Freitag, 16. November 2018

Mehdorn-Rücktritt BER-Aufsichtsrat warnt vor noch höheren Kosten

Bahn, Air Berlin und BER: Mehdorns steiniger Karriereweg
DPA

Kaum hat Hartmut Mehdorn seinen Rücktritt verkündet, warnt ein Aufsichtsrat des Berliner Hauptstadtflughafens vor einem neuen Kostenschub: Das geplante Budget dürfte beim derzeitigen Bautempo nicht reichen.

Schönefeld - Nach dem angekündigten Rücktritt von Hartmut Mehdorn drücken andere Manager des Berliner Hauptstadtflughafens aufs Tempo. Der Aufsichtsrat Rainer Bretschneider deutete an, dass die Kosten des Projekts weiter steigen dürften, wenn der Flughafen nicht schneller fertig wird.

Der bislang angesetzte Rahmen von 5,4 Milliarden Euro sei für einen Betriebsbeginn noch im Jahr 2016 berechnet, sagte Bretschneider, der auch Staatssekretär in Brandenburg ist, am Montag in Potsdam. "Wenn sich das verschiebt, haben wir Mehrkosten. Das wird keine Milliarde sein, aber das wird schon eine Summe", sagt der SPD-Politiker.

Daher hätten die Gesellschafter bei der Europäischen Union vorsorglich die Genehmigung weiterer Beihilfen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro beantragt. Ursprünglich sollten es nur 1,1 Milliarden Euro sein - für die letzte Finanzspritze, die der Aufsichtsrat im Sommer bewilligt hatte.

Mit der größeren Freigabe aus Brüssel wäre auch für Erweiterungen des Flughafens vorgesorgt, wie sie Mehdorn vorschlägt. Der Noch-Chef fürchtet, dass der Flughafen schon bei seiner Eröffnung zu wenig Kapazitäten hat und will am Nordflügel des Flughafens ein weiteres, weitgehend eigenständiges Terminal für acht bis zehn Millionen Passagiere bauen lassen.

Müller drängt auf Neuordnung

Nach Mehdorns angekündigtem Rücktritt drängt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf eine schnelle Neuordnung von Aufsichtsrat und Geschäftsführung des neuen Hauptstadtflughafens. Als Vertreter des Eigentümers Berlin lud er die beiden anderen Gesellschafter, das Land Brandenburg sowie den Bund, zu Gesprächen darüber ein. Wann diese stattfinden sollen, ist allerdings noch nicht klar.

Mehdorn hatte mitgeteilt, er wolle seinen Posten als Vorsitzender der Geschäftsführung spätestens zum 30. Juni 2015 aufgeben. Damit reagierte er auf Angriffe aus dem Aufsichtsrat, der sich am Freitag zuletzt traf. In einem Interview der Zeitungen "Bild" und "B.Z." sagte er: "Es gab vor der Aufsichtsratssitzung ein Mobbing gegen mich." Über seine Nachfolge sei bereits spekuliert worden. "Das war schlechter Stil. Ich gehöre zu den älteren Semestern. Da muss man nicht mehr alles mitmachen."

Für den Aufsichtsrat wird seit dem Ausscheiden des bisherigen Amtsinhabers Klaus Wowereit (SPD) ebenfalls ein neuer Vorsitzender gesucht. Staatssekretär Bretschneider hat Wowereits Aufgaben vorerst übernommen.

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ts/ssu/dpa-afx

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