Dienstag, 23. Januar 2018

Unschöne neue Arbeitswelt (2) Big Data Hype - Schluss mit blinder Dummheit!

4. Teil: Big Data: Weniger ist letztlich mehr

Sollte man Big Data also generell aus dem Weg gehen? Trotz allem nicht, denn in unserer hochdynamisch-vernetzten Arbeitswelt brauchen wir Entscheidungshilfen - aber nur solche, die tatsächlich Entscheidungen unterstützen und Nutzwert liefern.

Hierzu bieten sich Maßnahmen an, die gefährlich-dummes Big Data vielleicht etwas weniger gefährlich machen:

  • (1) Entwickler von Big Data sollten zumindest teilweise offenlegen, worin ihre Entscheidungslogik liegt. Nur dann können solche Algorithmen auf Gefahren und Bluffs untersucht werden. Schließlich sind bei uns aus gutem Grund Medikamente verboten, bei denen Hinweise auf Nebenwirkungen und Inhaltsstoffe fehlen, bei denen man aber trotzdem an Wirksamkeit glauben und dafür bezahlen soll.
  • (2) Medien und vor allem Management-Zeitschriften sollten aufhören, pauschalisierte Laudatios auf Big Data und dümmliche Studien über "erwarteten Nutzen" zu drucken. Sie sollten vielmehr journalistisch sauber erklären, mit welchen Daten welche Berechnungen mit welcher Konsequenz angestellt werden. Das liest sich zwar nicht mehr so leicht und flockig, ist aber nötig. Gleiches gilt für die lautstarken Protagonisten im selbstreferentiellen Konferenzzirkus.
  • (3) Unsere obersten Entscheidungsträger für Bildung und Forschung sollten nicht länger Big Data zur Allzweckwaffe hochstilisieren, die den Kahlschlag in anderen Lehr- und Forschungsbereichen legitimiert. Kritiker an Big Data sollten von der Informatik-Lobby nicht mehr als Ewig-Gestrige Verweigerer gebrandmarkt und stigmatisiert werden: Wir brauchen einen Diskurs darüber, wo und wie wir mit Big Data arbeiten wollen.
  • (4) Ein vernünftiger Umgang mit Big Data lässt sich durch Gesetze erleichtern. Deshalb sollte sich unser Justizminister den Film "Democracy" anschauen und sich über die aktuelle EU-Datenschutzrichtlinie hinausgehend diesem Thema zuwenden, also beispielsweise Konstrukte wie "pseudoanoymisierte Daten", "Meta-Daten" und "Record Linkage" näher betrachten. Wohlgemerkt geht es dabei nicht um ein "Verhindern von Big Data", sondern um eine vernünftige Integration in unsere datenbasierte Arbeitswelt.
  • (5) Jedes Unternehmen sollte eine Big Data Policy veröffentlichen, in der es transparent macht, mit welchen Daten und welchen Algorithmen aus dem Bereich Big Data es arbeitet. Damit können Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung belegen und bei (potenziellen) Mitarbeitern sowie Kunden punkten.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH