Insolvenzverfahren. Nun hat sich der Ex-Tennisstar in einem Interview zu seiner finanziellen Situation geäußert. Er sieht eine "große Chance" für einen Neustart.

Boris Becker hat anhaltende Spekulationen um eine dramatische finanzielle Schieflage mit Nachdruck zurückgewiesen. "Es ist falsch, dass ich pleite bin", sagte der 49-Jährige im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung".

Der Wahl-Londoner steckt in einem Insolvenzverfahren. Eine englische Privatbank habe Forderungen in Höhe von etwa 3,5 Millionen Euro plus Zinsen, sagte Becker. "Die Forderung an und für sich bestreite ich nicht. Wir sind uns aber über die Höhe der Zinsen nicht einig." Seine Firmen Becker Private Office in Großbritannien und BB SARL in der Schweiz seien von dem Insolvenzverfahren gegen ihn als Privatperson nicht direkt betroffen.

Zudem bestritt Becker die Rechtmäßigkeit der Forderungen seines früheren Geschäftspartners Hans Dieter Clevenan ihn in Höhe von 40 Millionen Franken (rund 34,4 Millionen Euro): "Ich schulde Herrn Cleven kein Geld." Stattdessen verwies er auf einen laufenden Prozess, in dem er in erster Instanz Recht bekommen habe. "Fakt ist: Momentan schuldet mir Herr Cleven 90.000 Franken Verfahrenskosten vom ersten Prozess. Alles andere ist Humbug", sagte Becker. "Ich werde beweisen, dass das, was er erzählt, nicht stimmt. Und in diesem Prozess stecken wir momentan."

Trotz des Insolvenzverfahrens, das ein britisches Gericht im Juni gegen ihn eröffnet hatte, sieht sich Becker weiterhin als liquide: "Ich habe genügend nationale und internationale Partnerschaften, mit denen ich Erträge verdiene, die es mir erlauben, meine Mitarbeiter weiter pünktlich zu bezahlen und auch mein Leben in einem normalen Rahmen weiterzuführen."

Zuletzt arbeitete Becker als Experte für die TV-Sender Eurosport und BBC, weiter ist der frühere Weltranglistenerste für verschiedene Unternehmen als Werbegesicht tätig. Seit Ende August ist er zudem Head of Men's Tennis des Deutschen Tennis Bundes (DTB) und trägt ehrenamtlich die Gesamtverantwortung für das männliche Spitzentennis in Deutschland.

Seine derzeitige Lage betrachtet Beckerals Möglichkeit für einen Neustart. "Ich sehe meine aktuelle Situation als große Chance, mit meiner Vergangenheit aufzuräumen und meine Zukunft neu zu gestalten. Das bin ich meiner Familie schuldig." Er habe auf seinem Schreibtisch "viele neue Werbeverträge liegen, weil Firmen merken: Der Name Boris Becker ist heiß." Wer Publizität suche, engagiere ihn, sagte Becker. "Man kann mit einem Schuss Humor unglaublich viele gute Werbeslogans finden aus den letzten vier Monaten."

Am 20. Juni 2018 endet das Insolvenzverfahren in Großbritannien gegen den dreimaligen Wimbledon-Sieger, welches er derzeit mit seinem Insolvenzverwalter aufarbeitet. "Praktisch jede Woche stoßen wir auf neue Details, die auch ihn stutzen lassen. Auch ich bin brennend daran interessiert, die ganze Wahrheit zu erfahren", sagte Becker und beteuerte: "Ich habe kein Problem, zu meinen Fehlern zu stehen, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Aber ich büße nicht für etwas, das ich nicht getan habe."

Dabei zeigte sich Becker zuversichtlich, dem Richter eine "neue Faktenlage" präsentieren zu können: "Um in der Tennis-Terminologie zu bleiben: Der erste Satz ist gespielt. Nun stehen wir im zweiten, ich habe eben ein Break gemacht und schlage nun auf."

 wit/spon

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