Dienstag, 22. August 2017

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Interview mit TUI-Chef Fritz Joussen "Blockchain ist die Zukunft - da muss die gesamte deutsche Industrie hin"

Friedrich Joussen, Vorstandschef der Tui: "Die Aggregatoren wie Uber, Booking oder AirBnB fallen als Mittelsmänner weg. Das lässt die Luft aus dem aufgeblasenen Silicon-Valley-Kapitalismus"
TUI/Rüdiger Nehmzow
Friedrich Joussen, Vorstandschef der Tui: "Die Aggregatoren wie Uber, Booking oder AirBnB fallen als Mittelsmänner weg. Das lässt die Luft aus dem aufgeblasenen Silicon-Valley-Kapitalismus"

Blockchain ist das nächste Internet: Warum die Technologie nicht nur das Finanz- und Tourismusgewerbe radikal verändern wird, erläutert Tui-Chef Fritz Joussen im Interview.

mm.de: Die TUI will ab Sommer ihre Bettendankenbank auf Blockchain-Technologie laufen lassen. Warum?

Fritz Joussen: Wir disrupten uns selbst weil ich 100 Prozent sicher bin, dass Blockchain die Zukunft ist. Auf diese Technologie muss sich nicht nur die TUI umstellen. Da muss die gesamte deutsche Industrie hin - und zwar schnell.

mm.de: Sitzen Sie da nicht einem Hype auf, den derzeit IT-Firmen wie IBM oder Berater wie Deloitte befeuern um große Projekte zu verkaufen?

Joussen: Die Technik ist noch jung - so wie das Internet zu Beginn der 1990er Jahre. Deshalb versteht noch nicht jeder, welche disruptive Kraft sie entwickeln kann. Aber bald wird sie viele Geschäftsmodelle umwälzen.

mm.de: Welche Branche trifft es zuerst?

Joussen: Gefährdet sind vor allem Internet-Plattformen wie Booking.com, AirBnB oder Uber. Sie beruhen alle auf Quasi-Monopolen und kassieren deshalb gigantische ungerechtfertigte Margen. Diese unguten Strukturen wird die Blockchain aufbrechen.

mm.de: Werden also die Disruptoren des Internet jetzt selbst disrupted?

Joussen: Genau. Mit Blockchain liegt das gesamte Wissen im Netz. Jeder hat kann alle Informationen einsehen und sicher Werte übertragen, also zu Beispiel direkt eine Ferienwohnung oder einen Fahrer bezahlen. Die Aggregatoren fallen als Mittelsmänner weg. Das lässt die Luft aus dem aufgeblasenen Silicon Valley-Kapitalismus.

mm.de: Ihre lästigen Konkurrenten Booking oder AirBnB sollen also sterben?

Joussen: Diese großen Marken sind dank ihrer gigantischen Marketinganstrengungen schon viel zu etabliert. Die gehen schon nicht unter. Aber ihre Monopolrenten werden sinken. Sie werden nicht mehr als Intermediäre gebraucht, die für Vertrauen zwischen Anbieter und Kunde sorgen.

Lesen Sie auch im neuen manager magazin (S. 90): Internet der Sprünge - warum Blockchain nicht nur Tourismus und das Finanzgewerbe radikal verändern wird

mm.de: Und wer übernimmt die Macht im Internet?

Joussen: Sie bleibt jedenfalls nicht mehr bei ein paar wenigen privilegierten Datenbanken, die sich riesige Margen einverleiben. Chancen für neue Geschäftsmodelle bieten sich in allen Branchen - auch für die deutsche Wirtschaft. Wir haben gerade in Ostdeutschland viele tolle Startups. Physiker und Mathematiker, die Blockchain wirklich verstehen und weiterentwickeln.

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