Montag, 16. Juli 2018

Mehrere Jungen aus Höhle gerettet Bohrspezialist Herrenknecht will Jungen in Thailand helfen

Retter in der Höhle in Thailand: Spezialisten aus aller Welt bemühen sich um das Leben der Eingeschlossenen.
AP/ Tham Luang Rescue Operation Center
Retter in der Höhle in Thailand: Spezialisten aus aller Welt bemühen sich um das Leben der Eingeschlossenen.

Unternehmer Martin Herrenknecht bei einer Bohrung im Gotthard-Massiv in den Alpen

Die äußerst gefährliche Rettungsaktion für die zwölf in einer Höhle in Thailand eingeschlossenen Jungen und ihren Fußballtrainer hat am Sonntag begonnen und war bereits zum Teil erfolgreich: Inzwischen konnten bereits mehrere Jungen aus der Höhle befreit werden.

Wie die "Bild am Sonntag" berichtete, engagiert sich auch der deutsche Tunnelbohrspezialist Herrenknecht aus Baden-Württemberg bei der Rettung der Eingeschlossenen. Der Zeitung zufolge befinden sich bereits Ingenieure des Unternehmens vor Ort in Thailand. Auch Firmenchef Martin Herrenknecht will Ende kommender Woche zum Ort des Geschehens fliegen, wie er der "BamS" sagte.

"Wir werden versuchen, mit unseren Spezialbohrern vertikal ein 30 Zentimeter breites und 800 Meter tiefes Loch zur Luftzufuhr zu den eingeschlossenen Kindern zu bohren", so Herrenknecht in der Zeitung. "Mit einer zweiten Bohrung würden wir per Horizontalspülbohrverfahren versuchen, die Wassersäcke in der Höhle zu treffen, damit das Wasser ablaufen kann." Diese Bohrungen können dem Bericht zufolge allerdings bis zu 14 Tage dauern. Inwieweit die Hilfe Herrenknechts angesichts der inzwischen voran schreitenden Rettungsaktion noch benötigt wird, erscheint offen.

Zuvor hatte es offenbar auch Gespräche mit Tech-Milliardär Elon Musk gegeben, dessen Unternehmen bei der Rettungsaktion mit einem Mini-U-Boot helfen könnte. Am Freitag hatte der 47-Jährige angekündigt, Ingenieure seiner Unternehmen SpaceX und The Boring Company seien auf dem Weg nach Thailand. Zudem gebe es Überlegungen, ein U-Boot in Kindergröße zu bauen. Seine Techniker würden dafür etwa 8 Stunden brauchen. Mit dem Taucheinsatz dürfte sich dieses Projekt überholt haben.

Musk hat den Höhlenrettern in Thailand viel Erfolg für ihre riskante Rettungsaktion gewünscht. Nachdem bekannt wurde, dass Taucher die eingeschlossenen Jungen am Sonntag aus der Höhle holen sollen, twitterte Musk, er wünsche dem "extrem fähigen Taucherteam" alles Gute. Wegen des Monsunregens sei der Einsatz nun vernünftig.

An dem Rettungseinsatz, der am Sonntag gestartet wurde, sind 18 Sporttaucher beteiligt, sagte der Provinz-Gouverneur Narongsak Osotthanakorn, der die Aktion auch leitet. "Das Wetter ist gut. Der Wasserstand ist gut. Die Taucher sind bereit. Die Jungen sind körperlich, seelisch und psychisch bereit, herauszukommen."

Die Jungen im Alter von 11 bis 16 Jahren und ihr 25-jähriger Fußballtrainer sind seit dem 23. Juni in der überfluteten Höhle in der Provinz Chiang Rai eingeschlossen. Sie sitzen an einer trockenen Stelle etwa vier Kilometer im Höhleninneren fest.

Bei dem Einsatz, der um 10.00 Uhr Ortszeit (05.00 MESZ) begann, soll jeder Junge von zwei Tauchern begleitet werden. Die Jungen sollen nach und nach einzeln herausgebracht werden. Fünf Taucher stammen aus Thailand, der Rest aus dem Ausland.

Sauerstoffmangel und schlechte Wetteraussichten erhöhten zuletzt den Druck auf die Retter. In den nächsten Tagen soll es wieder heftige Regenfälle geben. Am Aufenthaltsort der Gruppe ist der Sauerstoffgehalt in der Luft von 21 Prozent auf 15 Prozent abgesunken.

Die Rettungsaktion ist äußerst gefährlich: Ein Taucher kam bereits vor wenigen Tagen im Einsatz ums Leben. Selbst die professionellen Taucher benötigten fünf bis sechs Stunden, um von der Gruppe zum Ausgang zu gelangen. Darüber hinaus sind einige der Jungen keine guten Schwimmer.

Am Sonntag waren Sporttaucher und Sanitäter an der Höhle angekommen. Darüber hinaus wurde das in der Nähe des Höhleneingangs platzierte provisorische Mediencamp mit mehr als 1000 thailändischen und ausländischen Journalisten geräumt. Neu ankommenden Reportern wurde der Zugang verwehrt. Sie wurden zu einem Regierungsgebäude weitergeleitet.

cr/AFP/dpa

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