Montag, 10. Dezember 2018

Nach Monsanto-Übernahme Bayer streicht 12.000 Stellen - viele davon in Deutschland

Bayer-Chef Werner Baumann

Nach der umstrittenen Monsanto-Übernahme, die Bayer Milliarden an Börsenwert gekostet hat, kündigt Konzernchef Werner Baumann ein hartes Sparprogramm an. 12.000 Jobs sollen wegfallen, viele davon in Deutschland. Milliardenabschreibungen im Zuge des geplanten Umbaus schmecken den Anlegern gar nicht. Erst schießt die Aktie hoch, dreht dann aber ins Minus.

Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer will bis Ende 2021 weltweit rund 12.000 Stellen abbauen - viele davon in Deutschland. Der größte Teil des Stellenabbaus werde auf das Pflanzenschutzgeschäft und auf die übergreifenden Konzernfunktionen entfallen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Gleichzeitig vereinbarte Bayer mit dem Betriebsrat in Deutschland ein Zukunftssicherungsprogramm, das betriebsbedingte Kündigungen im Personalverbund der Bayer AG in Deutschland bis Ende 2025 grundsätzlich ausschließt.

Die Effizienz- und Strukturmaßnahmen sollen die Wettbewerbsfähigkeit des Dax -Konzerns steigern und einschließlich der erwarteten Synergien aus der Monsanto-Übernahme von 2022 an jährliche Beiträge in Höhe von 2,6 Milliarden Euro generieren.

An der Frankfurter Börse schnellte die Aktie von Bayer Börsen-Chart zeigen nach Ankündigung des Sparprogrammes zunächst um bis zu 3,9 Prozent in die Höhe. Kurz darauf gerieten die Papiere jedoch unter Druck und drehten ins Minus. Bei hohen Umsätzen lagen sie am Nachmittag mit 63,61 Euro rund 1 Prozent schwächer. Vor der Mitteilung des Konzerns hatten sie rund 1,4 Prozent höher notiert.

Den Anlegern seien vor allem die hohen Abschreibungen ein Dorn im Auge, sagten Börsianer. "Das ist nicht so überzeugend", urteilte ein Aktienhändler.

Bayer muss 3,3 Milliarden Euro abschreiben, Aktie dreht ins Minus

Demzufolge kommen auf Bayer im vierten Quartal Abschreibungen aus den Sparten Consumer Health und Pharmaceuticals in einer Größenordnung von insgesamt 3,3 Milliarden Euro zu, wie der Konzern weiter mitteilte. Die Ebitda-Marge vor Sondereinflüssen des Bayer-Konzerns solle im Zeitraum bis 2022 auf mehr als 30 Prozent steigen, hieß es weiter.


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Der Personalabbau ist Bestandteil eines Effizienzsteigerungsprogramms, mit dem das Unternehmen Produktivität und Ertragskraft deutlich steigern will. Weitere Bestandteile sind die Trennung vom Geschäft mit Tiergesundheit, der Verkauf der Marken Coppertone und Dr. Scholl's sowie die Abgabe des 60-prozentigen Anteils an dem deutschen Chemiestandort-Dienstleister Currenta.

Bayer kämpft an verschiedenen Fronten

Bayer hat derzeit gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. In den USA sieht sich der Konzern nach der Übernahme von Monsanto mit zahlreichen Klagen wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat konfrontiert. Die Kläger werfen dem von Bayer übernommenen US-Unternehmen Monsanto vor, mit Glyphosat ein krebserregendes Mittel verkauft und nicht ausreichend über die Schädlichkeit informiert zu haben. Bayer weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Doch brach die Bayer-Aktie nach dem ersten verlorenen Glyphosat-Prozess massiv ein. Auch im wichtigen Pharmageschäft hatte der Konzern zuletzt wenig erfolgversprechende Neuentwicklungen zu vermelden.

rei/dpa/Reuters

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