Sonntag, 23. April 2017

Best of European Business Preis für das Land des "Trotzdem"

Best of European Business: Bilder von der Preisverleihung
Fotos
Roland Berger

Wer mit ambitionierten Managern eine kluge Strategie umsetzt, den bringen selbst bürokratische und politische Hürden nicht aus dem Tritt. Deshalb stand Italien im Mittelpunkt der "Best of European Business"-Awards, die Roland Berger Strategy Consultants in Berlin vergeben hat.

Berlin - Basta, jetzt reicht's wirklich. Wer Italien aus der Krise führen will, darf sich nicht von Berlusconi-Mätzchen aufhalten lassen. Das Signal der Parlamentarier im Herbst war überfällig. Quartal für Quartal schrumpfte Italiens Wirtschaft als Folge von eitlen Politränken, einer behäbigen Bürokratie, starren Gesetzen und Unternehmern, die daran verzweifeln - und trotzdem weitermachen.

Italien ist das Land des "Trotzdem". Das zeigen die italienischen Unternehmen, die unbeeindruckt von widrigen Umständen in ihren Branchen zur Weltklasse zählen. Das gilt nicht nur für Mode-Ikonen wie Zegna, Prada, Gucci, Armani oder Dolce & Gabbana, die jeder kennt. Und für die Prestige-Autos der Marken Lamborghini und Ferrari (und damit Fiat Börsen-Chart zeigen), die überall auf der Welt bewundert werden.

Nein, ähnlich wie in Deutschland kann Italien viele "Hidden Champions" vorweisen, die in ihrer Branche zu den Weltmarktführern zählen. Die stellen beispielsweise Bremsanlagen (Brembo) her, Maschinen zur Glasbearbeitung (Bottero) oder Anlagen für gasgetriebene Autos (Landi Renzo).

Ihnen allen gewährt der Staat jetzt mehr Luft zum Atmen. Ministerpräsident Mario Monti und sein Nachfolger Enrico Letta versuchen, die Bürokratie abzubauen und den starren Arbeitsmarkt aufzubrechen. Offenbar mit Erfolg.

"Italiens Arbeitsmarkt- und Steuerreformen beginnen zu greifen", sagt Burkhard Schwenker, CEO der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants. "Wenn die italienische Wirtschaft wieder Tritt fasst, ist das ein wichtiges Signal für den gesamten Süden und die Zukunft Europas."

Vorbildliches in Europa und für Europa

Deshalb steht Italien dieses Jahr im Blickpunkt der "Best of European Business"-Awards, kurz BEB. Seit 2005 werden diese Preise von den Roland Berger Strategy Consultants an Manager und Unternehmen vergeben, die Vorbildliches in Europa und für Europa leisten. "Wir müssen anders über Europa denken und reden - über unsere industriellen Kompetenzen, unsere Handwerkskultur und über unsere Art, Unternehmen erfolgreich zu führen", sagt Roland-Berger-CEO Schwenker. "Mit unserer Initiative Best of European Business wollen wir auf diese Stärken aufmerksam machen und ein europäisches Selbstbewusstsein fördern."

Am 20. November 2013 wurden BMW Börsen-Chart zeigen, Fuchs Petrolub und Federico Ghizzoni ausgezeichnet. Ghizzoni hat in seinen bislang drei Jahren als Vorstandsvorsitzender der Unicredit Group die strategischen Bande zwischen Italien und Deutschland gefestigt, längst spielt die deutsche Tochter mit ihren 862 HypoVereinsbank-Filialen und 22 Prozent des Umsatzes eine bedeutende strategische Rolle für die Unicredit.

Ein Musterbeispiel für die engen persönlichen, wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen beider Länder. Deshalb wird in Deutschland genau beobachtet, wie Unicredit Börsen-Chart zeigen sich müht, den Aufschwung in Italien zu unterstützen.

Unicredit-Chef Ghizzoni: "Anzeichen für einen Turnaround"

Das fällt der größten italienischen Bank nicht leicht, denn alle Finanzinstitute stocken derzeit ihre Reserven auf, um gegen erwartete Schuldnerausfälle gewappnet zu sein. Nicht grundlos: Allein bei Unicredit stehen fast 60 Milliarden Euro an Problemkrediten in den Büchern. Allerdings werde der Berg an faulen Darlehen kaum weiter anwachsen, glaubt CEO Ghizzoni: "Wir sehen die ersten positiven Anzeichen für einen Turnaround."

Dabei hilft das Investitionsprogramm der italienischen Regierung. Drei Milliarden Euro sollen investiert werden, um das Bahnnetz, Brücken, Tunnel und Schulen zu sanieren. Und die sehnsüchtig erwarteten Reformen des Arbeitsmarktes. "Das ist Voraussetzung für das angepeilte Wachstum", sagt Ghizzoni. Der Unicredit-Chef ist zuversichtlich: "Ich bin überzeugt, dass Italien sich erholt und wir im vierten Quartal ein Wachstum sehen werden."

Er selbst trägt dazu bei. Ghizzoni hat im vergangenen Jahr die Bewertungskriterien für Mittelständler geändert. Nicht nur der Blick auf die Bilanz entscheidet über den Kredit: "Genauso wichtig ist, dass wir unsere Kunden gut kennen." Deshalb dezentralisiert Unicredit die Kreditvergabe: "Wir machen das vor Ort", sagt Ghizzoni. "So verstehen wir besser, mit wem wir es zu tun haben."

Best of European Business Award

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