Sonntag, 26. Juni 2016

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Bezahlen mit dem Handy Telekom patzt bei mobiler Brieftasche

Telekom: Tims Team - auf welche Manager Höttges setzt
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DPA

Bezahlen mit dem Handy gilt IT-Konzernen wie Google, Apple oder Ebay als zukunftsträchtiges Neugeschäft. Doch die Telekom patzt beim Marktstart ihrer mobilen Brieftasche.

Bonn - Allzu oft hat Thomas Kiessling, Innovationschef der Deutschen Telekom, nicht die Gelegenheit, mit neuen Produkten zu glänzen. Sein letzter großer Auftritt in dieser Mission liegt mehr als ein Jahr zurück. Da stellte der Telekom-Mann in der Hauptstadtrepräsentanz das Projekt "mobile Wallet" vor. Smartphones, aufgerüstet mit entsprechender Technologie, würden das Bezahlen mit Kreditkarte oder Bargeld für Telekom-Kunden bald überflüssig machen, verkündete er da - und aus ganz Europa angereiste Journalisten schrieben mit.

Das war im Juli 2012. Doch Kiessling hat es verpatzt. Denn die Telekom Börsen-Chart zeigen ist noch weit davon entfernt, ihre Vorstellungen real werden zu lassen. Seit der Ankündigung ist das Produkt allein in Polen planmäßig gestartet, in Tschechien läuft ein goßer Testversuch. In Deutschland, dem größten Markt der Telekom, wurde der Marktstart jetzt verschoben. Ursprünglich war dieser schon für das erste Halbjahr 2013 geplant. Möglicher neuer Starttermin: Sommer 2014.

Dabei gilt das Bezahlen mit dem Handy in der Techbranche als neue Allzweckwaffe im Kampf um zukunftsträchtiges Neugeschäft. Google Börsen-Chart zeigen, Ebay Börsen-Chart zeigen, Apple Börsen-Chart zeigen - alle haben sich längst positioniert. Es ist die Rede vom "Krieg der mobilen Brieftaschen", der sich in der Branche abzeichne.

Dem Angebot der Telekom mangelt es indes noch an Möglichkeiten, überhaupt die Front zu erreichen. So ist es dem Konzern bisher nicht gelungen, für den Dienst eine Genehmigung von der Finanzdienstleistungsaufsicht einzuholen. Strittig in den Verhandlungen mit der Bafin ist etwa noch, nach welchem Verfahren sich die Kunden sicher registrieren lassen sollen. Die Telekom bestätigte, dass die Bafin-Zulassung noch nicht vorliege. Man sei aber in "konstruktiven Gesprächen".

Auch fehlen attraktive Partner. Denn mit der Telekom-Brieftasche sollten auch Bahnfahrkarten, Flugtickets oder Rabattcoupons genutzt werden können. Vorbild ist Apples Angebot Passbook. Die Telekom tut sich indes mit der Partnerakquise schwer. Vor allem die Verhandlungen mit Sparkassen und Banken ziehen sich hin.

Und selbst in Polen läuft es nicht nach Plan. Der Dienst funktioniert auf Basis der NFC-Technologie. Hochrangige Telekom-Manager lassen verlauten, die Zahl der verkauften NFC-fähigen Handys wie die der Ablesegeräte, etwa an Supermarktkassen, liege unter den Erwartungen. Verkalkuliert, vertagt - das mag anderswo als Fiasko gelten. In Kiesslings Innovationsabteilung gehört es zum System.

Die mangelhafte Umsetzungsfähigkeit der Truppe erzürnt längst die Aufsichtsräte. Der künftige CEO, Tim Höttges (51), will nun Kiesslings Reich deutlich straffen. Eines der ersten Geschäfte, die deshalb demnächst ausgegliedert werden sollen? Division "Payment".

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