Freitag, 25. Mai 2018

Surreales BER-Chaos, "Winterruhe" im Sommer Was ist Deutschlands peinlichster Flughafen?

6. Teil: Magdeburg-Cochstedt: Briefkastenfirma blamiert Ministerium

Um Interesse für den insolventen Flughafen Magdeburg-Cochstedt zu wecken, bedarf es markiger Sprüche. In der Region würden "Amazon, Apple, Tesla und Toyota nach möglichen neuen Standorten" suchen, orakelte zuletzt die US-amerikanische Firma Liquidity Service, die für den Pleite-Airport lange einen Käufer suchte. Bis März 2018 soll nun einer gefunden werden.

Doch abgesehen davon, dass die Lust der genannten Großkonzerne auf Sachsen-Anhalt eher schwach belegt ist, dürfte die jüngere Geschichte des Flughafens potenzielle Investoren frösteln lassen. Der Linienverkehr ist schon seit etwa vier Jahren komplett eingestellt. Ryanair und Germania etwa bekamen ihre Maschinen nicht mehr voll oder fanden andere Airports attraktiver.

Für die sonnenhungrigen Magdeburger ist der teure Traum vom eigenen Mallorca-Hub geplatzt. Es bleibt ein horrender Verlust für den Steuerzahler. Das Land hatte den Ausbau des Flughafens in den Neunzigerjahren mit mehr als 36 Millionen Euro gefördert.

Spätere Verkaufsversuch endeten mehrfach im Fiasko: Bei einem US-Investor handelte es sich um eine Scheinfirma, die nur über Briefpapier verfügte. Ein arabischer Investor zahlte den Kaufpreis von neun Millionen Euro nicht. Schließlich verscherbelte das Bundesland den Airport für 1,5 Millionen Euro an einen dänischen Investor. Trotz dieser Mini-Summe rutsche der Flughafen zielsicher in die Pleite.

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