Mittwoch, 20. Juni 2018

Airlines - neue Player jagen Emirates und Co. Die jungen Wilden vom Golf

Ranking: Die besten Airlines 2016
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Die besten Fluggesellschaften: Singapore Airlines und Emirates stehen vorn im Ranking. Mit gutem Service zu niedrigen Kosten haben sie die Europäer abgehängt. Doch ihre Vormachtstellung ist bedroht.

Sie sind harte Konkurrenten, ihre Strategien könnten unterschiedlicher kaum sein - und doch haben Singapore Airlines und Emirates eines gemeinsam: den Erfolg. Die beiden Fluglinien aus dem Fernen und dem Nahen Osten sind die Sieger des Rankings "Beste Airlines" von manager magazin und Statista. Von ihren Fluggästen erhalten sie Bestnoten bei Komfort und Service, mehr als 90 Prozent ihrer Kunden würden sie Freunden oder Geschäftspartnern empfehlen - davon können die meisten Konkurrenten nur träumen.

Mit einem Gesamtscore von 99,1 liegt der Lufthansa-Partner aus Singapur knapp vor dem Rivalen aus Dubai, der auf einen Wert von 97, 7 kommt. Viel besser geht es nicht. "Beide Anbieter haben über Jahre konsequent in modernes Fluggerät und in den Bordservice investiert", sagt Oliver Toman, Senior Analyst bei Statista und Projektleiter der Studie. "Das scheint sich auszuzahlen." Fragt sich nur, für wie lange: Alte wie neue Rivalen haben die Gegenoffensive bereits gestartet.

Bislang jedoch schafft es noch niemand, die Champions zu toppen. Die Businessclass von Singapore gilt als eine der besten der Welt. Vor allem auf den Strecken von und nach Südostasien heimsen die Asiaten erste Plätze ein: Service, Flugkomfort, Pünktlichkeit - der Klassenbeste heißt stets Singapore Airlines. "Es gehört zum Kern unserer Philosophie, die Kundenzufriedenheit in den Mittelpunkt zu stellen", sagt Mohamed Rafi Mar, General Manager für Deutschland, Österreich, Zentral- und Osteuropa. "Wir schulen unser Kabinenpersonal über 15 Wochen, länger als jeder Wettbewerber."

Womit Emirates bei den Kunden punktet

Emirates punktet vor allem in der Economyclass mit der Ausstattung seiner Flugzeuge. Egal ob auf den Strecken von und nach Asien, Australien, Afrika oder in den Nahen Osten, Sieger in der Kategorie Flugkomfort sind jedes Mal die Araber. Kein Wunder: Emirates unterhält die größte A380-Flotte der Welt, der Riesen-Airbus bietet selbst in der untersten Buchungsklasse auskömmliche Platzverhältnisse. Bis zu 2500 verschiedene Unterhaltungsprogramme an Bord machen die Maschinen zu fliegenden Videotheken. "Unsere Großraumflugzeuge sind nicht nur komfortabler für unsere Passagiere, sondern auch effizienter in ihrer Leistung", erklärt Volker Greiner, Vice President für Nord- und Zentraleuropa, den Vorsprung beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem profitiert die Staatslinie des Emirats Dubai von einer üppigen Kapitalausstattung sowie niedrigen Kosten am Heimatstandort - ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz.

So vergleichbar Singapore und Emirates in Sachen Kundenzufriedenheit sind, so unterschiedlich sind ihre Strategien. Die Golf-Airline setzt mit ihrer Großraumflotte auf das Massengeschäft zwischen den großen Luftverkehrsknoten mit Dubai als Dreh- und Angelpunkt. Von Allianzen hält Vorstandschef Tim Clark wenig, mithilfe des finanzstarken Eigners expandiert er lieber mit der eigenen Marke.

Ganz anders Singapore: "Niemand kann die ganze Welt allein bedienen", sagt Deutschland-Chef Mar. Für ihn sind ein engmaschiges Routennetz und gut aufeinander abgestimmte Verbindungen entscheidend für den langfristigen Erfolg. "Wir arbeiten deshalb mit vielen Partnern zusammen, allen voran mit Lufthansa und den anderen Star-Alliance-Mitgliedern." Mit den Deutschen wollen die Asiaten noch einen Schritt weitergehen und die umkämpften Strecken nach Südostasien und Australien in ein Gemeinschaftsunternehmen einbringen. "Wir warten noch auf die Genehmigungen der verschiedenen Kartellbehörden", so Mar. "Wir hoffen, dass wir 2017 starten können."

Experten sehen den Teilzusammenschluss als Reaktion auf den immer größer werdenden Preisdruck auf Langstreckenflügen. "Singapore leidet besonders unter dem Angriff der finanzstarken Araber", sagt Gerald Wissel, Inhaber des Luftfahrtberatungsunternehmens Airborne in Hamburg. "Die ziehen sich zurzeit eher aus dem deutschen Markt zurück." Denn längst nicht nur Emirates beansprucht die Lufthoheit auf den lukrativen Routen nach Südostasien und Ozeanien für sich. Eine ganze Reihe neuer arabischer Eroberer ist gestartet, den Champions ihr Revier streitig zu machen. Alle kommen aus der Golf-Region - und alle haben ziemlich tiefe Taschen.

Vom Jäger zum Gejagten

Beflügelt durch den Erfolg von Emirates, haben die Regierungen von Abu Dhabi, Katar und Oman ebenfalls nationale Fluglinien aufgebaut und nutzen die strategisch günstige Lage am Persischen Golf. In kürzester Zeit eroberten Etihad Airways, Qatar Airways und Oman Air nicht nur Marktanteile - sondern auch die Herzen der Kunden.

Oman Air hat eine kleine, aber extrem begeisterte Fangemeinde, Qatar geriert sich als Preisbrecher und bietet die Verbindung Frankfurt-Dubai inzwischen günstiger an als Emirates. Etihad kauft sich mit der geballten Finanzkraft des Emirats ein internationales Netzwerk zusammen: Air Berlin, Alitalia, Virgin Australia. Equity Alliance hat Etihad-Chef James Hogan den Verbund getauft - und damit klargemacht, mit wem er es aufzunehmen gedenkt: mit den großen Luftfahrtallianzen der Welt, allen voran mit der Star Alliance um Lufthansa und Singapore. Allerdings hat sich Hogan in erster Linie teure Sanierungsfälle angelacht.

Bei den Kunden schafft es Qatar Airways im mm-Ranking auf Platz 4, Etihad und Oman folgen auf den Rängen 6 und 7. Damit liegen alle Golf-Airlines nur wenige Scorepunkte hinter Singapore und Emirates - und vor Lufthansa. Das Golf-Turnier hat jedoch gerade erst begonnen. "Wir erwarten, dass bald auch Billigairlines verstärkt Langstreckenflüge in der Region anbieten werden", sagt René Steinhaus, Luftfahrtexperte bei A. T. Kearney.

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